Tel Aviv – Aktivisten haben in der zentralisraelischen Stadt Savyon vor dem Haus der Eltern der Filmemacherin Rachel Szor (auch als Rachel Tzur geführt) protestiert.
Die Mitregisseurin des Dokumentarfilms „NAZA“ hielt sich zu diesem Zeitpunkt im Ausland auf. Wie israelische Medien berichten, versammelten sich die Demonstranten aus dem Umfeld der rechtsextremen Partei Otzma Yehudit und forderten unter anderem die Todesstrafe für Verräter.
Parolen und Gegendemonstration vor dem Elternhaus
Zudem trugen sie Spruchbänder mit Vorwürfen des Verrats an den israelischen Streitkräften (IDF). Vor Ort kam es zu Spannungen, als sich auch Gegendemonstranten einfanden. Die Polizei schritt ein, um eine Eskalation zu verhindern.
Der Protest folgte auf Äußerungen des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu. Dieser kündigte an, zwei Gesetzesentwürfe auf den Weg bringen zu wollen, die sich gegen Personen richten, denen die Diffamierung israelischer Soldaten vorgeworfen wird. Die Äußerungen bezogen sich unter anderem auf die Macher der Dokumentation.
Netanjahu erklärte am Mittwoch zudem, er wolle neue Gesetze durchsetzen, die es ermöglichen, Personen die Staatsbürgerschaft zu entziehen, die israelische Soldaten „diffamieren“. Dies stellt eine weitere Eskalation der Kampagne gegen die Filmemacher dar, die sich Drohungen von hochrangigen Regierungs- und Militärvertretern ausgesetzt sehen. Zudem stehen rechtliche Schritte und Prüfungen durch die Militärstaatsanwaltschaft sowie den Inlandsgeheimdienst Schin Bet im Raum.
Auszeichnung in Venedig und internationale Produktion
Der 80-minütige Dokumentarfilm „NAZA“, der von Rachel Szor und Yuval Abraham gedreht wurde, feierte beim 83. Internationalen Filmfestival in Venedig Premiere, wurde mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet und erhielt eine rund 25-minütige Standing Ovation.
Abraham und Szor, die bereits Teil des Regieteams hinter „No Other Land“ waren, produzierten das Werk in internationaler Kooperation mit der britischen Zeitung The Guardian, dem Produzenten James Wilson sowie dem Oscar-Preisträger Jonathan Glazer („The Zone of Interest“).
Aussagen von Militärangehörigen und Akronym für Begleitschäden
Das Werk basiert auf dreijährigen verdeckten Interviews mit 24 israelischen Soldaten und Geheimdienstoffizieren. In den Gesprächen schildern die Befragten die internen Prozesse bei der Zielauswahl sowie die Handhabung ziviler Opferquoten bei Luftangriffen im Gaza-Streifen.
Der Titel „NAZA“ bezieht sich auf ein hebräisches Militär-Akronym für zivile Begleitschäden. Die Informanten berichten unter anderem über den Einsatz KI-gestützter Zielsysteme auf Basis abgefangener Handydaten sowie über Angriffe auf Wohnhäuser. Um die Identität der Informanten zu schützen, wurden die Gesichter und Stimmen der Soldaten digital unkenntlich gemacht. Das israelische Militär wies die Vorwürfe einer gezielten Tötungspolitik gegenüber Zivilisten im Vorfeld der Veröffentlichung zurück.
🔴 Far-right Israeli activists gathered outside the home of ‘Naza’ film director Rachel Tzur’s parents in the Israeli town of Savyon, chanting slogans including ‘death penalty for traitors’
🔷 Protesters targeted Tzur and co-director Yuval Abraham over the documentary, which won… pic.twitter.com/EsaCbhhl2e
— Anadolu English (@anadoluagency) September 17, 2026
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