Von Klaus Jürgens
Die junge türkische Akademikerin Şenay Didem Kuzu wurde nun mit dem weltweit beachteten Lewis-Reynolds-Smith Founders Fellowship der Hemingway Society – die ihren Sitz in den Vereinigten Staaten von Amerika hat – ausgezeichnet und gehört damit zu nur zwei Wissenschaftlerinnen weltweit, die diese Auszeichnung in diesem Jahr erhalten haben.
Das Stipendium würdigt innovative wissenschaftliche Leistungen, die das Vermächtnis des Nobelpreisträgers weiterführen, dessen minimalistische Prosa und zeitlose Werke wie ‚Der alte Mann und das Meer‘ die Literatur des 20. Jahrhunderts grundlegend verändert haben.
Ihr Gewinnerprojekt ‚The Telegraphic Ontology: Hemingway’s Anatolian Apprenticeship and the Genesis of the Iceberg Theory‘; auf Deutsch: ‘Die telegrafische Ontologie: Hemingway’s anatolische Lehrzeit und die Entstehung der Eisbergtheorie’ stellt konventionelle Literaturgeschichte in Frage, indem sie argumentiert, dass die Wurzeln von Hemingway‘s charakteristischer stilistischer Entwicklung bis zu seinen prägenden Jahren in Türkiye und vor allem Istanbul zurückreichen.
Kuzu stammt aus Gaziantep, Türkiye – einer Stadt, die weltweit für ihre reiche Gastronomie und ihr kulturelles Erbe bekannt ist und von vielen als gastronomische Hauptstadt Türkiye’s bezeichnet wird – und kann nun stolz verkünden das sie nicht nur diese wichtigen Aspekte im Ausland vertritt sondern mittlerweile auch als erfolgreiche Nachwuchsforscherin weltweiten Respekt gezollt bekommt.
Worum ging es im Detail: 200 Literaturexperten aus aller Welt versammelten sich kürzlich in Kanadas Metropole Toronto, um zu erkunden, wie Ernest Hemingway’s frühe Erfahrungen – insbesondere sein Journalismus in Toronto – ihn zu einer literarischen Ikone gemacht haben oder mit anderen Worten, um Hemingway’s globale Wurzeln nachzuzeichnen. Und das macht Kuzu’s Beitrag so bedeutend: die anatolischen Wurzeln hinhzuzufügen!
Obwohl Ernest Hemingway später zum Synonym für Paris, Spanien, Key West und Havanna wurde, betonen Wissenschaftler wie Prof. Irene Gammel, dass Toronto eine entscheidende Rolle in seiner Entwicklung spielte. Bevor er 1926 ‘The Sun Also Rises’ veröffentlichte, schrieb Hemingway vier Jahre lang für die The Toronto Star – Zeitung und berichtete über alles von Gerichtsverfahren im Old City Hall bis zu Boxkämpfen in der Massey Hall und reiste auch als Reporter ins Ausland, war mit vor Ort um hautnah über die Nachwirkungen des Ersten Weltkriegs, den Griechisch-Türkischen Krieg und den Aufstieg des Faschismus in Italien zu kommentieren.
Nicht nur eine Auszeichnung, sondern auch ein Vortrag in Toronto
Die Gastgeber hatten Frau Kuzu weiterhin gebeten einen speziellen Vortrag zu halten der Teile ihrer Forschungsarbeit vorstellen sollte. Sie schlug das folgende Thema vor und wurde von lokalen Medien, Organisatoren sowie den 200 weiteren Gästen dazu beglückwunscht. Şenay Didem Kuzu hielt von daher einen Vortrag mit dem Titel „Der Journalist als Künstler: Die Entstehung von In Our Time: Der Versuch Hemingway als literarischen Journalisten zu begreigfen’.
Inspiriert von Prof. Dr. Saman Hashemipour’s literarischer Analyse den sie als einen wichtigen Baustein ihrer darauf aufbauenden Arbeit erwähnte, nutzte Kuzu diese vergleichende Perspektive inklusive zu Werken von Orhan Pamuk, um zu untersuchen, wie sich Hemingway’s frühe journalistische Jahre mit Orientalismus und Textbildung überschnitten.
Kanadas Toronto Today hob Kuzus Meilenstein hervor, unterstrich den frischen analytischen Rahmen, den ihr Projekt in die Hemingway-Forschung einbringt, und lenkte die Aufmerksamkeit auf die herausragende Rolle der Republik Türkiye in der Forschung.
Türkischer Diplomat gratuliert vor Ort in Toronto
Die Veranstaltung beinhaltete außerdem eine Keynote von Seiner Exzellenz Botschafter a.D. Tacan İldem, einem weltweit anerkannten Diplomaten aus Ankara, der u.a. ehemaliger Assistant Secretary General der Türkei in der NATO war, und der selbst einen Vortrag über ‚Hemingway‘s Journalismus und die Istanbul Telegramme‘ hielt und Frau Kuzu persönlich zu ihrem Preis und Stipendium gratulierte.
Weiterer besonderer Gastvortrag: Barry Callaghan (Sohn des Autors Morley Callaghan, der während seiner Zeit im Toronto Star eine enge Freundschaft mit Hemingway teilte) fesselte die Anwesenden mit einem besonderen Kamingespräch.
Bevor die Teilnehmer und Teilnehmerinnen wieder in ihre Heimatländer reisten gab es eine abschliessende Ausstellung mit einer lebendigen, interaktiven Dimension wobei seltene Ausgaben von eigenen Hemingway-Büchern neben Werken, die Toronto während Hemingways prägender Ära hervorhoben, präsentiert wurden.
Von Gaziantep nach Toronto und zurück – junge türkische Forscher und Forscherinnen haben ihren Platz auf der akademischen und literarischen Weltbühne eingenommen.
Prestigious U.S. Literary Fellowship Awarded to Turkish Scholar
Turkish academician Senay Didem Kuzu has been named a recipient of the Lewis-Reynolds-Smith Founders Fellowship from The Hemingway Societyhttps://t.co/qsUxBryYms
— Avrupa Times (@AvrupaTimes) August 3, 2026

