Start Panorama Ausland NEX24-Exklusivinterview Kosovos erster Militärhubschrauber-Pilot Afrim Zabeli: Unsere Streitkräfte sind multiethnisch

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Kosovos erster Militärhubschrauber-Pilot Afrim Zabeli: Unsere Streitkräfte sind multiethnisch

Mit seiner Entscheidung, eine erste Nationalarmee zu gründen, schrieb Mitte Dezember nicht nur das kosovarische Parlament Geschichte. Der in einer türkischen Militärflugschule ausgebildete Pilot Afrim Zabeli, schloss nur einen Tag vor der Abstimmung seine Schulung zum Militärhubschrauber-Piloten ab und wurde somit 1. Pilot der kosovarischen Armee. NEX24 Kosovo-Korrespondent Mustafë Mehmeti sprach mit dem 27-Jährigen in der Hauptstadt Pristina.

Kosovs erster Militärhubschrauber-Pilot Afrim Zabeli
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Pristina (nex) – Das kosovarische Parlament hat am 14. Dezember in einer für den jungen Staat historischen Abstimmung ein Gesetzespaket zur Schaffung einer regulären Armee einstimmig beschlossen. Die leichtbewaffnete Kosovo Security Forces (KSF) soll somit in eine offizielle Nationalarmee umgewandelt werden.

Nicht nur das kosovarische Parlament schrieb in diesem Monat Geschichte: Der in einer türkischen Militärflugschule ausgebildete Pilot Afrim Zabeli, schloss nur einen Tag vor der Abstimmung, seine Schulung zum Militärhubschrauber-Piloten ab und wurde somit 1. Pilot der kosovarischen Armee.

Der aus dem nordkosovarischen Dorf Rrezallë bei Skënderaj stammende 27-Jährige sprach mit unserem Kosovo-Korrespondenten Mustafë Mehmeti in der Hauptstadt Pristina

Herr Zabeli, Sie sind der erste Hubschrauberpilot der neuen Streitkräfte des Kosovo. Sie haben damit Geschichte geschrieben, was bedeutet das für Sie?

Zabeli: Ich habe viel Glück gehabt, dass ich an dieser Ausbildung teilnehmen durfte und ich konnte sie erfolgreich abschließen. Nicht jeder bekommt diese Gelegenheit. Ich bin sehr stolz, dass ich der erste Pilot der kosovarischen Streitkräfte bin. Dass ich meine Ausbildung nur einen Tag vor dieser historischen Entscheidung beenden konnte, macht mich noch glücklicher. Es bedeutet mir sehr viel, dass ich dieses große Ziel erreicht habe. Dafür habe ich viel gearbeitet.

Wo haben Sie ihre Ausbildung abgeschlossen und wie lange hat diese gedauert?

Zabeli: Meine Ausbildung habe ich am 13. November 2017 an der Militärflugschule „Kara Havacilik Okulu“ in der türkischen Hauptstadt Ankara begonnen und am 13. Dezember 2018 in Isparta abgeschlossen. Die Ausbildung sollte zunächst elf Monate dauern, aufgrund des Umzugs der Schule von Ankara nach Isparta, den Wetterbedingungen und einigen technischen Gründen, hat sie 13 Monate gedauert.

Waren Sie alleine dort oder gab es weitere Auszubildende der KSF?

Zabeli: Die Schulung haben wir mit zwei Soldaten der KSF begonnen. Aufgrund gesundheitlicher Probleme musste die zweite Person die Ausbildung früher beenden.

Haben Sie für die kosovarischen Streitkräfte weitere Ausbildungen absolviert und falls ja, wo?

Zabeli: Abgesehen von meiner Ausbildung zum Hubschrauberpiloten, habe ich in Ankara an der Militärakademie der türkischen Landstreitkräfte eine fünfjährige Ausbildung abgeschlossen. Im ersten Jahr stand die türkische Sprache im Vordergrund, in den restlichen vier Jahren nahm ich an der allgemeinen Militärausbildung teil. In dieser Zeit durchliefen wir verschiedene Bereiche der Akademie. Dazu gehörte auch eine neunwöchige Basisausbildung bei den Spezialeinheiten, in der neben der Praxis auch theoretisches Wissen vermittelt wurde.

Haben Sie an der feierlichen Zeremonie der KSF teilgenommen, in der die Umwandlung der KSF in eine Nationalarmee zelebriert wurde? Wenn ja, können Sie Ihre Gefühle in diesen Momenten beschreiben?

Zabeli: Nein, es war mir zeitlich leider nicht möglich, an diesen Feierlichkeiten teilzunehmen. Ich konnte meine Ausbildung erst am 13. Dezember abschließen und anschließend fand die Diplomübergabe statt. Die Zeremonie habe ich jedoch im Fernsehen verfolgt, es war für mich ein ganz besonderes Gefühl mit vielen Emotionen.

Wer hat Sie auf Ihrem Weg zum ersten Militärhubschrauber-Piloten des Kosovo unterstützt?

Zabeli: Die größte Unterstützung bekam ich von meinem engen Familienkreis. Da ich im Kosovo-Krieg meinen Vater und Bruder verloren habe, lebten wir in sehr armen Verhältnissen. Wir waren alle noch sehr jung, meine älteste Schwester war gerade mal zwölf Jahre alt. Eine große finanzielle Unterstützung erhielten wir von unseren im Ausland lebenden Verwandten. Und auch vom Sohn meines Onkels, Avni Zabeli, der jetzt Teil der kosovarischen Polizei ist.

Er stand mir bei meiner Ausbildung stets zur Seite und hat seine Unterstützung niemals aufgegeben. Es ist sein Verdienst, dass ich der erste Pilot der kosovarischen Armee wurde. Und ich möchte mich bei der KSF, der zukünftigen Armee des Kosovos, bedanken, die es mir ermöglicht hat, meine Schulung mit Erfolg abzuschließen.

Wie hat Ihre Familie reagiert, als Sie erwähnt haben, Pilot zu werden?

Zabeli: Wie jedes Kind, das einen bestimmten Berufswunsch hat, war mein Wunsch schon immer, dass ich eines Tages Uniform tragen und meinem Vaterland dienen möchte. Der Wunsch Pilot zu werden, entstand während meiner Ausbildung in der Militärakademie, als ich die verschiedenen Bereiche durchlief. Dazu gehörte auch der Bereich der Pilotenausbildung. Ich fing an mich zu informieren und habe viele Bücher zu diesem Thema gelesen. Es war zwar ein schwieriger Weg, mit vielen Herausforderungen, doch es hat sich gelohnt und nun bin ich der erste Hubschrauberpilot der Kosovo-Armee.

Während des Kosovo-Krieges haben Sie Ihren Vater und Ihren Bruder verloren, aber Sie haben nicht aufgegeben und haben Ihre Ausbildung fortgesetzt. Was ist Ihre Botschaft an die kosovarische Jugend?

Zabeli: Zuerst bin ich stolz, dass ich ein Kind und ein Bruder von Veteranen des Kosovo-Krieges bin, die für die Freiheit des Kosovo das höchste Gut, nämlich ihr Leben, gegeben haben. Immer wenn ich im Leben vor großen Schwierigkeiten stand, dachte ich an meinen Vater, meinen Bruder und alle anderen Märtyrer, die für die Freiheit des Kosovo gefallen sind. Das machte mich stärker und stolzer und ich habe nie aufgegeben bis zu dem Moment, wo ich jetzt stehe.

Für die Jugend im Kosovo habe ich einen Aufruf: Egal in welche Schwierigkeiten Ihr geraten werdet, gebt nie auf, verliert nie Euer Selbstvertrauen. Glaubt an Euch und vergesst nie Euer Ziel, so werdet Ihr erfolgreich sein. Die Jugend des Kosovo sollte ihre Bildung als Ziel setzen und nicht vernachlässigen. Ihnen muss bewusst sein, dass sie in der Zukunft die Entscheidungsträger des Kosovo sein werden.

Sind Sie als Hubschrauberpilot schon über das Kosovo geflogen?

Zabeli: Nein noch nicht, aber ich kann kaum den Tag erwarten, über den Kosovo zu fliegen und meinem Land als Pilot zu dienen.

Die kosovarische Regierung betont, dass die geplante neue Nationalarmee multiethnisch sei, und keine Minderheit des Kosovo etwas zu befürchten hätte. Haben Sie auch nichtalbanische Kameraden in den Streitkräften und wie sind die Beziehungen untereinander?

Zabeli: Ich hatte die Gelegenheit, Kameraden von verschiedenen Minderheiten zu haben, darunter auch Serben, die Teil der Armee sind. Die Beziehungen zwischen uns waren sowohl beruflich als auch im Alltag gut. Sie wissen, dass ihnen nicht Unrecht geschehen wird, nur weil sie keine Albaner sind. Der Kosovo ist ein Vielvölkerstaat. Die Sterne auf unserer Fahne repräsentieren die verschiedenen Ethnien unseres jungen Staates.

Herr Zabeli, wir bedanken uns für das Gespräch.

© NEX24

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