Gesundheit
Ärztechef fordert Ende der freien Facharztwahl

Ärztechef Andreas Gassen fordert eine verbindliche Patientensteuerung. Facharztbesuche ohne Überweisung oder Termin sollen künftig Zuzahlungen kosten.

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Berlin – Kassenärztechef Andreas Gassen hat mehr Tempo bei der im Koalitionsvertrag vereinbarten Patientensteuerung angemahnt. „Dass die kostbaren ärztlichen und pflegerischen Ressourcen effizienter genutzt werden müssen, wissen wirklich alle Beteiligten seit sehr langer Zeit.

Eine verbindliche Steuerung der Patienten könnte endlich Abhilfe leisten. Aber da sind bisher leider keine durchdachten und mutigen Entscheidungen in Sicht“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) im Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (noz)

Gesundheitsministerin Nina Warken wollte ursprünglich vor der Sommerpause einen Gesetzentwurf für eine Primärversorgung vorlegen. Ein neuer Termin ist nicht bekannt. In Warkens bisherigen Plänen „fehlt jegliche Verbindlichkeit für Patienten“, kritisierte Gassen.

„Aber es muss einfach Schluss sein damit, dass sich Leute mit Kniebeschwerden drei Kernspintomographien pro Halbjahr besorgen können. Alles für jeden zu jeder Zeit, beliebig oft und umsonst geht nicht.“ Seine Diagnose: „Etliche Patienten reisen ohne medizinischen Kompass durchs System, verursachen dabei vermeidbare Kosten und binden Ressourcen ohne letztlich davon zu profitieren.“

Der KBV-Chef plädierte für eine zweigleisige Steuerung über Hausärzte „oder eine telefonische oder digitale Ersteinschätzung zum Beispiel per App“. Werde die Notwendigkeit eines raschen Facharztbesuchs festgestellt, erhalte der Patient einen kurzfristigen Terminvorschlag je nach Verfügbarkeit bei einem Mediziner der Facharztgruppe.

„Eine Termingarantie kann es allenfalls für eine Facharztgruppe geben, nicht für die gerade angesagte Praxis am Kudamm oder auf der Kö. Für Praxen kann das auch eine Chance sein, durch Verfügbarkeit zu punkten“, erläuterte Gassen.

Facharztbesuche ohne Termine müsse man auch in Zukunft nicht verbieten. „Das ließe sich übers Portemonnaie regeln. Die Kassen könnten verschiedene Tarife anbieten: Wer auf die freie Facharztwahl besteht, müsste vielleicht 20 Prozent mehr zahlen, oder eine Gebühr für jeden Facharztbesuch ohne Überweisung“.

Er sei sich sicher, so Gassen, „dass die allermeisten Patienten mit so einer Steuerung einverstanden wären, wenn sie dadurch rascher an einen Termin kommen, ohne zuzahlen zu müssen“.

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