Tel Aviv – Israelische Medien berichten unter Berufung auf offizielle Wirtschaftsdaten, dass die Exporte des Landes trotz internationaler Boykottaufrufe einen neuen Höchststand erreicht haben.
Nach Angaben der Jerusalem Post, die sich auf die israelische Außenhandelsverwaltung und offizielle Wirtschaftsdaten beruft, hätten sich die israelischen Exporte auf rund 169 Milliarden US-Dollar belaufen und damit einen neuen Rekordwert erreicht.
Dem Bericht zufolge wurden damit sowohl frühere Prognosen als auch der bisherige Rekord aus dem Jahr 2022 übertroffen. Als wichtigste Wachstumstreiber gelten demnach vor allem der Hightech-Sektor sowie der Export digitaler Dienstleistungen wie Software, Cybersicherheit sowie Forschungs- und Entwicklungsleistungen.
Nach Angaben der Zeitung seien die Exporte in einige europäische Märkte zwar zurückgegangen. Gleichzeitig habe Israel seine Wirtschaftsbeziehungen zu mehreren asiatischen Staaten ausgebaut. Genannt werden unter anderem Indien, Vietnam, Thailand, die Philippinen und Japan. Die Jerusalem Post berichtet zudem, dass der Rekord trotz Boykottaufrufen, geopolitischer Spannungen sowie Beeinträchtigungen internationaler Handelsrouten erzielt worden sei.
Mehrere israelische Wirtschaftsmedien führen die Entwicklung darauf zurück, dass digitale Dienstleistungen und Hightech-Produkte deutlich weniger anfällig für Handelsstörungen und Boykotte seien als klassische Warenexporte. Zudem seien viele israelische Technologie- und Cybersicherheitslösungen langfristig in internationale Unternehmensstrukturen eingebunden und könnten daher nur schwer kurzfristig ersetzt werden.
Frühere Warnungen aus der Landwirtschaft
Die neuen Wirtschaftsdaten stehen zugleich neben Berichten, die Anfang des Jahres auf erhebliche Probleme in Teilen der israelischen Landwirtschaft hingewiesen hatten.
Israelische Branchenmedien warnten damals vor einer schwierigen Lage im Agrarsektor. Landwirte berichteten demnach von rückläufigen Bestellungen aus Europa, stornierten Lieferverträgen sowie wachsendem wirtschaftlichem Druck infolge internationaler Boykottaufrufe. Besonders betroffen gewesen seien unter anderem Exporteure von Medjool-Datteln, Avocados und Zitrusfrüchten.
Hinzu kam nach diesen Berichten ein erheblicher Arbeitskräftemangel. Seit Beginn des Krieges im Gazastreifen hätten zahlreiche ausländische Arbeitskräfte das Land verlassen, während palästinensische Arbeitskräfte aus dem Westjordanland vielfach nicht mehr auf landwirtschaftlichen Flächen eingesetzt werden konnten. Branchenvertreter warnten damals vor erheblichen wirtschaftlichen Folgen für zahlreiche Betriebe.
Unterschied zwischen Landwirtschaft und Gesamtwirtschaft
Die nun veröffentlichten Exportzahlen deuten jedoch darauf hin, dass Schwierigkeiten einzelner Wirtschaftszweige nicht zwangsläufig die gesamte Exportentwicklung widerspiegeln.
Während der Agrarsektor nach Berichten israelischer Branchenmedien unter Boykottaufrufen, steigenden Kosten und Arbeitskräftemangel gelitten habe, seien die Verluste offenbar durch Zuwächse in anderen Bereichen übertroffen worden. Vor allem der Technologie- und Dienstleistungssektor habe nach Angaben israelischer Medien weiterhin eine starke internationale Nachfrage verzeichnet.
Im Gegensatz zu landwirtschaftlichen Erzeugnissen, die sich häufig durch Produkte anderer Herkunft ersetzen lassen, gelten Software, Cybersicherheitslösungen sowie Forschungs- und Entwicklungsdienstleistungen als deutlich enger in internationale Unternehmens- und Lieferstrukturen eingebunden.
Boykott bleibt politisches Streitthema
Internationale Boykottkampagnen gegen Israel beschäftigen Politik und Wirtschaft seit Jahren. Unterstützer sehen darin ein Mittel, politischen Druck auf die israelische Regierung auszuüben. Die israelische Regierung weist die Kampagnen zurück und betrachtet sie als Versuch, das Land wirtschaftlich und politisch zu isolieren.
Die nun veröffentlichten Wirtschaftsdaten werden von israelischen Medien als Hinweis gewertet, dass die Boykottaufrufe bislang nicht zu einem Rückgang der gesamten israelischen Exporte geführt hätten. Gleichzeitig zeigen die Berichte aus der Landwirtschaft, dass einzelne Branchen weiterhin unter erheblichem wirtschaftlichem Druck stehen.
Ob sich diese Entwicklung in den kommenden Monaten fortsetzt, dürfte auch davon abhängen, wie sich die geopolitische Lage, die internationalen Handelsbeziehungen sowie die Nachfrage nach israelischen Technologie- und Dienstleistungsexporten entwickeln.
Israeli exports hit record $164 billion despite war and global hostility
Services exports surpassed $90 billion for the first time, led by high tech, software and research, as the Israel Export Institute said innovation an…https://t.co/N0J2qFsiKP pic.twitter.com/KfsONH0gTj
— Ynet Global (@ynetnews) July 31, 2026

