Aydin – In der Westtürkei ist Archäologen ein sensationeller Fund gelungen, der faszinierende Einblicke in die hochentwickelte Sport- und Ingenieurskultur des Römischen Reiches gewährt.
Wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu Agency unter Berufung auf das türkische Ministerium für Kultur und Tourismus berichtet, haben Forscher bei Ausgrabungen in der antiken Metropole Tralleis nahe der heutigen Provinzhauptstadt Aydın ein monumentales, rund 2.000 Jahre altes Schwimmbecken vollständig freigelegt.
Die außergewöhnlich gut erhaltene Struktur stammt schätzungsweise aus dem ersten oder zweiten Jahrhundert nach Christus, einer Epoche, in der Tralleis als eine der wohlhabendsten und bedeutendsten Städte der römischen Provinz Asia florierte und für ihre prächtigen Tempel, Theater und monumentalen öffentlichen Bauten bekannt war.
Das freigelegte Kaltwasserbecken beeindruckt vor allem durch seine für die damalige Zeit gigantischen Dimensionen. Mit einer Länge von rund 37 Metern, einer Breite von 12 Metern und einer Tiefe von etwa 1,5 Metern bot der Pool Platz für schätzungsweise 300 Schwimmer gleichzeitig. Nach Angaben des leitenden Archäologenteams bildete das Becken das architektonische Herzstück eines gigantischen, rund 40.000 Quadratmeter großen Bade- und Gymnasium-Komplexes.

Im modernen Sprachgebrauch und in ersten Medienberichten wird die Anlage aufgrund ihrer enormen Ausmaße oft als „olympisch“ beschrieben. Die Forscher weisen jedoch darauf hin, dass das Becken selbstverständlich nicht für die antiken Olympischen Spiele in Griechenland gebaut wurde, sondern vielmehr den antiken Standards für regionale sportliche Großanlagen entsprach.
Der Fund unterstreicht die enorme Bedeutung, die das Römische Reich der körperlichen Fitness, der Hygiene und dem öffentlichen Leben beimaß. Solche kombinierten Bade- und Sportkomplexe dienten im antiken Alltag keineswegs nur der Abkühlung oder Erholung, sondern fungierten als zentrale Zentren für Bildung, Handel, Politik und soziale Interaktion.
In Tralleis wurde das Becken gezielt für die Schwimmausbildung und das tägliche Training junger Athleten genutzt, die sich dort auf professionelle Wettkämpfe in der gesamten antiken Welt vorbereiteten.
Neben der sportlichen Komponente demonstriert die Anlage das herausragende Niveau der römischen Hydraulik- und Sanitärtechnik. Das Schwimmbecken wurde über ein hochentwickeltes, rund 56 Kilometer langes Rohrleitungssystem kontinuierlich mit frischem, kühlem Quellwasser aus den umliegenden Bergen gespeist.

Gleichzeitig stießen die Archäologen auf ein komplexes, unterirdisches Abwassersystem. Diese antike High-Tech-Entwässerung ermöglichte es den Betreibern vor zwei Jahrtausenden, das gesamte Wasservolumen innerhalb kürzester Zeit komplett abzulassen, um das Becken gründlich zu reinigen und somit einen für die damalige Zeit beispiellosen Hygienestandard aufrechtzuerhalten.
Nach Abschluss der langwierigen Ausgrabungs- und Konservierungsarbeiten planen die Forscher nun eine museale Sensation: Das historische Becken soll wieder komplett mit Wasser befüllt werden, um Besuchern aus aller Welt einen originalgetreuen Eindruck von der prachtvollen römischen Badekultur zu vermitteln.
⛏️ Aydın’daki 2 bin yıllık geçmişe sahip Tralleis Antik Kenti’nde yürütülen kazılarda, dönemin „olimpik“ havuzlarından biri olarak değerlendirilen yüzme havuzu gün yüzüne çıktı https://t.co/BMb2B3cMBK pic.twitter.com/fwwFBMWAwZ
— AA Kültür Sanat (@aakultursanat) July 16, 2026
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