Tel Aviv – Im Vorfeld der anstehenden Parlamentswahlen in Israel hat Ministerpräsident Benjamin Netanjahu schwere Vorwürfe gegen die eigene Armee- und Geheimdienstführung erhoben.
In Medienauftritten und Beiträgen in den sozialen Netzwerken erklärte Netanjahu, hochrangige Sicherheitsbeamte hätten ihn am Morgen des 7. Oktober 2023 vorsätzlich nicht rechtzeitig über die kritischen Anzeichen des bevorstehenden Großangriffs der Hamas informiert.
Gezieltes Vorenthalten von Informationen vorgeworfen
Netanjahu behauptet, die Führungsriege der israelischen Verteidigungskräfte (IDF) habe befürchtet, er würde als Regierungschef umgehend die gesamten Streitkräfte mobilisieren und die Luftwaffe aktivieren. Die Verantwortlichen hätten dies vermeiden wollen, um eine aus ihrer Sicht unkontrollierte Eskalation zu verhindern.
„Wenn sie mich geweckt hätten, wäre alles völlig anders verlaufen“, erklärte Netanjahu. Es habe sich um ein katastrophales Versagen der Sicherheitsbehörden gehandelt, er schloss jedoch die Vermutung von gezieltem Verrat aus. Nach Angaben Netanjahus sei er erst gegen 06:29 Uhr telefonisch über erste Raketeneinschläge informiert worden.
Streit um den offiziellen Zeitablauf
Die Veröffentlichung seines offiziellen Tagesablaufs durch das Büro des Premierministers (PMO) befeuerte die Diskussionen weiter. Dokumenten zufolge fand das erste direkte persönliche Lagebriefing zwischen Netanjahu und dem IDF-Chef Herzi Halewi erst knapp drei Stunden nach Beginn der Hamas-Invasion statt. Medien und Kritiker hinterfragen seither, warum in dieser entscheidenden Phase wertvolle Zeit verstrich.
Ehefrau Sara Netanjahu befeuert die Kontroverse
Zusätzliche Brisanz erhielt die Debatte durch Äußerungen von Sara Netanjahu, der Ehefrau des Ministerpräsidenten. Sie warf Teilen der Opposition sowie ehemaligen Sicherheitschefs öffentlich vor, im Vorfeld der Ereignisse Vorwissen über die Pläne der Hamas gehabt zu haben. Diese Anschuldigungen wurden von Oppositionsvertretern umgehend als haltlose und gefährliche Verschwörungstheorie zurückgewiesen.
Empörung bei Opposition und Opferverbänden
Die Reaktionen der politischen Gegner fielen scharf aus. Yair Golan, Vorsitzender der Oppositionspartei The Democrats, warf dem Regierungschef vor, sich jeglicher politischer Verantwortung zu entziehen und die Schuld auf jene Generäle abzuwälzen, die das Land am 7. Oktober verteidigen mussten.
Angehörigenverbände der Opfer erneuerten vor diesem Hintergrund ihre Forderung nach der unverzüglichen Einsetzung einer unabhängigen staatlichen Untersuchungskommission, deren Einrichtung von der Regierung Netanjahu bisher konsequent verweigert wird.
With the elections coming, Netanyahu is finally forced to explain why the IDF did not respond to October 7th for hours. His explanation? No one woke him up. No, seriously. pic.twitter.com/bvk3joanXD
— Shaiel Ben-Ephraim (@academic_la) September 1, 2026
AUCH INTERESSANT
Slowenien: Ex-Premier Golob nennt Netanjahu „Kriegsverbrecher“

