Gastkommentar
Bericht: Kirchen-Anschlag in Syrien geht auf das Konto der SDF

Die kurdische Syrische Demokratische Kräfte (SDF) griff offensichtlich zu einer „False Flag“-Taktik mit IS-Gefangenen zurück, um die Stabilität und Sicherheit in der Region Damaskus zu stören

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Ein Gastbeitrag von Nabi Yücel

Die kurdische Syrische Demokratische Kräfte (SDF) griff offensichtlich zu einer „False Flag“-Taktik mit IS-Gefangenen zurück, um die Stabilität und Sicherheit in der Region Damaskus zu stören und die neue syrische Übergangsregierung unter Druck zu setzen. Darauf deuten Hinweise aus dem Büro der US-amerikanischen Hilfsorganisation Blumont im syrischen al-Hol.

Viele Tote nach Selbstmordanschlag in Kirche

Am 23. Juni hatte ein mutmaßlicher Anhänger der Terrormiliz des sogenannten Islamischen Staats (IS) in einer Kirche in der syrischen Hauptstadt Damaskus ein Selbstmordanschlag verübt. Nach Angaben des syrischen Gesundheitsministeriums wurden dabei 25 Menschen getötet, die an einer Messe teilgenommen hatten. Weitere 63 Menschen erlitten demnach bei der Explosion in der Mar-Elias-Kirche Verletzungen.

Es war der erste Anschlag dieser Art seit Jahren in Syrien. Zunächst bekannte sich keine Gruppe zu der Tat. Danach erklärte das Innenministerium, der Täter habe der Terrormiliz des sogenannten Islamischen Staats (IS) angehört, die früher Teile Syriens und des Iraks kontrolliert hätten.

Der Angreifer habe die Kirche mit zwei weiteren Personen aufgesucht, dann allein betreten, auf die Gläubigen geschossen und schließlich seinen Sprengsatz gezündet, teilte das Innenministerium mit.

Täter stammt aus IS-Zelle und dem Lager al-Hol

Am darauffolgenden Tag verbreitete sich über soziale Medien eine Meldung über eine wenig bekannte syrische sunnitische Extremistengruppe – Saraya Ansar al-Sunna, was übersetzt „Schwadronen der Anhänger der Sunna“ bedeutet – die sich zu dem Anschlag bekannt habe.

Die Gruppe bestritt demnach jegliche formelle Verbindung zum IS, widerlegte die Behauptung der syrischen Übergangsregierung, der IS sei verantwortlich, und drohte mit weiteren Anschlägen. Kurz darauf veröffentlichte die Gruppe selbst über ihr Social-Media Kanal eine Erklärung und bestritt eine Verbindung zum Terroranschlag.

Drei Tage nach der schrecklichen Tat gab das syrische Innenministerium an, einen der flüchtigen Personen im Raum Damaskus festgenommen zu haben. Dabei handle es sich um einen irakischen Staatsbürger, der ebenfalls ein Mitglied einer IS-Zelle sein soll.

Der Name des Festgenommenen sei ebenfalls in einer Datenbank der internationalen Hilfsorganisation aufgetaucht. Demnach sei der Mann ab November 2024 im Lager al-Hol als Lieferant von Heizmaterial tätig gewesen, der Täter stamme jedoch aus dem Internierungslager selbst.

Das Lager al-Hol liegt im syrischen Gouvernement al-Hasaka im nordöstlichen Syrien, rund 650 km von Damaskus entfernt. Das Lager ist ein Internierungslager am südlichen Stadtrand von al-Hol, die seit 2019 vor allem die Familien dschihadistischer Kämpfer des Islamischen Staats beherbergt. Das Gebiet wird von der syrisch-kurdischen SDF unter dem Dach der Task-Force einer internationalen Allianz gegen den Islamischen Staat, insbesondere der USA kontrolliert.

Obwohl die SDF – eine der mächtigsten bewaffneten Formationen Syriens und langjähriger Feind aller syrischen Oppositionsmilizen – im März ein Abkommen mit Übergangspräsidenten Al-Scharaa unterzeichneten, in der sie sich verpflichteten, sich der Kontrolle von Damaskus zu integrieren, bleiben die Spannungen zwischen beiden Seiten bestehen.

Der SDF gelang es nie, das Lager al-Hol vollständig zu sichern, die genaue Namenliste der dort Inhaftierten zu ermitteln oder IS-Kommandeure daran zu hindern, das Lager heimlich zu betreten und zu verlassen oder Schmuggel zu betreiben, veröffentlichten sie dennoch eine Gegenerklärung, in der sie die Behauptungen des Innenministeriums zurückwiesen.

Laut dem Innenministerium zeigte man sich dagegen erstaunt darüber, dass der Selbstmordattentäter in Begleitung von zwei Personen die Strecke zwischen al-Hol und Damaskus unbehelligt passieren konnte. Der Sprecher des Innenministeriums stellte zudem fest, dass das unbemerkte Verlassen der Personen aus dem Lager al-Hol sehr verdächtig sei.

Verhaftungen und Drohungen gegen Hilfsorganisation

Am vergangenen Freitag sickerte dann die Nachricht durch, dass die syrisch-kurdische SDF das Büro der Blumont in al-Hol durchsucht, 34 Mitarbeiter mitsamt einem Medienvertreter festgenommen und die Arbeit der Hilfsorganisation für beendet erklärt habe.

Die Nah-Ost-Zentrale der Blumont in Jordanien sei zudem unter Druck gesetzt worden, die Echtheit des Daten-Leaks zu leugnen, mit der eine Verbindung zwischen dem Selbstmordattentäter und dem Lager al-Hol bewiesen wird.

Die syrisch-kurdische SDF gilt als syrischer Arm der Terrororganisation PKK in Syrien. Laut Experten sieht sich die SDF zunehmend existenziell bedroht, vor allem wegen der Drohung des US-Präsidenten Donald Trump, das US-Kontingent aus Syrien abzuziehen. Zudem wird der Druck der syrischen Übergangsregierung, sich in die syrische Armee einzugliedern und aufzulösen, immer höher.

Laut dem schwedischen Analysten Michael Arizante, scheint die SDF immer verzweifelter zu werden, was sie deshalb außerordentlich gefährlich macht. Arizante fordert deshalb die USA auf, die SDF dazu zu zwingen, sich in der nationalen Struktur Syriens einzugliedern oder mit der gewaltsamen Entwaffnung zu beginnen.

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