Islam in Deutschland
Bundesweit einmalig: Bayerische Stadt zeigt muslimische Gebetszeiten auf Ortsschild

Novum in Oberbayern: Die Stadt Penzberg zeigt als erste deutsche Kommune die Zeiten des muslimischen Freitagsgebets auf den offiziellen Ortsschildern.

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München – Die oberbayerische Stadt Penzberg sorgt mit einer in Deutschland bislang einmaligen Initiative für Aufsehen und setzt ein unübersehbares Zeichen für das interreligiöse Zusammenleben.

An den Ortseingängen der Kommune wurden offizielle Hinweistafeln angebracht, die neben den traditionellen christlichen Gottesdienstzeiten nun dauerhaft auch die Zeiten für das muslimische Freitagsgebet der lokalen islamischen Gemeinde ausweisen, berichtet katholisch.de.

Es ist das erste Mal in der Geschichte der Bundesrepublik, dass eine Stadtverwaltung die Gebetszeiten der zweitgrößten Religionsgemeinschaft des Landes auf diese Weise im öffentlichen Raum sichtbar macht. Das Projekt versteht sich nach Angaben der Beteiligten als klares Symbol gegenseitiger Wertschätzung, der Gleichbehandlung und der gelebten Religionsfreiheit im ländlichen Raum.

Parteiübergreifende Tradition im Alpenvorland

Die Idee zu den neuen Hinweistafeln entstand bereits im vergangenen Jahr bei einem Gespräch zwischen dem damaligen Ersten Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) und dem Imam der Islamischen Gemeinde Penzberg, Benjamin Idriz. In einer offiziellen Stellungnahme hob der Imam hervor, dass sich in Penzberg über viele Jahre hinweg eine parteiübergreifende Tradition der vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen der Stadtverwaltung und den Glaubensgemeinschaften entwickelt habe.

Bereits unter der früheren Bürgermeisterin Elke Zehetner (SPD) wurden im Stadtgebiet Wegweiser zu den jeweiligen Gotteshäusern aufgestellt. Mit den neuen Gottesdienst-Schildern folgte nun ein weiterer Schritt, der gemeinsam mit Korpans Nachfolger, dem amtierenden Bürgermeister Thomas Kopf, sowie dem katholischen Pfarrer Bernhard Holz und dem evangelischen Pfarrer Julian Lademann an vier Ortseingängen offiziell vorgestellt und eingeweiht wurde.

Die Kosten für die Produktion und Montage der Hinweistafeln werden gemeinschaftlich von den beteiligten Religionsgemeinschaften und der Stadt getragen.

Offenheit als Kernbotschaft und ein sichtbares Bekenntnis

Die Verantwortlichen betonen, dass die Neuerung weit über eine bloße Orientierungshilfe hinausreicht und die gesellschaftliche Realität vor Ort abbilden soll. Das Schild listet die wöchentlichen Termine künftig differenziert nach Sommer- und Winterzeit auf, um Besuchern und Bürgern verlässliche Orientierungspunkte zu bieten.

Imam Benjamin Idriz hob hervor, dass sowohl das wöchentliche Freitagsgebet als auch die dazugehörige Predigt in der bekannten Penzberger Moschee konsequent in deutscher Sprache stattfinden. Die transparente Darstellung auf den Tafeln soll Hemmschwellen abbauen und unterstreichen, dass die religiösen Zeremonien allen interessierten Menschen, unabhängig von ihrer Konfession, jederzeit offenstehen.

Nach Auffassung von Idriz seien die neuen Tafeln weit mehr als bloße Verkehrshinweise im Straßenraum. Sie stellten vielmehr ein sichtbares Bekenntnis zu einer offenen Stadt dar, in der alle Religionsgemeinschaften ihren anerkannten Platz besäßen und gemeinsam Verantwortung für das Gemeinwohl übernehmen würden.

Penzberg zeige mit dieser überregional viel beachteten Aktion einmal mehr, dass religiöse und kulturelle Vielfalt die Gesellschaft nicht trenne, sondern verbinde, sofern das Zusammenleben von gegenseitigem Respekt, Vertrauen und einem klaren gemeinsamen Willen getragen werde.

Hasskommentare in den sozialen Netzwerke

Während das Echo innerhalb der Penzberger Stadtbevölkerung und bei den lokalen Kirchenvertretern positiv ausfiel und als Bereicherung des kommunalen Miteinanders gewertet wurde, offenbart der Blick in die digitalen Medien eine tiefe gesellschaftliche Spaltung. In den sozialen Netzwerken fluten seit der Montage der ersten Schilder hasserfüllte, muslimfeindliche und rechtspopulistische Kommentare die Diskussionsspalten.

Kritiker werfen der Stadt eine vermeintliche Islamisierung vor und fordern die sofortige Demontage der Tafeln. Idriz betonte diesbezüglich, dass die harten digitalen Reaktionen keineswegs die friedliche und von gegenseitigem Respekt geprägte Stimmung vor Ort widerspiegeln, sondern vielmehr die Dynamik polarisierender Algorithmen im Netz verdeutlichen. Die Penzberger Moschee gilt ungeachtet dessen seit Jahren als architektonisches und soziales Leuchtturmprojekt für einen transparenten und integrierten Islam in Deutschland.

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