Türkei
Haluk Levent mit Geldwäschevorwürfen festgenommen

Großeinsatz in der Türkei: Ahbap-Gründer Haluk Levent wurde in Bursa festgenommen. Die Justiz ermittelt wegen Geldwäsche, Wetten und Millionenbetrug.

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Bursa – Gegen den landesweit bekannten türkischen Rockmusiker und Gründer der prominenten Hilfsorganisation „Ahbap“, Haluk Levent, liegen schwerwiegende juristische Vorwürfe und Ermittlungen vor, die am Sonntag zu seiner Festnahme in der Türkei führten.

Die Ermittler der Abteilung für Finanzkriminalität der Generaldirektion der Polizei Istanbul griffen den Sänger im westtürkischen Bursa auf, nachdem dieser laut Behördenangaben trotz einer bestehenden Ausreisesperre konkrete Fluchtvorbereitungen ins Ausland getroffen hatte.

Berichten zufolge hatte Levent seine Mobiltelefone abgeschaltet und war bereits auf dem Weg in Richtung İzmir, als der Zugriff erfolgte. Er wurde für die weiteren Vernehmungen umgehend in die Zentrale der Istanbuler Polizei überführt. Die umfassenden Ermittlungen der Justiz teilen sich im Wesentlichen in zwei große Komplexe auf, welche die Unregelmäßigkeiten rund um seine Hilfsorganisation sowie private finanzielle Delikte umfassen.

Verdacht auf Zweckentfremdung von Erdbeben-Spenden

Im Rahmen einer großangelegten Untersuchung der Generalstaatsanwaltschaft Istanbul bezüglich der Verwendung der Spendengelder, die insbesondere nach den verheerenden Erdbeben vom Februar 2023 für die Opfer gesammelt wurden, werden Haluk Levent schwere Straftaten zur Last gelegt.

Die Justiz ermittelt wegen des Verdachts auf Verstoß gegen das Vereinsgesetz, Geldwäsche sowie der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung. Die Staatsanwaltschaft wirft Levent und weiteren Beschuldigten vor, Spendengelder der Organisation systematisch auf Privatkonten umgeleitet und die Vereinskassen geleert zu haben.

Laut den offiziellen Angaben der Strafverfolgungsbehörden nutzte Levent hierfür unter anderem die Konten von engen Mitarbeitern, darunter das seiner Assistentin Y. K., wodurch ein illegaler Geldabfluss in Höhe von rund 120 Millionen Türkischen Lira aus dem Verein stattgefunden haben soll.

Millionen-Wetten und Vorwürfe des Immobilienbetrugs

Besonders schwer wiegt zudem der Verdacht des massiven illegalen Glücksspiels. Die Ermittler stellten fest, dass über die Konten eines anderen Gründungsmitglieds der Ahbap-Stiftung, A. Ç., im Zeitraum zwischen 2020 und 2026 Wetten im astronomischen Gesamtwert von 990 Millionen Türkischen Lira platziert wurden. Die Justizbehörden betonen, dass hierbei enorme Summen – schätzungsweise rund 390 Millionen Türkische Lira – verspielt und verloren wurden. 

Da Levent nachweislich keine eigenen privaten Bankkonten mehr nutzen konnte und parallel erhebliche geschäftliche Probleme hatte, sehen die Ermittler hierin den dringenden Verdacht, dass die Erdbeben-Spenden der Bürger direkt zur Finanzierung dieser Wetten zweckentfremdet wurden. Darüber hinaus erstreckt sich das Verfahren auf einen mutmaßlichen Immobilienbetrug mit einem Schadensvolumen von schätzungsweise 60 Millionen US-Dollar.

Dabei sollen im Namen des Vereins Immobilien von Erdbebenopfern unter dem falschen Versprechen von großzügigen Spenden erworben, die Liegenschaften anschließend jedoch auf Privatpersonen überschrieben worden sein. Die Affäre eskalierte endgültig, nachdem Levent Anfang Juli 2026 angekündigt hatte, den Vereinsvorsitz in den kommenden Monaten nach einer letzten Prüfung durch die Inspektoren des Innenministeriums niederlegen zu wollen.

Als die Justizbehörden Hinweise auf eine bevorstehende Flucht über den Seeweg erlangten, wurde der Haftbefehl vollstreckt.

Hohe Geldstrafe wegen ungedeckter Schecks

Völlig unabhängig von der Affäre um die Hilfsorganisation geriet Haluk Levent bereits im Juni 2026 wegen privater Wirtschaftsdelikte rechtskräftig in die Schlagzeilen. Das Istanbuler Anadolu 24. Strafvollstreckungsgericht verurteilte den Sänger zu einer immensen Geldstrafe von insgesamt rund 70 Millionen Türkischen Lira.

Die Strafe setzt sich aus zwei Einzelentscheidungen zusammen, wobei rund 50 Millionen Türkische Lira auf einen ungedeckten Scheck aus dem Juni 2025 und circa 20 Millionen Türkische Lira auf einen weiteren ungedeckten Scheck aus dem Mai 2025 entfallen. Der Vorwurf lautet auf das wiederholte Ausstellen von ungedeckten Schecks im Rahmen seiner privaten, kommerziellen Handelsgeschäfte. Zudem belegte das Gericht den Künstler mit einem strikten Verbot, künftig neue Scheckhefte zu beantragen oder Scheckkonten zu eröffnen.

Haluk Levent hatte diese Strafe vor seiner Festnahme medial bestätigt und erklärt, dass die Summe auf eigenen Wunsch in 24 Monatsraten abbezahlt werde. Er betonte dabei vehement, dass seine privaten Handelsgeschäfte strikt von der Ahbap-Stiftung zu trennen seien und der Verein keinen finanziellen Schaden erlitten habe.Im Zuge der sich zuspitzenden öffentlich ausgetragenen Debatten und der polizeilichen Ermittlungen im Juli 2026 kursierten im Internet via Social Media auch heftige Gerüchte über einen vermeintlichen illegalen Drogenkonsum des Musikers.

Nach Informationen aus Justizkreisen befindet sich der Musiker nach seiner Festnahme auf der Autobahn bei Bursa weiterhin im offiziellen Polizeigewahrsam. Er wurde am Sonntagabend in die Istanbuler Sicherheitsdirektion überführt, wo die Vernehmungen durch die Abteilung für Finanzkriminalität andauern. Nach Abschluss der polizeilichen Befragung soll Levent in den kommenden Tagen dem Haftrichter vorgeführt werden, der über eine formelle Untersuchungshaft entscheiden wird.

 


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