Islam in Deutschland
Nach islamfeindlicher Tat: Hunderte solidarisieren sich mit Penzberger Moschee

Viele Hunderte Menschen stellten sich nach einer zweiten islamfeindlichen Schmiererei in Penzberg schützend vor die Moschee. Imam Benjamin Idriz setzt weiter auf Dialog.

Teilen

Penzberg – Nachdem eine Hinweistafel zum muslimischen Freitagsgebet innerhalb weniger Tage bereits zum zweiten Mal islamfeindlich beschmiert worden war, haben rund 450 Menschen vor der Penzberger Moschee ein Zeichen gegen Hass und Intoleranz gesetzt.

Trotz Gewitterwarnung und Regen bildeten sie eine Menschenkette rund um das Islamische Forum. Imam Benjamin Idriz zeigte sich von der großen Solidarität überwältigt und erklärte, dass seine Gemeinde auch nach den erneuten Angriffen weiter auf Dialog und gegenseitigen Respekt setzen werde.

Die spontane Solidaritätsaktion war innerhalb weniger Stunden organisiert worden. Nachdem die erneute Schmiererei am Freitagmorgen entdeckt worden war, entschloss sich das Aktionsbündnis „Penzberg bleibt bunt“ noch am selben Abend, eine öffentliche Kundgebung zu veranstalten. Ziel sei es gewesen, ein sichtbares Zeichen gegen Intoleranz zu setzen und deutlich zu machen, dass man Hass und Einschüchterungsversuchen nicht schweigend zusehen wolle.

Um die Versammlung kurzfristig durchführen zu können, wurden noch am Freitagabend die Stadt Penzberg, die Polizeiinspektion sowie das Landratsamt als zuständige Genehmigungsbehörde eingebunden. Ursprünglich war mit rund 300 Teilnehmern gerechnet worden. Am Sonntagabend zählte die Polizei jedoch etwa 450 Menschen, die trotz angekündigter Gewitter und einsetzendem Regen zur Moschee kamen. 

Schon kurz nach Beginn der Kundgebung zeigte sich, dass der ursprünglich geplante Bereich für die Menschenkette nicht ausreichen würde. Die Teilnehmer stellten sich nicht nur rund um die Moschee, sondern auch um das benachbarte Lokal „Maida“ auf.

Wie der Merkur berichtet, bildeten sie an mehreren Stellen sogar Dreierreihen, weil immer mehr Menschen hinzukamen. Nach Angaben der Organisatoren hätte man mit mehr Vorlauf vermutlich noch deutlich mehr Bürger mobilisieren können. Nach der zweiten Schmiererei habe man jedoch bewusst keine Zeit verstreichen lassen wollen.

„Mit mehr Vorlauf hätte man sicherlich noch mehr Bürger mobilisieren können“, zitiert Merkur die Teilnehmer.

Die Solidaritätsaktion wurde auch von Vertretern anderer Religionsgemeinschaften unterstützt. Der katholische Pfarrer Bernhard Holz hatte bereits im Sonntagsgottesdienst für eine Teilnahme an der Menschenkette geworben. Auch der evangelische Pfarrer Julian Lademann beteiligte sich an der Kundgebung.

Darüber hinaus reisten Unterstützer aus anderen Städten an. So zeigte sich etwa Tarek Abdin-Bey vom Deutsch-Syrischen Verein aus München beeindruckt von der großen Solidarität der Penzberger Bevölkerung.

Imam Benjamin Idriz stand während der Menschenkette gemeinsam mit den drei Bürgermeistern der Stadt sowie mehreren Stadträten Hand in Hand in der Reihe der Teilnehmer. Die große Beteiligung habe ihn tief bewegt. Mit einer derart großen Solidaritätsbekundung habe er nicht gerechnet, erklärte der Imam. Die Unterstützung aus der Bevölkerung sei für ihn überwältigend.

Vor der Bildung der Menschenkette richteten die Organisatoren sowie Bürgermeister Thomas Kopf kurze Grußworte an die Teilnehmer. Viele Bürger machten deutlich, dass sie die wiederholten Angriffe auf das Islamische Forum nicht schweigend hinnehmen wollten. Das Penzberger Ehepaar Sonnenstuhl erklärte, man müsse in einer solchen Situation Haltung zeigen und dürfe nicht einfach wegsehen. Ein weiterer Teilnehmer brachte seine Eindrücke nach der Veranstaltung mit den Worten auf den Punkt: „Penzberg funktioniert.“

Die Kundgebung verlief friedlich und ohne Zwischenfälle. Auch nach dem offiziellen Ende blieben zahlreiche Teilnehmer noch auf dem Gelände der Moschee, um miteinander ins Gespräch zu kommen. 

Für Imam Benjamin Idriz steht trotz der erneuten islamfeindlichen Schmiererei fest, dass sich am Kurs der Gemeinde nichts ändern werde. Bereits nach dem ersten Angriff hatte das Islamische Forum erklärt, sich nicht einschüchtern zu lassen und weiterhin Brücken zwischen den Religionsgemeinschaften bauen zu wollen. Daran halte man auch nach dem zweiten Vorfall fest. Vertrauen entstehe nur durch Begegnung, nicht durch Ausgrenzung oder Feindseligkeit.

Die Menschenkette wurde deshalb von vielen Teilnehmern nicht nur als Zeichen der Solidarität mit der islamischen Gemeinde verstanden, sondern auch als Bekenntnis zu einem friedlichen Zusammenleben in der Stadt. Gerade nach den wiederholten Angriffen wollten zahlreiche Bürger deutlich machen, dass Hass und Intoleranz in Penzberg keinen Platz haben.

Bereits wenige Tage zuvor war die neu aufgestellte Hinweistafel zum muslimischen Freitagsgebet an den Ortseinfahrten der Stadt Ziel einer islamfeindlichen Schmiererei geworden. Nachdem das Schild gereinigt worden war, beschmierten Unbekannte es kurze Zeit später erneut. Die Kriminalpolizei und der bayerische Staatsschutz ermitteln wegen einer mutmaßlich politisch motivierten Tat.


ZUM THEMA

Penzberg: Anschlag auf Schild mit muslimischen Gebetszeiten

Auch interessant

Ben Affleck: Einsatz für Palästinenser war „Lebensaufgabe seiner Mutter“

Los Angeles - Hollywood-Star Ben Affleck hat seiner verstorbenen Mutter Chris Affleck mit bewegenden Worten gedacht. In einer öffentlichen Nachricht an den palästinensischen Schriftsteller...

Gastkommentar: Trump gehen die Raketen aus

Ein Gastkommentar von Michael Thomas Analysten haben schon früh beim Schusswechsel zwischen USA, Israel und Iran befürchtet, dass genau das eintreten könnte, was jetzt geschehen...

Überraschender Bürokratieabbau – Mamdani entlastet 180.000 Kleinbetriebe

New York – Kostenlose Abendbetreuung für Familien, kommunale Supermärkte mit 30 Prozent Rabatt auf Grundnahrungsmittel und der Abbau eines 12-Milliarden-Dollar-Defizits trotz scharfer Angriffe von...

Studie: Israels Auswanderung erreicht Rekordniveau

Tel Aviv - Die Zahl der Israelis, die ihr Land für längere Zeit verlassen, ist nach einer neuen Studie der Universität Tel Aviv auf...

Zwischen persönlicher Erfahrung und politischer Erzählung: Ein Blick auf LGBT in der Türkei

Ein Gastkommentar von Marina Bütün Zu diesem Thema spreche ich nicht aus der Distanz. Meine Sicht ist geprägt von eigenen, sehr konkreten Erfahrungen – aus...

Headlines

Bericht: Israel beeinflusst KI-Systeme mit Millionen-Kampagne

Washington/Jerusalem – Die israelische Regierung soll laut einer Recherche des US-Mediums Drop Site News eine millionenschwere Kampagne finanziert haben,...

Jacob Israël de Haan: Von Zionisten ermordet

Die Geschichte des schwedischen UN-Vermittlers Folke Bernadotte ist heute kaum bekannt. Noch weniger Menschen kennen Jacob Israël de Haan....

Orthodoxe Juden: „Zionismus ist Terrorismus“

Jerusalem - Die innenpolitische Krise in Israel rund um die Aufhebung der Wehrpflichtbefreiung für ultraorthodoxe Juden hat sich am...

AIPAC verliert seinen Einfluss: Immer mehr US-Politiker gewinnen ohne die mächtige Israel-Lobby

Washington - Jahrzehntelang galt die Unterstützung der pro-israelischen Lobbyorganisation AIPAC in den USA als nahezu sichere Garantie für einen...

Meinung

ARD Mediathek zeigt MMA-Serie „Fight House“

Frankfurt - Mixed Martial Arts - kurz MMA - boomt weltweit, auch in Deutschland. Die dreiteilige Dokuserie "Fight House" begleitet drei Brüder aus dem...

BAföG-Geförderte auf niedrigstem Stand seit 2000

Berlin - Im Jahr 2025 haben 570 000 Personen monatliche Leistungen nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) erhalten. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, waren das...

Geleceğin Cumhurbaşkanı: Hakan Fidan

Polat Karaburan Recep Tayyip Erdoğan, yarım asrı aşkın bir süredir Türkiye’nin siyasi hayatına yön veriyor. 1976 yılında merhum Necmettin Erbakan’ın siyasi hareketinde filizlenen bu yolculuk,...

The Economist: Erdoğan, Müslüman dünyasının en popüler politikacısı

Londra - Neredeyse iki milyar insandan oluşan devasa ve çeşitlilik arz eden bir topluluk olan küresel Müslüman topluluğu Umma/Ümmet içinde, birleştirici bir temsilci arayışı...

Wall Street Journal: Türkiye’nin durdurulması gerekiyor

Konuk Yazar: Özgür Çelik Bradley Martin tarafından kaleme alınan ve 4 Mart 2026 tarihinde Wall Street Journal'da yayımlanan "Türkiye'yi Dizginlemek İçin Acil Bir İhtiyaç" (An...