NEX24-Interview
„Griechenland missachtet internationale Abkommen“

NEX24 sprach mit dem Journalisten und Vorsitzenden der Türkischen Union von Xanthi (İskeçe), Ozan Ahmetoğlu über die umstrittene Ernennung von Muftis durch den griechischen Staat.

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NEX24 sprach mit dem Journalisten und Vorsitzenden der Türkischen Union von Xanthi (İskeçe), Ozan Ahmetoğlu über die umstrittene Ernennung von Muftis durch den griechischen Staat und die seit 37 Jahren den Westthrakien-Türken verwehrte Religionsautonomie, die in den Abkommen von Athen und Lausanne geregelt ist. Ahmetoğlu studierte an der Universität von Ankara Journalismus und arbeitet für die Zeitung Gündem.

NEX24: Herr Ahmetoğlu, vor kurzem wurde ein vom griechischen Staat in İskeçe/Xanthi ernannter Mufti seines Postens enthoben und an seine Stelle ein neuer Mufti ernannt. Welche Erkenntnisse liegen Ihnen als Journalist zu diesem Sachverhalt vor?

Ozan Ahmetoğlu: Vor einiger Zeit wurde der Mufti von İskeçe/Xanthi [der vom griechischen Staat ernannte, Anm. d. Red.], Bilal Kara Halil, seines Amtes enthoben und an seine Stelle ein neuer Mufti ernannt. Weder vom Generalsekretär selbst noch von der Verwaltung, die die Ernennung durchführt, gab es dazu ein Statement.

Warum wurde der Mufti von seinem Amt entfernt und ein neuer ernannt? Es gibt dazu keine offizielle Verlautbarung und auch in den regionalen Medien ist darüber nichts bekannt. Wir wissen es schlichtweg nicht, aus welchen Grund das Geschehen ist und haben dazu keine Informationen erhalten oder etwas dazu gelesen.

NEX24: Welche Position haben die vom griechischen Staat ernannten Muftis bzw. das Muftiamt, wenn die türkisch-muslimische Gesellschaft in Westthrakien diese gar nicht anerkennt?

Ozan Ahmetoğlu: Wie Sie wissen, gibt es bezüglich des Muftiamtes in Westthrakien seit vielen Jahren ein ernsthaftes Problem, das weiter besteht. Diese Frage existiert seit 1985, als der damalige Mufti von Gümülcine [Komotini] verstarb und in den darauffolgenden Ereignissen, die mit dem Ableben des Muftis passierten. Der griechische Staat hat ohne die Zustimmung und Akzeptanz der türkischen Minderheit in Westthrakien selbst Muftis ernannt.

Sicherlich beeinflusst dieser Sachverhalt in keiner Weise die Frage des Muftiamtes. Diese Problematik besteht nach wie vor, daran hat sich nichts geändert und wartet seit Jahren noch immer auf eine Lösung und es wird noch weiter bestehen. Wie Sie wissen, erkennt die türkisch-muslimische Minderheit in Westthrakien die vom Staat ernannten Muftis als solche nicht an. Es gibt zwei Muftis, die von den Türken in Westthrakien aus eigenem Antrieb gewählt wurden: Der Mufti in İskeçe/Xanthi, Ahmet Mete, und der Mufti von Gümülcine/Komotini, Ibrahim Şerif.

Das sind zwei Religionsgelehrte, die von den Türken in Westthrakien als solche akzeptiert werden. Aus diesem Grund tragen Ernennungen, die mit der türkischen Minderheit in Westthrakien ohne Dialog und Konsultationen zustande gekommen sind und durch die türkische Minderheit nicht akzeptiert sowie abgelehnt wurden, nicht zu einer Lösung des Problems bei, sondern machen die Problematik nur komplexer und schwieriger. Es würde zu keiner Lösung beitragen, das muss ganz deutlich gesagt werden.

NEX24: Die Religionsfreiheit und die religiöse Autonomie der Türken in Westthrakien sind in den Abkommen von Athen und Lausanne explizit geregelt. Was sollte Ihrer Meinung nach Griechenland unternehmen, um die bestehenden Probleme zu lösen?

Ozan Ahmetoğlu: Wir haben es mit einer Politik zu tun, die Abkommen ignoriert. Wie ich bereits dargelegt habe, wenn wir all diese Fragen vor dem Hintergrund der Mufti-Problematik betrachten, dass fast seit 37 Jahren besteht, werden beide internationalen Verträge nicht umgesetzt, und es gibt keinen Dialog zwischen den Institutionen und Vertretern der türkischen Minderheit Westthrakiens und des griechischen Staates, um die Mufti-Frage zu lösen. Es werden keine Anstrengungen unternommen, die zu einer Lösung der Frage beitragen könnte. Die Problematik wird ignoriert und das ist in Westthrakien seit Jahren der Fall.

Wenn wir noch einmal auf die Mufti-Frage zurückkommen: Der Vertrag von Lausanne und der 1913 geschlossene Vertrag von Athen garantieren die Rechte und Freiheiten der türkischen Minderheit in Westthrakien und bringen eine Klarstellung zur Mufti-Frage. Das sind internationale Verträge. Leider hält sich Griechenland nicht an diese Abkommen. Es missachtet weiterhin die in diesen Übereinkünften enthaltenen Punkte hinsichtlich der Mufti-Frage.

Insofern mangelt es, wie bei der Mufti-Frage und vielen anderen Problemen Griechenlands an dem Willen, die Causa zu lösen. Wenn wir es aus diesem Blickwinkel betrachten und bewerten, sehen wir deutlich, dass in Bezug auf die Minderheit keine demokratische Staatspolitik existiert und kein Wille vorhanden ist, die Probleme zu lösen, die die Community der türkisch-muslimischen Minderheit betreffen. Die Frage besteht weiter und im Rahmen des demokratischen Verständnisses wurden keine Schritte unternommen, um die gegenwärtige Situation zu ändern. Was wollen die Türken in Westthrakien? Die Westthrakien-Türken wollen und erwarten wie bei der Mufti-Frage einen Dialog mit Griechenland, dessen Staatsbürger sie sind, um dauerhafte Lösungen für die Probleme zu erreichen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Kemal Bölge

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