Sanktionen
Norwegen: Gefängnisstrafe für Handel mit israelischen Siedlungen

Norwegen plant ein Handelsverbot für israelische Siedlungen. Bei Verstößen könnten künftig bis zu drei Jahre Haft drohen.

Teilen

Oslo – Oslo verschärft den Kurs: Norwegen erwägt ein Gesetz, das den Handel mit israelischen Siedlungen verbieten und bei Verstößen Haftstrafen von bis zu drei Jahren vorsehen soll. Außenminister Espen Barth Eide begründet den Vorstoß mit der Entwicklung im Westjordanland.

Bis zu drei Jahre Haft

Nach Angaben Eides gegenüber dem norwegischen Rundfunk NRK soll das geplante Gesetz nicht nur Unternehmen, sondern auch Einzelpersonen betreffen. Vorgesehen sind demnach bis zu drei Jahre Gefängnis für Verstöße gegen das Handelsverbot. Auch israelische Siedlungen in Ostjerusalem sollen nach den bisherigen Plänen erfasst werden.

Norwegen hatte bereits im Juni einen entsprechenden Gesetzentwurf zur öffentlichen Konsultation vorgelegt. Dieser sieht ein Verbot für den Import von Waren aus israelischen Siedlungen sowie für Exporte in diese Gebiete vor. Auch bestimmte Dienstleistungen, Immobiliengeschäfte und der Erwerb von Unternehmen mit Sitz und Produktion in den Siedlungen sollen untersagt werden. Die Konsultation läuft bis zum 19. September 2026.

Eide sagte nun, die Argumente für das Gesetz seien angesichts der Entwicklung im Westjordanland noch stärker geworden. Zudem gingen inzwischen weitere Staaten in eine ähnliche Richtung.

Zwölf Staaten kündigen ähnliche Schritte an

Der norwegische Vorstoß steht im Zusammenhang mit einer breiteren europäischen und westlichen Initiative. Kanada, Dänemark, Finnland, Frankreich, Island, Irland, Norwegen, Polen, Portugal, Spanien, Schweden und Großbritannien erklärten am 8. September, nationale Beschränkungen für den Handel mit Waren aus Siedlungen einzuführen beziehungsweise europäische Maßnahmen zu unterstützen oder entsprechende Schritte zu prüfen.

Die zwölf Staaten begründen ihren Kurs mit der zunehmenden Siedlungsausweitung und der Situation im Westjordanland. Ein gemeinsames EU-weites Handelsverbot ist damit allerdings nicht beschlossen – es handelt sich um nationale Maßnahmen beziehungsweise Vorhaben einzelner Staaten.

Israel reagiert mit Kritik

Die israelische Botschaft in Oslo kritisierte den norwegischen Vorstoß scharf. Sie bezeichnete die geplante Kriminalisierung des Handels als Ausdruck einer „obsessiven anti-israelischen Aktivität“ des norwegischen Außenministers.

Norwegen hatte bereits zuvor Sanktionen und Einreiseverbote gegen mehrere Personen wegen Gewalt gegen Palästinenser im Westjordanland verhängt.


ZUM THEMA

Israel verurteilt Sanktionen aus Europa

Auch interessant

AfD-Spitzenkandidatin Brinker bekräftigt Punktesystem für Wohnungsvergabe

Berlin - Menschen, die schon länger in Berlin leben und in bestimmten Berufen arbeiten, sollen nach den Vorstellungen der AfD bei der Wohnungsvergabe bevorzugt...

„Die anderen sind gemeint“ – warum sich viele von AfD-Populismus nicht angesprochen fühlen

Ein Gastkommentar von Aras Karasun Es klingt erst mal total beruhigend, wenn etwas mich, dich, uns oder euch angeblich nicht betrifft. Man hörte und hört...

Eurasische Wurzeln: Ein historisches Urteil über das Deutschsein

Ein Gastkommentar von Çağıl Çayır Unser Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier machte in seiner Festaktrede zum 60. Jubiläum des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens am 05. Oktober 2021 in Berlin...

Uri Poliavich: Gemeindeentwicklung und Schulen

Eine Schule kann mehr als nur ein Ort für Unterricht sein, wenn Familien, Pädagogen und lokale Initiativen denselben Bildungsraum nutzen. Uri Poliavich wird als...

„Das Massaker von Atça Çomaklı Ovası“ feiert Premiere

Atça/Aydın - Ein wenig bekanntes Kapitel der Geschichte Westanatoliens ist auf die Kinoleinwand gebracht worden: Der Kurzfilm „Das Massaker von Atça Çomaklı Ovası“ hat...

Headlines

Warum das Mekka-Abkommen weit mehr ist als eine „muslimische NATO“

Ein Gastbeitrag von Özgür Çelik Manchmal beginnt Geschichte nicht mit einem Paukenschlag, sondern mit einem Ereignis, das außerhalb der Region...

Hillary Clinton zum 7. Oktober: Netanjahu wurde gewarnt

Washington - Die ehemalige US-Außenministerin Hillary Clinton hat schwere Vorwürfe gegen den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu im Zusammenhang mit...

Putin an Europa: „Ihr habt bekommen, was ihr wolltet“

Neu Delhi - Der russische Präsident Wladimir Putin hat mit einer scharfen Abrechnung gegen die europäische Energiepolitik für Aufsehen...

USA: Sympathie für Palästinenser erstmals vor Israel

Washington – Die Sympathie der US-Bevölkerung für die Palästinenser liegt erstmals vor der Sympathie für Israel. Das geht aus...

Meinung

AfD-Sieg: Die Brandmauer allein wird nicht reichen

Ein Gastbeitrag von Özgür Çelik Die wichtigste Erkenntnis aus den jüngsten Wahlen in Sachsen-Anhalt ist vielleicht nicht einmal das außergewöhnlich starke Ergebnis der AfD. Es...

Warum das Mekka-Abkommen weit mehr ist als eine „muslimische NATO“

Ein Gastbeitrag von Özgür Çelik Manchmal beginnt Geschichte nicht mit einem Paukenschlag, sondern mit einem Ereignis, das außerhalb der Region kaum wahrgenommen wird. Während sich...

CHP: Vatandaşlar ile Parti Arasındaki Artan Kopuş

Nabi Yücel Vatandaşlarla partiler arasındaki giderek derinleşen kopuş, Türkiye'nin en köklü partisi CHP üzerinden somut biçimde gözlemlenebilir. Cumhuriyet Halk Partisi, 38. Olağan Kurultay'ın ardından ve...

Araştırma: ChatGPT kullanımı beyin aktivitesini önemli ölçüde azaltıyor

Cambridge – MIT Media Lab tarafından yapılan bir araştırma, ChatGPT ve diğer AI asistanlarının kullanımının beyin aktivitesini büyük ölçüde azalttığına dair ilk kanıtları sunuyor. Araştırma,...

Wall Street Journal: Türkiye’nin durdurulması gerekiyor

Konuk Yazar: Özgür Çelik Bradley Martin tarafından kaleme alınan ve 4 Mart 2026 tarihinde Wall Street Journal'da yayımlanan "Türkiye'yi Dizginlemek İçin Acil Bir İhtiyaç" (An...