Ein Gastkommentar von Yusuf Duman
Der Schienenverkehr in Nordrhein Westfalen wirkt inzwischen wie das Ergebnis jahrzehntelanger politischer und infrastruktureller Vernachlässigung.
Was Bürgerinnen und Bürger täglich erleben, sind nicht vereinzelte Störungen , sondern die Quittung für Jahrzehnte des Investitionsstaus.
Es will mir persönlich nicht in den Sinn, wie man die Lebensader eines Industriestandorts von europäischem Rang derart verkommen lassen konnte.
Infrastruktur ist kein Prestigeprojekt, sondern staatliche Daseinsversorgung. Wo tagtäglich Hunderttausende Menschen befördert werden, darf die Frage niemals lauten, was Instandhaltung kostet , vielmehr was ihre Unterlassung die Gesellschaft kostet.
Kaum vergeht eine Woche ohne Hiobsbotschaften aus Köln, Bonn, Wuppertal oder anderen NRW Städten. Marode Brücken, verschlissene Gleisanlagen,Materialermüdung und Planungsfehler und weitere Einschränkungen- kein Ende in Sicht.
Aus Ausnahmen wurde Routine, aus Baustellen Dauerzustände und Fahrplänen oft unverbindliche Empfehlungen.
Die Schienenkrise entwickelt sich zunehmend zu einer Geduldsprobe, für Pendeler ebenso wie für die Politik. Wer das Deutschlandticket und den Schienenverkehr als Schlüssel zur Verkehrswende mantraartig propagiert, muss auch für den Ernstfall belastbare Lösungen bereithalten.
Grade beim Ersatzverkehr offenbaren sich organisatorische Schwächen und Defizite, aus den Kommunen ist vereinzelt berechtigter Unmut zu vernehmen.
Umso mehr erstaunt es mich, dass auf Landesebene bislang kaum der Eindruck entsteht, als würde diese Entwicklung zur Chefsache erklärt.
Eine funktionierende Verkehrswende lebt nicht von politischen Leitbildern allein , sondern von einer Infrastruktur,die auch dann verlässlich funktioniert , wenn sie unter Druck gerät.
Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.

