Iran-Krieg
Gastkommentar: Trump gehen die Raketen aus

Gastkommentar: Leere Abfangraketen und drohende Fronten in Asien. Warum die US-Strategie gegen den Iran schwere Folgen für Israel und Taiwan haben könnte.

Teilen

Ein Gastkommentar von Michael Thomas

Analysten haben schon früh beim Schusswechsel zwischen USA, Israel und Iran befürchtet, dass genau das eintreten könnte, was jetzt geschehen ist: Nicht nur, dass zahlreiche Früherkennungs- und Raketenabwehrsysteme in und um Israel herum in Trümmern liegen, sondern auch der Vorrat an Abfangmunition ist bis auf Restbestände gesunken.

Wer nun also auch nur Nuancen vom Getöse, den Drohungen und dem Schäumen Trumps glaubt, seine Geduld sei gleich am Ende und er stünde kurz vor einem Großangriff, ist ihm auf den Leim gegangen. Ohne seine eigenen Stützpunkte in der Region samt ihrer Besatzung der Vernichtung preiszugeben, die noch vorhandenen Reste an Abfangraketen einsetzen und im Anschluss direkt Israel einem großen Zerstörungsrisiko aussetzen zu müssen, ist ein solcher Angriff nicht möglich.

Nicht der Iran, wie behauptet wird, ringt verzweifelt um Verhandlungen, sondern er.

Wie im hier verlinkten Artikel dargelegt, produziert der Iran derzeit mehr als hundert weitentwickelte, schwer abzufangende Raketen pro Monat, während die USA im gleichen Zeitraum nur eine Handvoll Abfangraketen herstellen können. Und mit jedem Angriff auf die US-Stellungen in der Region schwinden militärische Optionen gegen den Iran dahin. Der erfolgreiche Angriff auf einen Luftwaffenstützpunkt in Jordanien etwa ist extrem schmerzhaft für die USA.

Dazu kommt der wirtschaftliche Preis. So, wie die deutsche Bundesregierung derzeit für ihre Hochrüstung ihre Bürger und Sozialkassen regelrecht ausplündert, sehen sich die USA einem ungeheuren Kostendruck in Höhe vieler ungeplanter Milliarden gegenüber.

Für Trump gestaltet sich dazu auch noch eine weitere Front als unkalkulierbar gefährlich, die er mit seiner Aggressivität selbst geschaffen hat: China. Alles, was Trump nun in Sachen Iran unternimmt, kann und wird Auswirkungen auf die Ölversorgung haben, weil der Iran seinen Würgegriff am Hormuzhals nach Belieben öffnen oder schließen kann. Gelangt aber nicht genug Öl über diesen Weg nach China, könnte sich die Angelegenheit von unerwarteter Stelle dramatisch gefährlicher entwickeln.

Auch wenn China in bewundernswerter Voraussicht seine Öllager vor dem letzten Krieg noch hat volllaufen lassen, sind diese Bestände endlich. Sie reichen etwa für drei Monate. Wenn man davon ausgeht, dass der Iran sein Raketenarsenal mit chinesischer Technik qualitativ erheblich verbessert hat, versteht man, welcher Gefahr eine US-Flotte in chinesischen Gewässern oder Stützpunkten in der Region ausgesetzt ist, die dazu auch noch kaum mehr über Abfangmunition verfügen.

Bedroht Trump den Iran, macht er China wütend. Besonders ein Szenario, in welchem sich China genau jetzt zum Angriff auf Taiwan entscheiden könnte, wäre durchaus denkbar. Wie im Falle Irans auch, kann man von der chinesischen Regierung gern halten, was immer man will, muss aber nötigenfalls zähneknirschend eingestehen, dass sie den USA taktisch und strategisch weit überlegen ist.

Trump wäre völlig außerstande zu reagieren, denn er würde alles Militär dort einsetzen müssen, hätte direkt einen ausgeuferten Krieg gegen sein eigenes Land am Hals – und gäbe Israel völlig preis. Taiwan fiele nach kurzem, aber brutalem und sehr verlustreichem Kampf fraglos an China.

Schachmatt. Der „König“ Trump ist gefallen – und tobt.

Ich persönlich gehe davon aus, dass die Teheraner Führung, vielleicht in enger Absprache mit Peking, exakt diese Lage bewusst herbeigeführt hat. Die Strategie der absichtsvollen Aus- und Abnutzung der Früherkennungs- und Abwehrsysteme des Feindes ist einerseits robust und andererseits deshalb militärisch genial.

Der Westen steht insgesamt mit heruntergezogener Hose da. Gebückt. Denn auch die Ukraine spürt den Mangel an Abfangraketen ebenso eklatant wie die ganze Golfregion und wird bald auf leere Kisten blicken. Russland könnte die Ukraine mit hundertprozentiger Effizienz mit Raketen beschießen.

Dabei hat der Iran den letzten Trumpf noch immer im Ärmel: Bisher hat er, nur zur Warnung vor seinen Möglichkeiten, auf die breitflächige Zerstörung der Trinkwasser- und Ölproduktionssysteme der Golfregion noch verzichtet und nur punktuell dort angegriffen. Zweifellos könnte er diese mit jetzt erheblich kleinerem Aufwand vernichten.

Schon jetzt melden US-Kommandostellen, dass sie angesichts der mageren Restbestände an Abfangmunition entscheiden müssen, ob sie Israel, andere Ziele – oder sich selbst verteidigen.

Es bleibt spannend …

 


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


Zum Autor 

Michael Thomas ist Privatier, Fotograf, leidenschaftlich an Ägyptologie und Literatur interessiert, mit der er vor vielen Jahren als Autor regional einige Beachtung fand. Er verfolgt interessiert das Weltgeschehen durch Beobachtung internationaler Presse. Seinen Fokus legt er insbesondere auf die Palästinafrage und auf die islamische Welt.

Auch interessant

After Election Victory in Berlin: Central Council of Jews Warns Against a Left-Wing Government

Berlin - Following the historic outcome of the Berlin state election on September 20, in which Die Linke emerged as the largest political force,...

Gezielt auf Arztgespräche vorbereiten: AOK bietet neuen Patienten-Trainer

Berlin - Die AOK hat ihr Internet-Angebot um einen Patienten-Trainer für das Arztgespräch ergänzt. Er unterstützt Patientinnen und Patienten dabei, sich gezielt und strukturiert auf...

Bericht: Israel soll Türkei Aufteilung Syriens angeboten haben

Ankara - Israel soll der Türkei Berichten zufolge einen weitreichenden Deal zur Aufteilung von militärischen Einflusszonen in Syrien angeboten haben. Der israelische Ministerpräsident Benjamin...

Wahlniederlagen der CDU: Prien stützt Merz – AfD zeigt sich gesprächsbereit

Berlin - In der CDU beginnt die Aufarbeitung der beiden Niederlagen des gestrigen Wahlsonntags. Bundesbildungsministerin und stellvertretende Bundesvorsitzende der CDU Karin Prien gab sich...

Israel: Demonstranten fordern Todesstrafe für NAZA-Filmemacher

Tel Aviv - Aktivisten haben in der zentralisraelischen Stadt Savyon vor dem Haus der Eltern der Filmemacherin Rachel Szor (auch als Rachel Tzur geführt)...

Headlines

Israel: Demonstranten fordern Todesstrafe für NAZA-Filmemacher

Tel Aviv - Aktivisten haben in der zentralisraelischen Stadt Savyon vor dem Haus der Eltern der Filmemacherin Rachel Szor...

Türkei entdeckt die Wirtschaftsmoral des Mittelalters neu

Ein Gastkommentar von Nabi Yücel Gewinn machen, aber nicht um jeden Preis: Die Türkei greift derzeit auf eine jahrhundertealte Tradition...

Bericht: Israel soll Türkei Aufteilung Syriens angeboten haben

Ankara - Israel soll der Türkei Berichten zufolge einen weitreichenden Deal zur Aufteilung von militärischen Einflusszonen in Syrien angeboten...

Von der Leyen will Kanada zum assoziierten EU-Mitglied machen

Brüssel - Die Europäische Union will ihre Beziehungen zu Kanada deutlich ausbauen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schlug am...

Meinung

Irland: Sportler rufen zum Israel-Boykott auf

Dublin - Mehr als 160 irische Athletinnen und Athleten haben sich in einem offenen Brief an die irische Fußball-Nationalmannschaft der Männer gewandt. Sie fordern...

After Election Victory in Berlin: Central Council of Jews Warns Against a Left-Wing Government

Berlin - Following the historic outcome of the Berlin state election on September 20, in which Die Linke emerged as the largest political force,...

The Economist: Erdoğan, Müslüman dünyasının en popüler politikacısı

Londra - Neredeyse iki milyar insandan oluşan devasa ve çeşitlilik arz eden bir topluluk olan küresel Müslüman topluluğu Umma/Ümmet içinde, birleştirici bir temsilci arayışı...

Odadaki Son Yetişkin Olarak Türkiye

Konuk Yazar Nabi Yücel Mevcut durumda Türkiye, Orta Doğu'nun – ve çok daha ötesinin – jeopolitik manzarasında neredeyse nesli tükenmekte olan diplomatik bir tür; yani...

Rapor: Afrika Gençliği Ruh Sağlığında Dünya Lideri

Londra - Maddi refah, ruh sağlığının garantisi değil. Şubat 2026 sonunda yayımlanan yeni bir küresel rapor, zihinsel esenlik haritasını temelden sarstı. İngiltere, Japonya ve Yeni...