Offshore-Öl
Libyen will Seerechtsabkommen mit Türkei ratifizieren

Das libysche Parlament strebt nächste Woche eine einstimmige Ratifizierung des Seeabkommens zwischen Libyen und der Türkei aus dem Jahr 2019 an

Teilen

Von Nabi Yücel

Das libysche Parlament strebt nächste Woche eine einstimmige Ratifizierung des Seeabkommens zwischen Libyen und der Türkei aus dem Jahr 2019 an, erklärte ein libyscher Abgeordneter gegenüber dem „The Libya Observer“.

„Das Abkommen könnte diese Woche in einer offiziellen Sitzung darüber abgestimmt und ratifiziert werden“, heißt in dem Kurzbericht der „The Libya Oberserver“ weiter.

Libyen und die Türkei unterzeichneten erst am vergangenen Mittwoch eine Absichtserklärung über eine Offshore- Öl- und Gasexploration in libyschen Gewässern. Das Abkommen fällt in eine Zeit, in der nun neben der Türkei auch zwischen Libyen und Griechenland ein Streit um Seerechte entbrannt ist.

Libyen ist wie die Türkei kein Unterzeichnerstaat des Seerechtsübereinkommens der Vereinten Nationen (SRÜ). Das bedeutet, dass Libyen oder die Türkei rechtlich nicht an die Bestimmungen des SRÜ gebunden sind, sondern sich lediglich den Genfer Seerechtskonventionen der Vereinten Nationen von 1958 untergeordnet haben.

Das Seeabkommen zwischen der Türkei und Libyen aus dem Jahr 2019, dass die Festlegung der Seegrenzen zum Ziel hat, wird in der EU abgestritten. Kritiker, darunter Griechenland und Zypern, argumentieren, dass es gegen das SRÜ verstößt, indem es ihre Seerechte ignoriert, während die Türkei behauptet, ihre Souveränitätsrechte auf Grundlage der Prinzipien des Festlandsockels nach der Genfer Seerechtskonvention zu schützen. Die Rechtsgültigkeit des einen oder anderen Abkommens bleibt daher umstritten, und bis Juni 2025 gab es keine Verhandlungen zu einer einvernehmlichen Lösung.

Die diplomatischen Spannungen im östlichen Mittelmeerraum haben daher erneut zugenommen. Libyen und die Türkei stehen auf der einen, die Europäische Union mit Zypern und Griechenland auf der anderen Seite.

Im Mittelpunkt des Streits steht vor allem das 2019 zwischen Tripolis und Ankara unterzeichnete Übereinkommen, dass die Souveränität und Rechte zur Rohstoffexploration in den Mittelpunkt rücken. Jüngste Äußerungen und Maßnahmen haben dieses komplexe und sensible Thema auch innerhalb der EU neu entfacht.

Das libysche Parlament wie auch die Regierung in Ankara hatten zuletzt die Schlussfolgerungen des Europäischen Rates vom 26. Juni 2025 zum libysch-türkischen Seeabkommen scharf zurückgewiesen. Beide Seiten betonten, dass die Legitimität, der von Libyen und der Türkei unterzeichnete internationale Abkommen ausschließlich in der Zuständigkeit der jeweiligen Verfassungsorgane liege, und verurteilten jegliche Versuche von außen, sich in die inneren Angelegenheiten oder in bilaterale Beziehungen einzumischen.

Der Sprecher des Außenministeriums, Öncü Keçeli, sagte in seiner ersten Reaktion auf die am Freitag veröffentlichten Schlussfolgerungen des EU-Rates, dass die Ergebnisse des Gipfeltreffens der EU-Staats- und Regierungschefs zeigten, dass Griechenland und die griechische Insel Zypern weiterhin bestrebt seien, „ihre Maximalansprüche durchzusetzen“.

Der Deal sei nach internationalem Recht ein „völlig legitimes Abkommen“, schrieb der Sprecher des türkischen Außenministeriums, Öncü Keçeli, auf X.

„Anstatt rechtlich ungültige Forderungen zu unterstützen, sollte die EU in diesem Zusammenhang alle ihre Mitglieder dazu aufrufen, das Völkerrecht einzuhalten“, sagte er.

Auch interessant

Penzberg: Anschlag auf Schild mit muslimischen Gebetszeiten

München - Nur wenige Tage nach der bundesweit viel beachteten Montage der neuen Hinweistafeln an den Penzberger Ortseingängen ist die interreligiöse Initiative Ziel eines...

Ex-US-Stabschef Wilkerson: Israel wird als jüdischer Staat verschwinden

Washington - Lawrence „Larry“ Wilkerson, der ehemalige Stabschef des US-Außenministers Colin Powell, hat in einer viel beachteten geopolitischen Lageanalyse eine Prognose über die langfristige...

Marina Bütün: „Wenn integrierte Muslime plötzlich Deutschland verließen“

Ein Gastkommentar von Marina Bütün Was Deutschland verlieren würde, wenn integrierte muslimische Migranten verschwänden, überlegt sich meist kein deutscher Bürger, denn die einen sind zufrieden...

Matheolympiade in China: Türkei knapp vor Deutschland

Shanghai - Erfolgreicher Auftritt für das deutsche Team bei der 67. Internationalen Mathematik-Olympiade (IMO): Alle sechs Nachwuchs-Mathematiker wurden in der chinesischen Metropole mit einer...

Klüssendorf: „Wir gelten als Paradies für Mineralölkonzerne“

Osnabrück - SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf hat wegen der abermals gestiegenen Spritpreise einen Preisdeckel für Benzin und Diesel angeregt. "Unsere Nachbarländer schauen teils mit Häme auf die...

Headlines

Ex-US-Stabschef Wilkerson: Israel wird als jüdischer Staat verschwinden

Washington - Lawrence „Larry“ Wilkerson, der ehemalige Stabschef des US-Außenministers Colin Powell, hat in einer viel beachteten geopolitischen Lageanalyse...

Kurden-Revolte im Iran: Türkei verhinderte US-israelische Pläne

Teheran - Der iranische Außenminister Abbas Araghchi hat in einem exklusiven Interview weitreichende geostrategische Geheimdienstinformationen über die Spannungen im...

NYC-Bürgermeister Mamdani: Netanjahu ist ein Kriegsverbrecher

New York - New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani hat seine Position als eine der profiliertesten und konsequentesten Stimmen der...

Druck aus Aserbaidschan: Netanjahu blockiert „Völkermord-Resolution“

Tel Aviv - Der diplomatische Diskurs um die historische Einordnung der Ereignisse im Osmanischen Reich von 1915 hat eine...

Meinung

Marina Bütün: „Wenn integrierte Muslime plötzlich Deutschland verließen“

Ein Gastkommentar von Marina Bütün Was Deutschland verlieren würde, wenn integrierte muslimische Migranten verschwänden, überlegt sich meist kein deutscher Bürger, denn die einen sind zufrieden...

Ex-US-Stabschef Wilkerson: Israel wird als jüdischer Staat verschwinden

Washington - Lawrence „Larry“ Wilkerson, der ehemalige Stabschef des US-Außenministers Colin Powell, hat in einer viel beachteten geopolitischen Lageanalyse eine Prognose über die langfristige...

Araştırma: Dini İnanç, Gençleri Kaygı Bozukluklarından Koruyan Temel Bir Faktör

Almanya - Bochum Ruhr Üniversitesi (RUB) tarafından yürütülen güncel bir araştırma, dini inancın çocukların ve gençlerin ruh sağlığı için kritik bir koruyucu faktör olduğunu...

Geleceğin Cumhurbaşkanı: Hakan Fidan

Polat Karaburan Recep Tayyip Erdoğan, yarım asrı aşkın bir süredir Türkiye’nin siyasi hayatına yön veriyor. 1976 yılında merhum Necmettin Erbakan’ın siyasi hareketinde filizlenen bu yolculuk,...

The Economist: Erdoğan, Müslüman dünyasının en popüler politikacısı

Londra - Neredeyse iki milyar insandan oluşan devasa ve çeşitlilik arz eden bir topluluk olan küresel Müslüman topluluğu Umma/Ümmet içinde, birleştirici bir temsilci arayışı...