Hedschas-Bahn
Hormuz-Umgehung: Türkei kündigt historische Hedschas-Bahn an

Hormuz-Umgehung: Türkei kündigt Wiedergeburt der historischen Hedschas-Bahn an — von Istanbul bis zum Indischen Ozean

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Ankara/Istanbul – Die Hormus-Krise hat Europa an einem empfindlichen Nerv getroffen — und der Türkei eine historische Chance eröffnet. Während Europa über steigende Energiepreise und gefährdete Lieferketten diskutiert, baut Ankara seinen Aufstieg zur zentralen Energie-Drehscheibe zwischen Europa, dem Nahen Osten und Asien weiter aus.

„Die Türkei ist die stärkste Brücke, der wichtigste Transit- und Knotenpunkt zwischen Geographien mit reichen Energieressourcen und Ländern, die diese benötigen“, erklärte Präsident Recep Tayyip Erdoğan auf dem Istanbuler Nationalen Ressourcengipfel. 

Nun kommt ein Projekt hinzu, das über Pipelines und Flüssiggasabkommen weit hinausgeht: die Wiederbelebung der historischen Hedschas-Bahn — einer über 1.750 Kilometer langen Eisenbahnstrecke, die einst das Osmanische Reich mit den heiligen Städten Mekka und Medina verband.

Eine Bahn mit Geschichte

Die Hedschas-Bahn wurde zwischen 1900 und 1908 unter Sultan Abdülhamid II. gebaut — als Verbindung von Istanbul nach Medina, die Pilgern, Händlern und dem osmanischen Militär zugleich diente.

Sie durchquerte Syrien, Jordanien und die arabische Halbinsel und war für ihre Zeit ein technisches Meisterwerk. Der Erste Weltkrieg zerstörte weite Teile der Strecke. Bahnhöfe verfielen, Lokomotiven rosteten, ganze Abschnitte verschwanden im Wüstensand. Was blieb, waren Relikte einer vergangenen Epoche — und die Erinnerung an eine einst lebendige Verbindung zwischen Kontinenten.

Jetzt soll diese Verbindung wiedergeboren werden — diesmal nicht nur als historisches Symbol, sondern als strategische Handelsroute, die Europa von der Straße von Hormus unabhängiger machen soll.

Was konkret geplant ist

Der türkische Verkehrs- und Infrastrukturminister Abdulkadir Uraloglu skizzierte das Vorhaben in mehreren Phasen. In einem ersten Schritt soll eine Verbindung von der Türkei nach Aleppo entstehen — unter Nutzung des bestehenden Streckennetzes von Aleppo über Damaskus nach Jordanien. Parallel laufen Verhandlungen mit Saudi-Arabien.

Als langfristiges Ziel nannte Uraloglu eine Verlängerung bis nach Oman — und damit bis zum offenen Indischen Ozean. Konkrete Planungen dafür liegen noch nicht vor.

„Es geht nicht nur darum, eine Stahl- und Steinstrecke wiederherzustellen“, sagte Minister Uraloglu. „Es geht darum, Völker wieder zu verbinden, neue Handelswege zu öffnen und eine Zukunft der Stabilität und des Wohlstands in unserer Region aufzubauen.“

Im September hatten die Verkehrsministerien der Türkei, Syriens und Jordaniens in Amman einen ersten konkreten Schritt vereinbart. Auch die Wiederaufnahme des Straßentransports zwischen der Türkei und Jordanien via Syrien wurde beschlossen — nach 13-jähriger Unterbrechung.

Der Assad-Fall als Wendepunkt

Was das Projekt jetzt realistisch macht, ist ein historischer Umbruch: der Fall des Assad-Regimes. Jahrzehntelang lagen die syrischen Streckenabschnitte in Kriegsgebieten — unzugänglich und zerstört. Mit Syriens Eintritt in eine Phase der Stabilisierung öffnet sich ein Fenster, das seit Generationen geschlossen war.

„Die Gebiete, durch die die Hedschas-Bahn verläuft, waren jahrzehntelang durch Konflikte gelähmt“, sagt die Politikwissenschaftlerin Suay Nilhan Acikalin von der Haci-Bayram-Veli-Universität in Ankara gegenüber TRT World. „Mit Syriens Stabilisierung ist die Wiederbelebung dieser Linie sowohl machbar als auch von großer Bedeutung geworden.“

Professor Oktay Fırat Tanrısever von der Technischen Universität des Nahen Ostens betont die wirtschaftliche Dimension: „Die Türkei könnte ihren Handel mit Saudi-Arabien und dem Horn von Afrika erheblich ausweiten — schneller, zuverlässiger und kostengünstiger.“

Türkei als Energie-Drehscheibe — die größere Strategie

Die Hedschas-Bahn ist Teil einer umfassenderen türkischen Infrastrukturstrategie. Parallel läuft das Development Road Project — ein 1.200 Kilometer langer Korridor von Basras Golfküste bis zur türkischen Grenze, der Straßen, Eisenbahnen, Energie- und Kommunikationsleitungen bündeln soll. Die Realisierung ist in internationaler Partnerschaft mit den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar, dem Irak und der Türkei geplant.

Ebenfalls im Bau befindet sich der türkische Abschnitt des Zangezur-Korridors — eine 224 Kilometer lange Strecke von Kars über Iğdır und Aralık bis Dilucu, die eine kürzere Verbindung nach Zentralasien und in die Türkstaaten schaffen soll. Die Ausschreibung ist abgeschlossen, die Arbeiten haben begonnen. Auf aserbaidschanischer Seite nähern sich die Arbeiten dem Abschluss — der Abschnitt durch armenisches Territorium wird weiter verhandelt.

Hinzu kommen neue Energieabkommen: Der türkische Staatskonzern BOTAŞ schloss Langzeitverträge über Flüssiggas mit dem deutschen Energiekonzern SEFE und dem italienischen Konzern ENI — insgesamt elf Milliarden Kubikmeter jährlich. Europa wendet sich damit zunehmend an Ankara für seine Energieversorgungssicherheit, berichtet Focus.

Wenn Tanker durch Hormus zum Risiko werden, gewinnen Pipelines, Bahntrassen und Landkorridore an strategischem Wert. Genau hier liegt der Vorteil der Türkei — und genau das macht die Wiederbelebung der Hedschas-Bahn zu einem der strategisch bedeutsamsten Infrastrukturprojekte der Region.

Atomkraftwerk Akkuyu

2026 markiert dabei einen weiteren Meilenstein in Ankaras Energiestrategie: Mit der ersten Stromproduktion aus dem Atomkraftwerk Akkuyu — der größten ausländischen Direktinvestition in der Geschichte der Republik — tritt die Türkei offiziell in die Liga der Atomenergieländer ein.

Erdoğan hat 2026 zum „Jahr der Kernenergie“ ausgerufen. Zusammen mit wachsender Ölproduktion im südostanatolischen Gabar und neuen Lithium- und Seltene-Erden-Anlagen in Eskişehir verfolgt Ankara das Ziel, nicht nur Transitland zu sein — sondern ein Land, das kritische Rohstoffe für Energietechnologien selbst liefert.

 


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