Michigan – Nach Zohran Mamdani hat mit Abdul El-Sayed ein weiterer muslimischer Politiker einen wichtigen Wahlsieg in den USA errungen. Der progressive Demokrat setzte sich trotz millionenschwerer Unterstützung seines Gegners durch die pro-israelische Lobbyorganisation AIPAC durch.
El-Sayed gilt als scharfer Kritiker der israelischen Kriegsführung im Gazastreifen und fordert seit Jahren, amerikanische Steuergelder stärker in Schulen, Gesundheitsversorgung und Infrastruktur zu investieren, anstatt Waffenlieferungen ins Ausland zu finanzieren – unabhängig davon, ob diese nach Israel, Ägypten oder in andere Staaten gehen.
Mit seinem Erfolg bei der demokratischen Vorwahl für den US-Senat in Michigan gelang dem 41-jährigen Arzt und früheren Gesundheitsdirektor des Wayne County einer der aufsehenerregendsten Siege der bisherigen Vorwahlsaison. Im November tritt El-Sayed gegen den republikanischen Kandidaten Mike Rogers an. Beobachter gehen davon aus, dass das Rennen in Michigan zu den wichtigsten Senatswahlen des Landes gehören wird und Auswirkungen auf die Mehrheitsverhältnisse im US-Senat haben könnte.
Rekordausgaben gegen El-Sayed
Internationale Aufmerksamkeit erhielt die Vorwahl jedoch nicht allein wegen des Wahlergebnisses, sondern vor allem wegen des außergewöhnlich teuren Wahlkampfs. Nach Unterlagen der US-Wahlkommission investierte die mit AIPAC verbundene Super PAC „United Democracy Project“ rund 30,6 Millionen US-Dollar in den Wahlkampf gegen El-Sayed.
Berichten zufolge stieg das gesamte externe Finanzvolumen zugunsten seiner demokratischen Konkurrentin Haley Stevens und gegen El-Sayed durch weitere politische Aktionskomitees und externe Organisationen auf insgesamt mehr als 54 bis 60 Millionen Dollar. Mehrere US-Medien bezeichneten den Wahlkampf deshalb als eine der teuersten Vorwahlen in der Geschichte des Landes.
El-Sayed hatte den massiven Mitteleinsatz seiner Gegner während des gesamten Wahlkampfs wiederholt kritisiert. Er warf AIPAC und weiteren politischen Aktionskomitees vor, mit beispiellosen Summen Einfluss auf die Wahl nehmen zu wollen. Nach seinem Sieg erklärte er vor Anhängern, niemand habe vorher damit gerechnet, dass gegen seine Kandidatur derart hohe Beträge eingesetzt würden.
Man habe gewusst, dass Geld fließen werde, jedoch nicht, dass die Gegenseite den eigenen Wahlkampf um ein Vielfaches übertreffen würde. Trotzdem sei seine Bewegung weiterhin erfolgreich gewesen.
Mehrere Medien werteten das Ergebnis deshalb als Rückschlag für AIPAC. Besonders in Israel fand der Wahlausgang große Beachtung. Die israelische Zeitung Haaretz schrieb in einem Meinungsbeitrag unter der Überschrift „El-Sayed’s small victory spells big trouble for Israel“, der Wahlsieg des Demokraten könne sich langfristig als problematisch für Israel erweisen.
Die Zeitung begründete diese Einschätzung unter anderem mit dem wachsenden Einfluss progressiver Politiker innerhalb der Demokratischen Partei, die eine kritischere Haltung gegenüber der israelischen Regierung vertreten.
Viele Wähler lehnten den Einfluss von AIPAC ab
Auch andere Medien stellten den Zusammenhang zwischen El-Sayeds Wahlsieg und dem schwindenden Einfluss der pro-israelischen Lobbyorganisation in Teilen der demokratischen Wählerschaft her.
Während des Wahlkampfs erklärten mehrere Wähler in Fernsehinterviews, sie unterstützten El-Sayed gerade deshalb, weil dieser keine Gelder von AIPAC annehme. Für sie sei seine Unabhängigkeit gegenüber großen Lobbyorganisationen ein entscheidender Grund gewesen, ihm ihre Stimme zu geben.
Steuergelder lieber für Schulen als Waffen
Der Demokrat selbst machte während seiner gesamten Kampagne deutlich, dass seine politischen Prioritäten vor allem im Inland lägen. Wiederholt kritisierte er die aus seiner Sicht hohen amerikanischen Militärausgaben im Ausland, während gleichzeitig zahlreiche Probleme innerhalb der Vereinigten Staaten ungelöst blieben.
In einem Interview erklärte El-Sayed:
„Ich bin dagegen, vor allem weil ich einfach nicht verstehe, warum irgendjemand es für richtig hält, unsere Steuergelder ins Ausland zu schicken, um ausländische Streitkräfte zu finanzieren, während unsere eigenen Kinder kaum in funktionierende Schulen gehen können.“
In einem weiteren Fernsehinterview präzisierte er seine Position und machte deutlich, dass sich seine Haltung nicht ausschließlich auf Israel beziehe.
„Ich halte nichts von bedingungsloser militärischer Auslandshilfe. Das gilt für Israel ebenso wie für Ägypten, aus dem meine Familie ausgewandert ist. Ich bin der Meinung, dass unsere Kinder ein Recht auf unsere Steuergelder haben.“
Im selben Interview sagte El-Sayed außerdem, man habe zugesehen, wie Israel einen Völkermord und im Grunde Apartheid begangen sowie die USA in einen Krieg hineingezogen habe, den sie nicht zu führen hätten. Deshalb verstehe er nicht, warum man Geld in dieses Land sende, um dessen Militär zu finanzieren.
Israel weist den Vorwurf eines Völkermordes zurück. Auch die Vereinigten Staaten haben diese Einordnung bislang nicht übernommen.
Während des Wahlkampfs argumentierte El-Sayed mehrfach, Milliardenbeträge amerikanischer Steuergelder sollten nach seiner Auffassung stärker in das eigene Land investiert werden. Er sprach sich unter anderem für höhere Investitionen in Schulen, das Gesundheitswesen, bezahlbaren Wohnraum sowie die Infrastruktur aus und stellte diese Forderungen den amerikanischen Militärhilfen für andere Staaten gegenüber.
Trump erhebt schwere Vorwürfe
El-Sayeds Positionen zur amerikanischen Außenpolitik wurden im Wahlkampf immer wieder zum zentralen Angriffspunkt seiner politischen Gegner. Während Unterstützer seine Forderung nach einer stärkeren Konzentration auf innenpolitische Investitionen begrüßten, warfen Kritiker ihm vor, mit seiner Haltung gegenüber Israel antisemitische Ressentiments zu bedienen.
Besonders deutlich äußerte sich US-Präsident Donald Trump unmittelbar nach der Vorwahl. Bei einer Veranstaltung in Las Vegas bezeichnete Trump den demokratischen Kandidaten als einen „Hasser von Juden“ und „Hasser Israels“.
„Die Umfragen lagen gestern Abend wieder falsch, als sie einen Erdrutschsieg für einen Judenhasser und Israel-Hasser prognostizierten.“
Trump setzte seine Kritik fort und erklärte, El-Sayed hasse sowohl Juden als auch Israel.
Trump bezeichnete El-Sayed darüber hinaus als einen „man of hate“ und erklärte, dieser liebe keineswegs alle Menschen, obwohl er dies inzwischen behaupte. Später fügte Trump hinzu, El-Sayed hasse Juden und Israel „with a burning passion in his heart“.
Bereits zuvor hatte Trump auf seiner Plattform Truth Social den Wahlsieg El-Sayeds kommentiert und erklärt, dessen Erfolg sei letztlich ein Vorteil für die Republikaner bei der Senatswahl im November.

El-Sayed weist Antisemitismus-Vorwürfe zurück
El-Sayed wies die Vorwürfe entschieden zurück. Er betonte mehrfach, seine Kritik richte sich nicht gegen das Judentum oder jüdische Menschen, sondern gegen politische Entscheidungen und Lobbyorganisationen.
Bei einer öffentlichen Veranstaltung erklärte er:
„Ich liebe das Judentum, und ich liebe das jüdische Volk.“
Anschließend wandte er sich gegen die Gleichsetzung von Kritik an AIPAC oder der israelischen Regierung mit Antisemitismus. Kritik an einer Lobbyorganisation oder an der Politik eines Staates dürfe nicht automatisch als Feindseligkeit gegenüber einer Religion oder einer gesamten Bevölkerungsgruppe verstanden werden.
Diese Unterscheidung werde nach seiner Auffassung häufig bewusst verwischt. AIPAC sei eine politische Interessenvertretung. Israel sei ein souveräner Staat mit einer gewählten Regierung. Beides repräsentiere nicht sämtliche jüdischen Menschen weltweit.
Auch in einem Fernsehinterview nach seinem Wahlsieg ging El-Sayed auf die Antisemitismusvorwürfe ein.
Sein Engagement für die jüdische Sicherheit sei dasselbe wie für die Sicherheit seiner eigenen Kinder. El-Sayed betonte weiter, man trage die Verantwortung, Antisemitismus in jeder Form zu bekämpfen, wo immer er auftrete. Dies gelte in gleicher Weise für die Bekämpfung von Islamophobie
Mit diesen Aussagen versuchte El-Sayed nach eigenen Angaben deutlich zu machen, dass der Kampf gegen Antisemitismus und der Kampf gegen Islamfeindlichkeit gleichermaßen zu seinen politischen Grundüberzeugungen gehörten.

Glückwünsche von Mamdani
Unterstützung erhielt El-Sayed nach seinem Wahlsieg auch von New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani. Bei einer Pressekonferenz gratulierte der progressive Demokrat seinem Parteikollegen und erklärte, dessen Wahlkampf habe sich auf drei zentrale Themen konzentriert: den Einfluss von Geld auf die Politik zu begrenzen, die finanzielle Situation der Bürger zu verbessern und eine allgemeine Krankenversicherung („Medicare for All“) voranzubringen.
Mamdani hob außerdem hervor, dass El-Sayed seine Vorwahl trotz eines regelrechten Trommelfeuers millionenschwerer Gegenkampagnen gewonnen habe. Nach seinen Worten habe sich der Demokrat gegen mehr als 60 Millionen US-Dollar an Ausgaben durch externe Organisationen behauptet, die sich gegen seine Kandidatur richteten.
Mit Humor reagierte Mamdani zugleich auf eine Äußerung des republikanischen Vorsitzenden des Repräsentantenhauses, Mike Johnson. Dieser hatte mehrere progressive Demokraten als „Mini-Mamdanis“ bezeichnet. El-Sayed verdiene diese Bezeichnung jedoch nicht, sagte der New Yorker Bürgermeister scherzend. Er könne „deutlich mehr heben als ich“, erklärte Mamdani und fügte hinzu, El-Sayed sei „in keiner Weise ein Mini-Mamdani.“
Der Wahlsieg El-Sayeds wird deshalb von zahlreichen politischen Beobachtern als weiterer Erfolg des progressiven Flügels innerhalb der Demokratischen Partei eingeordnet. Mehrere US-Medien verwiesen darauf, dass sich progressive Kandidaten inzwischen verstärkt mit Forderungen wie einer allgemeinen Krankenversicherung („Medicare for All“), einer Begrenzung des Einflusses großer Lobbyorganisationen sowie einer kritischeren Haltung gegenüber der israelischen Regierung profilieren.

AIPAC könnte erneut Millionen investieren
Auch AIPAC selbst dürfte den Wahlausgang noch nicht als abgeschlossen betrachten. Nach übereinstimmenden US-Medienberichten prüft die pro-israelische Lobbyorganisation bereits weitere finanzielle Unterstützung im bevorstehenden Senatswahlkampf gegen El-Sayed. Demnach werde erwogen, auch im November erneut erhebliche Summen einzusetzen, um einen Sieg des Demokraten zu verhindern.
Entscheidung fällt im November
Für El-Sayed beginnt damit unmittelbar nach der gewonnenen Vorwahl der nächste Wahlkampf. Im November tritt er gegen den Republikaner Mike Rogers an, einen früheren FBI-Agenten und ehemaligen Kongressabgeordneten, der von Präsident Donald Trump unterstützt wird.
Die Senatswahl in Michigan zählt bereits jetzt zu den am genauesten beobachteten Rennen der Vereinigten Staaten. Beobachter gehen davon aus, dass ihr Ausgang entscheidenden Einfluss auf die Mehrheitsverhältnisse im US-Senat haben könnte.
Unabhängig vom Ergebnis im November gilt die demokratische Vorwahl bereits jetzt als eine der außergewöhnlichsten der vergangenen Jahre. Noch nie hatte AIPAC nach übereinstimmenden Medienberichten einen derart hohen Betrag in eine einzelne Vorwahl investiert.
Dass sich El-Sayed trotz dieser beispiellosen finanziellen Unterstützung seiner Gegnerin durchsetzen konnte, wird deshalb von zahlreichen amerikanischen und israelischen Medien als politisch bedeutendes Signal innerhalb der Demokratischen Partei bewertet.
Der in den USA geborene Arzt ist Sohn ägyptischer Einwanderer. Vor seiner Kandidatur für den US-Senat leitete er als Gesundheitsdirektor das Gesundheitsamt des Wayne County in Michigan.
The rules of the game have changed. Because of you, Michigan. We cannot be bought.
Onto November. pic.twitter.com/KgjekKie4q
— Dr. Abdul El-Sayed (@AbdulElSayed) August 5, 2026
Mike Rogers wants us divided. But there is so much more that unites us than sets us apart. The power is ours. This land was made for you and me. pic.twitter.com/YKqHZcHnjP
— Dr. Abdul El-Sayed (@AbdulElSayed) August 5, 2026
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