Islamische Gemeinde Penzberg
Penzberg: Imam Benjamin Idriz erhält Schreiben mit „NSU 2.0“-Bezug

Imam Benjamin Idriz erhält einen anonymen Brief mit antimuslimischer Hetze und dem Schriftzug „NSU 2.0“. Die Polizei wurde informiert.

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Penzberg – Nach mehreren islamfeindlichen Schmierereien in Penzberg ist es zu einem weiteren Vorfall gekommen. Imam Benjamin Idriz hat nach eigenen Angaben ein anonymes Schreiben mit antimuslimischer Hetze und dem Schriftzug „NSU 2.0“ erhalten. Am Donnerstag informierte er die Polizei. Nach Angaben des Imams ging das Schreiben nicht nur an ihn, sondern auch an weitere Persönlichkeiten in Penzberg.

Idriz veröffentlichte am Donnerstag ein Video, in dem er den Inhalt des erhaltenen Pakets zeigt. Zu sehen sind mehrere Schreiben mit beleidigenden und gegen Muslime gerichteten Aussagen sowie Abbildungen. Auf einem der Blätter findet sich der Schriftzug „NSU 2.0“.

Der Begriff hat in Deutschland eine besondere Vorgeschichte. Unter dem Kürzel „NSU 2.0“ wurden ab 2018 zahlreiche rechtsextreme Droh- und Hassschreiben verschickt. Betroffen waren unter anderem Politiker, Journalisten, Anwälte und andere Personen des öffentlichen Lebens. 2022 wurde ein Mann wegen einer Serie von mehr als 80 Drohschreiben verurteilt.

Idriz: „Heute haben wir die Polizei informiert“

„Ein anonymer Brief mit falscher Absenderadresse, voller Beleidigungen, Hass und Hetze gegen Muslime, wurde nicht nur mir, sondern auch anderen Persönlichkeiten in Penzberg zugestellt“, erklärte Idriz zu dem Vorfall.

Die Polizei sei inzwischen informiert worden. Wer hinter dem Schreiben steckt und ob es einen Zusammenhang zu den früheren Vorfällen in Penzberg gibt, ist derzeit nicht bekannt.

Idriz warnt zugleich davor, solche Fälle als bloße Randerscheinung abzutun. Der Hass gegen den Islam sowie gegen Musliminnen und Muslime nehme spürbar zu. Die Statistiken zu antimuslimischen Straftaten und Anfeindungen seien alarmierend, so der Imam.

Besonders deutlich kritisierte Idriz das aus seiner Sicht fehlende öffentliche Signal demokratischer Parteien. Wer sich zu Recht gegen Antisemitismus, Rechtsextremismus und andere Formen der Menschenfeindlichkeit stelle, müsse mit derselben Entschlossenheit auch gegen Islam- und Muslimfeindlichkeit auftreten.

„Hass darf nicht erst dann ernst genommen werden, wenn aus Worten Taten werden“, schrieb Idriz.

Bereits mehrfach islamfeindliche Vorfälle in Penzberg

Der neue Vorfall folgt auf eine Reihe von Angriffen auf Hinweistafeln in Penzberg. Die Schilder weisen neben christlichen Gottesdiensten auch auf das muslimische Freitagsgebet hin und waren innerhalb weniger Wochen mehrfach mit Farbe beschmiert worden.

Bei einem der Vorfälle war nach Angaben des Bayerischen Rundfunks zudem das Symbol der rechtsextremen Kleinstpartei „Der III. Weg“ auf einem Schild zu sehen. Die Kriminalpolizei ermittelt in den Fällen.

Bereits vor der ersten Schmiererei hatte Idriz nach eigenen Angaben zahlreiche hasserfüllte Beiträge und Drohungen in sozialen Netzwerken registriert. Darunter habe sich auch die Aussage befunden, das muslimische Hinweisschild werde bald „Geschichte“ sein.

Die wiederholten Angriffe lösten in Penzberg eine breite Solidaritätsbewegung aus. Rund 450 Menschen bildeten vor der Moschee eine Menschenkette. Vertreter verschiedener Religionsgemeinschaften, Bürgermeister und Stadträte beteiligten sich an der Aktion.

Idriz hatte sich bereits damals für Besonnenheit ausgesprochen und angekündigt, trotz der Angriffe am Dialog zwischen den Religionsgemeinschaften festzuhalten. Die große Solidarität der Penzberger Bevölkerung bezeichnete er als überwältigend.

Der nun bekannt gewordene Brief gibt dem Thema eine neue Dimension. Während sich die bisherigen Vorfälle vor allem gegen öffentliche Hinweistafeln richteten, wurde Idriz diesmal persönlich mit einem anonymen Schreiben konfrontiert, das nach seinen Angaben gezielt gegen Muslime hetzt und den Schriftzug „NSU 2.0“ trägt.

Idriz fordert deshalb eine klare Haltung gegen jede Form von Menschenfeindlichkeit. Demokratie brauche eine Stimme gegen Hass – „ohne Ausnahme und ohne doppelten Maßstab“.

 


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