Washington – Die Sympathie der US-Bevölkerung für die Palästinenser liegt erstmals vor der Sympathie für Israel. Das geht aus einer aktuellen landesweiten Umfrage der Quinnipiac University hervor. Demnach erklärten 38 Prozent der befragten registrierten Wähler, ihre Sympathie liege eher bei den Palästinensern. 35 Prozent nannten Israel. 27 Prozent machten keine Angabe.
Damit hat sich das Meinungsbild in den USA deutlich verschoben. Nach Angaben von Quinnipiac handelt es sich bei den 38 Prozent für die Palästinenser um den höchsten jemals gemessenen Wert in dieser Frage. Gleichzeitig erreichen die Israelis mit 35 Prozent einen historischen Tiefststand. Die Universität stellt die Frage seit Dezember 2001.
48 Prozent halten US-Unterstützung für Israel für zu stark
Auch bei der Bewertung der amerikanischen Israel-Politik zeigt sich eine deutliche Veränderung. 48 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass die USA Israel zu stark unterstützen. Nur acht Prozent finden, Washington unterstütze Israel nicht ausreichend. 34 Prozent halten das derzeitige Maß der Unterstützung für angemessen, zehn Prozent äußerten sich nicht.
Besonders ausgeprägt ist die Kritik unter demokratischen Wählern. Dort sagen 67 Prozent, die USA unterstützten Israel zu stark. Bei unabhängigen Wählern sind es 57 Prozent. Unter Republikanern vertreten dagegen nur 17 Prozent diese Ansicht, während 68 Prozent die US-Unterstützung für Israel für angemessen halten.
Auch bei der Frage nach der Sympathie für eine der beiden Seiten zeigen sich deutliche parteipolitische Unterschiede. Unter Demokraten sympathisieren 62 Prozent stärker mit den Palästinensern und 14 Prozent mit Israel. Bei Republikanern ist das Bild umgekehrt: 64 Prozent nennen Israel und 13 Prozent die Palästinenser. Unter unabhängigen Wählern liegen die Palästinenser mit 40 zu 29 Prozent vorn.
Umfrage vor den US-Midterms
Die Ergebnisse kommen weniger als zwei Monate vor den amerikanischen Zwischenwahlen. Gleichzeitig fällt die Bewertung der Außenpolitik von Präsident Donald Trump schwach aus.
Nur 29 Prozent der Befragten gaben an, Trumps Umgang mit der Situation im Iran zu unterstützen, während 65 Prozent ihn ablehnen. Seine Außenpolitik insgesamt wurde in der aktuellen Veröffentlichung ebenfalls kritisch bewertet. Quinnipiac registrierte zudem lediglich 28 Prozent Zustimmung zu seinem Umgang mit dem Russland-Ukraine-Krieg.
Die Umfrage wurde vom 3. bis 6. September 2026 unter 970 registrierten Wählern landesweit durchgeführt. Die Fehlermarge liegt laut Quinnipiac bei ±3,9 Prozentpunkten. Die Zahlen zeigen eine historische Verschiebung: Zum ersten Mal seit Beginn dieser Quinnipiac-Frage liegt die Sympathie für die Palästinenser vor derjenigen für Israel.
Ein Signal an Washington
Diese Daten sind mehr als nur eine statistische Momentaufnahme; sie sind ein Signal an die politische Führung in Washington.
Die bedingungslose Unterstützung Israels, die über Jahrzehnte als unumstößliches Dogma der US-Außenpolitik galt, bröckelt an der Basis. Die langfristige Verschiebung der Sympathien deutet darauf hin, dass künftige US-Regierungen ihre Nahost-Politik stärker an den differenzierten Ansichten ihrer Wählerschaft ausrichten müssen, um den Rückhalt im eigenen Land nicht zu verlieren.
„For the first time, a Quinnipiac University poll showed more respondents favoring Palestinians over Israelis. A shift in views among Republicans has boosted U.S. voters‘ growing animosity toward Israel.“ https://t.co/CAKaa9kCLu
— Kenneth Roth (@KenRoth) September 12, 2026

