Jerusalem – Der israelische Journalist und Aktivist Andrey X berichtet von einem weiteren gefährlichen Vorfall während seiner Arbeit im Westjordanland.
Andrey X berichtet von einem Schusswaffenangriff während einer Aktion nahe Bethlehem im Westjordanland. Aktivisten hatten nach seinen Angaben versucht, ein von israelischen Siedlern besetztes palästinensisches Haus zurückzuerlangen. Dabei seien israelische Flaggen vom Gebäude entfernt und durch palästinensische Flaggen ersetzt worden. Anschließend hätten israelische Siedler mit scharfer Munition auf die Aktivisten geschossen. Andrey X erklärte, er sei dabei erstmals in seinem Leben mit scharfer Munition beschossen worden.
Andrey X dokumentiert seit Jahren die Gewalt israelischer Siedler und des israelischen Militärs gegen Palästinenser im Westjordanland. Dabei veröffentlicht er regelmäßig Videos direkt aus den betroffenen Gemeinden.
Seine Aufnahmen zeigen unter anderem Angriffe auf palästinensische Dörfer, Behinderungen des Alltags und Auseinandersetzungen zwischen Siedlern, Bewohnern und israelischen Soldaten.
Vom Beobachter zum Chronisten im Westjordanland
In einem ausführlichen Interview mit The New Arab im Juni 2026 erklärte Andrey X, wie er zu seiner heutigen Arbeit kam. Zu Beginn habe er die Situation im Westjordanland noch nicht systematisch dokumentiert. Er habe zunächst in einer palästinensischen Gemeinde erlebt, dass es täglich mehrere Einsätze von Siedlern gegeben habe. Er begann, die Vorgänge zu filmen.
Mit der Zeit habe er jedoch festgestellt, dass die Aufnahmen kaum Menschen außerhalb der betroffenen Gemeinden erreichten. Daraufhin begann er, regelmäßig selbst über die Ereignisse zu berichten und bereits vorhandenes Videomaterial zusammenzutragen. Seine Beiträge verbreiteten sich zunehmend im Internet.
Anschließend hätten sich Palästinenser aus verschiedenen Teilen des Westjordanlands an ihn gewandt und ihn gebeten, auch über die Situation in ihren Gemeinden zu berichten. Schließlich habe er seinen Lebensmittelpunkt zunehmend in das Westjordanland verlegt und begonnen, von Dorf zu Dorf zu reisen.
Inzwischen lebt er nach Angaben von The New Arab über längere Zeiträume im Westjordanland und dokumentiert dort die Entwicklungen vor Ort. Sein Schwerpunkt liegt auf der Gewalt von Siedlern sowie dem Vorgehen israelischer Sicherheitskräfte.
Selbst zum Ziel von Angriffen geworden
Bei seiner Arbeit ist Andrey X nach eigenen Angaben mehrfach selbst zum Ziel geworden.
Bereits im Sommer 2024 berichtete er von einem Angriff israelischer Siedler. Nach seiner Darstellung wurde er an einer Quelle nahe dem palästinensischen Ort Al-Auja mit einem Stock am Kopf getroffen. Dabei sei sein Trommelfell verletzt worden.
Auch seine journalistische Arbeit wurde wiederholt behindert. Im Oktober 2024 wurde Andrey X gemeinsam mit anderen Journalisten auf dem Weg nach Nablus von israelischen Sicherheitskräften angehalten. Die Gruppe wurde nach damaligen Berichten auf einen Militärstützpunkt gebracht.
Im Juli 2026 dokumentierte Andrey X zudem einen Angriff israelischer Siedler auf eine Gruppe von Journalisten im Westjordanland. Die Fahrzeuge der Journalisten wurden mit Steinen und anderen Gegenständen angegriffen; ein Angreifer versuchte nach den veröffentlichten Aufnahmen, einen Reifen aufzuschlitzen. Andrey X saß während des Vorfalls in einem der Fahrzeuge und filmte das Geschehen. Das Material wurde anschließend unter anderem von Democracy Now! veröffentlicht.
Der Vorfall ereignete sich in derselben Gegend, in der genau ein Jahr zuvor der 20-jährige palästinensisch-amerikanische Saif Musallet nach einem Angriff israelischer Siedler ums Leben gekommen war.
Die Kritik an der Gewalt israelischer Siedler hat unterdessen auch international zugenommen. Aktionen radikaler Siedler gegen Palästinenser werden von Menschenrechtsorganisationen und einzelnen Regierungen zunehmend scharf verurteilt. In einigen Fällen wurden solche Angriffe ausdrücklich als „Terrorismus“ beziehungsweise „Siedlerterror“ bezeichnet.
Ein russisch-israelischer Journalist
Andrey X wurde am 2. Mai 1998 als Andrey Ilyich Khrzhanovskiy in Sankt Petersburg geboren. Er stammt aus einer bekannten russischen Künstlerfamilie: Sein Vater ist der Filmregisseur Ilya Khrzhanovsky, sein Großvater der Regisseur Andrei Khrzhanovsky.
Er studierte Anthropologie am University College London und arbeitete zunächst als Journalist für oppositionelle russische Medien. Dazu gehörten unter anderem Meduza, Novaya Gazeta, Doxa und Discours.
Im Februar 2022 hielt er sich bei seinen Großeltern in Israel auf, als Russland die Ukraine angriff. Er entschied sich, nicht nach Russland zurückzukehren. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft erhielt er anschließend die israelische Staatsbürgerschaft.
Sein heutiger Schwerpunkt entwickelte sich erst nach seiner Übersiedlung nach Israel. In einem früheren Interview sagte Andrey X, dass er zunächst nur wenig über den israelisch-palästinensischen Konflikt gewusst habe. Die Erfahrungen nach seiner Ankunft hätten seine Perspektive verändert.
Seit 2023 konzentriert er sich zunehmend auf die Situation im Westjordanland. Heute gehört Andrey X zu den unabhängigen Journalisten, die regelmäßig direkt aus palästinensischen Gemeinden berichten und dabei insbesondere die Gewalt israelischer Siedler dokumentieren.
🇵🇸 This morning activists attempted to retake a Palestinian house stolen by the settlers near Bethlehem in the West Bank.
They removed the Israeli flags the settlers set up on the building and replaced them with Palestinian ones. In response, settler-terrorists fired live… pic.twitter.com/apc0w83cSh
— Andrey X (@the_andrey_x) August 14, 2026
I was shot at with live ammunition for the first time in my life today.
This is the shooter. Nothing will happen to him. https://t.co/38wmehKF10 pic.twitter.com/VKI5OluSDS
— Andrey X (@the_andrey_x) August 14, 2026
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