Indien
Putin an Europa: „Ihr habt bekommen, was ihr wolltet“

Putin kritisiert Europas Energiepolitik und warnt vor weiter steigenden Gaspreisen. Er rechnet mit bis zu 1.500 Dollar je 1.000 Kubikmeter.

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Neu Delhi – Der russische Präsident Wladimir Putin hat mit einer scharfen Abrechnung gegen die europäische Energiepolitik für Aufsehen gesorgt. Am Rande eines Treffens in Indien machte er die Regierungen der EU-Staaten direkt für die aktuellen Rekordpreise auf dem Energiemarkt verantwortlich und prophezeite eine weitere Zuspitzung in den kommenden Monaten.

Putin erinnerte in seinen Ausführungen an die Zeit vor der schweren Energiekrise, als Russland Erdgas über langfristige Verträge nach Europa lieferte. „Wir haben euch früher Gas für 150 US-Dollar pro 1.000 Kubikmeter verkauft. ‚Das ist zu teuer‘, habt ihr gesagt“, so der russische Präsident. Europa habe sich in den vergangenen Jahren vehement dafür eingesetzt, diese verlässlichen und langfristig kalkulierbaren Lieferverträge aufzugeben und stattdessen stärker auf börsenbasierte Spotmärkte zu setzen.

Aus Sicht des Kremlchefs hat sich diese Entscheidung inzwischen gegen Europa gewendet. Die europäischen Verbraucher und Unternehmen seien dadurch stärker den Schwankungen des internationalen Gasmarktes ausgesetzt. Insbesondere seit dem Beginn des Ukraine-Krieges und dem weitgehenden Rückgang russischer Pipeline-Lieferungen habe sich die Situation grundlegend verändert.

Das Resultat dieser Strategie bezeichnete Putin als „strategisches Eigentor“ der Europäer. Putin verwies darauf, dass die europäischen Gaspreise inzwischen bei rund 1.000 Dollar beziehungsweise 1.000 Euro je 1.000 Kubikmeter lägen und fügte  hinzu: „Jetzt zahlt ihr 1.000 Dollar. Ihr habt bekommen, was ihr wolltet.“

Putin erwartet weiteren Preisanstieg

Für die anstehende Heizperiode prognostizierte das russische Staatsoberhaupt eine dramatische Verschärfung der Lage. Da die Gas-Speicherstände unter Druck stehen und der Markt aufgrund globaler Krisen hochgradig nervös agiert, rechnet Moskau mit einem weiteren massiven Preissprung im Winter. „Da die Speicheranlagen leer sind, wird der Preis in diesem Winter 1.500 US-Dollar erreichen“, warnte Putin vor den versammelten Journalisten.

Eine solche Entwicklung hätte nach seiner Darstellung weitreichende Folgen für Europa. Steigende Gaspreise erhöhen nicht nur unmittelbar die Kosten für Haushalte, sondern belasten auch energieintensive Industrien. Besonders betroffen sind unter anderem die Chemie-, Metall-, Glas- und Düngemittelproduktion, bei denen Erdgas eine wichtige Rolle als Energieträger oder Bestandteil der Produktion spielt.

Putins Äußerungen sind zugleich Teil der politischen Auseinandersetzung zwischen Moskau und den europäischen Staaten. Russland kritisiert seit Jahren den europäischen Kurs, die Energieversorgung stärker von russischen Lieferungen unabhängig zu machen. Moskau stellt dabei regelmäßig die Frage, ob Europa bereit ist, für diese strategische Neuorientierung höhere Energiepreise und eine stärkere Abhängigkeit vom globalen LNG-Markt in Kauf zu nehmen.

Europa setzt stärker auf LNG

Die europäischen Staaten haben ihre Energieimporte seit Beginn des Ukraine-Krieges tatsächlich erheblich umgestellt. Während russische Pipeline-Lieferungen früher eine zentrale Rolle spielten, beziehen europäische Länder inzwischen größere Mengen Flüssigerdgas (LNG) aus unterschiedlichen Förderregionen.

Damit soll die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten reduziert werden. Gleichzeitig ist LNG stärker von den Entwicklungen auf dem Weltmarkt abhängig. Europa konkurriert dabei mit Abnehmern in Asien und anderen Regionen um verfügbare Liefermengen. Geopolitische Konflikte, Produktionsausfälle oder Probleme bei Transportwegen können deshalb unmittelbar Auswirkungen auf die Preise haben.

Die Äußerungen fallen in eine Phase, in der die europäischen Gaspreise den höchsten Stand seit drei Jahren erreicht haben. Ausgelöst durch geopolitische Spannungen und Unsicherheiten bei den globalen LNG-Lieferketten wächst in Europa die Sorge vor einem teuren Winter.

Ob Putins Prognose von 1.500 US-Dollar je 1.000 Kubikmeter tatsächlich eintritt, bleibt abzuwarten. Der russische Präsident nutzt die aktuelle Marktkonfrontation jedoch gezielt, um den Systemwechsel der EU beim Energieeinkauf als gescheitert darzustellen. Zugleich zeigt die Entwicklung, wie empfindlich der europäische Gasmarkt weiterhin auf internationale Krisen und Veränderungen beim globalen Angebot reagiert.

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