Yitzhak Kroizer
Israel: Knesset-Abgeordneter heißt Tötung von Zivilisten gut

Knesset-Mitglied Kroizer erklärte, es gebe in Jenin keine unschuldigen Zivilisten und keine unschuldigen Kinder — kurz nach dem Tod einer palästinensischen Familie.

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Jerusalem – „In Jenin gibt es keine unschuldigen Zivilisten. In Jenin gibt es keine unschuldigen Kinder.“ Mit diesen Worten sorgte Yitzhak Kroizer, Knesset-Abgeordneter der rechtsextremen Partei Otzma Yehudit unter der Führung von Nationalsicherheitsminister Itamar Ben-Gvir, für internationale Empörung.

Kroizer ist Teil der Regierungskoalition von Premierminister Benjamin Netanyahu.
Die Aussagen fielen am 25. März 2026 während einer Plenarsitzung der Knesset, als Kroizer israelische Sicherheitskräfte verteidigte.

Auslöser war ein Vorfall vom 15. März 2026 in der Ortschaft Tammun südlich von Tubas im Westjordanland: Israelische Grenzsoldaten eröffneten das Feuer auf ein fahrendes Auto und töteten dabei Ali Bani Odeh, 37, seine Frau Waad, 35, sowie ihre beiden Kinder Othman, sieben Jahre alt, und Mohammed, fünf Jahre alt.

Die Familie war nach Augenzeugenberichten von einem Einkauf zum Eid-Fest auf dem Heimweg. Das israelische Militär erklärte, das Fahrzeug sei auf Soldaten zugefahren. Zwei weitere Kinder der Familie, zwölf und acht Jahre alt, wurden verletzt.

„Ich habe kein Mitleid mit meinen Feinden“

Kroizer stellte sich in der Knesset bedingungslos hinter die Soldaten: „Ich stehe hinter IDF-Kämpfern in jeder Situation. Auch wenn der Preis das Töten von Kindern oder Frauen ist — das interessiert mich nicht.“ Er fügte hinzu: „Ich habe kein Mitleid mit meinen Feinden.“

Der arabisch-israelische Knesset-Abgeordnete Ayman Odeh von der Partei Hadash-Ta’al reichte daraufhin eine formelle Beschwerde beim Ethikausschuss der Knesset ein. Kroizers Aussagen seien „eine eklatante Aufstachelung zur Gewalt und die vollständige Entmenschlichung von Palästinensern“, erklärte Odeh.

„Überall gibt es unschuldige Menschen — Israelis und Palästinenser. Überall gibt es unschuldige Kinder, die spielen, singen, zeichnen, tanzen und träumen wollen.“

Eine Reihe extremer Aussagen

Kroizer ist kein Unbekannter in der israelischen und internationalen Debatte. Im November 2023 forderte er in einem Interview mit dem israelischen Armeeradio den Tod aller Bewohner des Gazastreifens:

„Der Gazastreifen soll dem Erdboden gleichgemacht werden, und es soll für alle dort nur ein Urteil geben — den Tod. Wir müssen den Gazastreifen von der Landkarte wischen. Es gibt dort keine Unschuldigen.“

Im Dezember 2025 erklärte er im Knesset-Plenum, die Armee solle Palästinenser erschiessen die im Westjordanland Müll verbrennen. Kroizer sitzt seit August 2025 dem Innen- und Umweltausschuss der Knesset vor.

Israels internationales Ansehen auf Tiefpunkt

Die Aussagen Kroizers stehen vor dem Hintergrund eines historischen Tiefpunkts im internationalen Ansehen Israels. Eine im Mai 2026 veröffentlichte globale Wahrnehmungsstudie des Forschungsunternehmens Nira Data — erhoben unter mehr als 46.000 Menschen weltweit — listete Israel als das weltweit am negativsten bewertete Land, noch hinter Nordkorea, Afghanistan und Iran.

Gleichzeitig zeigt eine Pew-Studie vom April 2026, dass inzwischen 60 Prozent der US-Amerikaner eine negative Sicht auf Israel haben — der höchste gemessene Wert seit Beginn der Erhebungen.

Beobachter weisen darauf hin, dass Aussagen wie jene Kroizers — von einem Parlamentsabgeordneten aus der Regierungskoalition — das internationale Ansehen Israels weiter belasten, da sie weltweit als Ausdruck einer politischen Haltung wahrgenommen werden, nicht als Einzelmeinung.

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