Nahost-Analyse
Mekka-Pakt: Experte warnt Türkei vor Saudi-Falle

Nach dem historischen Verteidigungspakt zwischen Saudi-Arabien, der Türkei und Pakistan warnt Analyst Dana Nawzar Jaf vor einem fatalen Kurswechsel Ankaras.

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Mekka – Nach dem historischen Abschluss des gemeinsamen Verteidigungspakts zwischen Saudi-Arabien, der Türkei und Pakistan in der saudi-arabischen Metropole Mekka warnen regionale Beobachter vor den weitreichenden strategischen Risiken für Ankara.

Die geopolitische Allianz, die als direkte Reaktion auf die jüngsten militärischen Eskalationen zwischen den USA, Israel und dem Iran geschmiedet wurde, sieht gegenseitige Beistandsgarantien im Falle eines bewaffneten Angriffs vor. Doch während Befürworter von einem historischen Meilenstein der islamischen Einheit sprechen, warnt der renommierte irakisch-kurdische Kommentator und Analyst Dana Nawzar Jaf vor einer strategischen Falle für die türkische Außenpolitik.

Der Preis der Allianz: Keine Ernte saudi-arabischer Fehler

Laut einer aktuellen Analyse von Jaf habe Saudi-Arabien im vergangenen Jahrzehnt zahlreiche geopolitische Fehler begangen, während die Türkei im selben Zeitraum strategisch meist die richtigen Weichen gestellt habe.

Nun, da die „Erntezeit“ der regionalen Krisenpolitik gekommen sei, solle die Türkei laut Jaf jedoch dringend aufpassen, nicht die negativen Folgen der saudi-arabischen Fehlkalkulationen mitzutragen. Zwar befürworte der Analyst jede Form der muslimischen Einheit, doch dürfe diese Allianz keinesfalls gegen die eigenen strategischen Interessen der beteiligten Akteure missbraucht werden.

Die Skepsis richte sich insbesondere gegen die langfristige geopolitische Ausrichtung Riads. Bisher gebe es laut Jaf keinerlei Anzeichen für einen echten strategischen Wandel in der saudi-arabischen Führung.

Es bleibe völlig unklar, ob das Königreich das Werben um eine Normalisierung mit Israel und das geplante Einlenken in die umstrittenen Abraham-Abkommen („Epstein Accords“) nun endgültig ad acta gelegt habe.

Solange Saudi-Arabien keinen fundamentalen Kurswechsel vollziehe und sich von den desaströsen regionalen Wagnissen distanziere, die es unter der Führung der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) eingegangen war, müsse die Türkei als Bedingung für ihre Unterstützung auf eine strategische Kehrtwende Riads pochen.

Das Erfolgsmodell des türkischen Spagats in Gefahr

Besonders schützenswert sei laut der Analyse der smarte Balanceakt, den Ankara in den letzten Jahren im Nahen Osten etabliert habe.

Selbst während der intensivsten Phasen des iranischen Stellvertreterkrieges und der jüngsten Eskalation im Persischen Golf, bei der Teheran nach US-amerikanischen und israelischen Luftschlägen die saudischen Öl-Infrastrukturen und den Schiffsverkehr in der Straße von Hormuz angriff, sei der Luftraum über der Türkei der einzig stabile und sichere der gesamten Region geblieben.

Das System basiere darauf, dass die Türkei zwar mit keinem Akteur bedingungslos verbündet, aber eben auch für niemanden der primäre Feind sei. Ankara habe es meisterhaft verstanden, für alle Seiten das „kleinere Übel“ darzustellen. Dies erkläre das Paradoxon, warum der Iran die Türkei als engsten Nachbarn schätze, obwohl Ankara ein erklärter Verbündeter der USA ist – und warum Russland die türkische Souveränität respektiere, während das Land gleichzeitig ein vollwertiges NATO-Mitglied darstellt.

Dieser hart erarbeitete diplomatische Schutzschild dürfe nun nicht leichtfertig für ein Bündnis aufs Spiel gesetzt werden, das für die Türkei zur Falle werden könnte. Als warnendes Beispiel zieht Jaf das militärische Versagen der von Saudi-Arabien angeführten, 34 Nationen umfassenden Koalition (darunter auch Pakistan) im Jemen-Konflikt gegen die Huthi-Milizen heran.

Wenn ein solches Riesenbündnis dort gescheitert sei, werde der formelle Beitritt der Türkei am Boden keine fundamentale Wende bringen – wohl aber drohe die Gefahr, Ankara in einen regionalen Sumpf zu ziehen, den das Land bisher geschickt umgangen habe.

Zudem erinnerte Jaf daran, dass es in der Region zwar viele Rivalen, aber letztlich nur einen wahren Feind gebe, und das sei Israel. Die Türkei müsse den Fokus zwingend auf diesem Ziel behalten, anstatt sich für die Sicherheitsinteressen Riads instrumentalisieren zu lassen, die bereits aus Teheran als wirkungsloser „Papiertiger“ verspottet werden.

 


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