Osnabrück – Die Ökonomin Monika Schnitzer sieht den Abbau von Tausenden VW-Stellen in Deutschland als notwendigen Versuch, das Unternehmen neu aufzustellen. Der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (noz) sagte die Vorsitzende des Sachverständigenrats, der die Bundesregierung berät: „VW fehlen konkurrenzfähige Produkte, die sich auf dem Weltmarkt gut verkaufen.“
Bei den neuen Technologien seien die deutschen Hersteller „schlicht nicht innovativ genug, um die gewohnt hohen Preise durchzusetzen“. „Dass VW in China hochautomatisiert preiswerte Autos baut, zeigt das Versäumnis hierzulande. Der Stellenabbau ist bitter für ganze Regionen, aber wirtschaftlich ein Versuch, wieder produktiver zu werden“, so Schnitzer.
Arbeitsplätze ließen sich „nicht dadurch erhalten, dass man Restrukturierung ablehnt, sondern dadurch, dass man sich erneuert“. Auf die Frage, wo künftig neue Arbeitsplätze zu guten Löhnen entstehen könnten, sagte die Ökonomin: „Die Zukunft liegt nicht im Festhalten am Alten, sondern in Start-ups, neuen Geschäftsmodellen und Künstlicher Intelligenz.“
Positive Signale in der wirtschaftlichen Entwicklung
Schnitzer sieht in der wirtschaflichen Entwicklung Deutschlands „positive Signale“, aber noch keinen echten Aufschwung. „Die Zahlen sind ermutigend. Die Revision zeigt, dass wir schon im letzten Jahr stärker gewachsen sind als gedacht. Das setzt sich fort. Mehrere positive Quartale in Folge geben Hoffnung, dass das kein Strohfeuer ist.“ Schnitzer ist Vorsitzende der fünf sogenannten Wirtschaftsweisen, die die Bundesregierung beraten.
Zuletzt hatte sich der Ifo-Geschäftsklimaindex positiv entwickelt, in dieser Woche hatte das Statistische Bundesamt das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von April bis Juni um 0,1 Prozentpunkt höher als zuvor angenommen beziffert, auf nun 0,3 Prozent.
„Im internationalen Vergleich ist das immer noch wenig“, sagt Schnitzer. „Seit 2019 ist Deutschland um ein Prozent gewachsen, die USA um 15 Prozent. Positiv ist, dass sich der Außenhandel fängt – getragen vor allem vom Binnenmarkt der Europäischen Union. Was aber fehlt, um von einem breiten Aufschwung zu sprechen, sind die Investitionen“, so die Expertin.
In Deutschland neige man dennoch dazu, die Lage schlechter darzustellen als sie ist. „Trotz geopolitischer Krisen wie dem Iran-Konflikt und Handelskonflikten wachsen wir. Wir haben Kraft, voranzukommen“, meint die Ökonomin. Man müsse aber genau hinschauen. Während das verarbeitende Gewerbe, insbesondere die Rüstungsindustrie wachse, schrumpfe die Automobilbranche.

