Syrien
Die andere Seite der SDF: Macht, Politik und Menschenrechte in Nordost-Syrien

Die renommierte niederländische Investigativ-Journalistin Rena Netjes hat sich in einem Interview mit der Forschungseinrichtung für Mezalim über die Lage in Syrien äußerst besorgt geäußert.

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Die renommierte niederländische Investigativ-Journalistin Rena Netjes hat sich in einem Interview mit der Forschungseinrichtung für Mezalim über die Lage in Syrien äußerst besorgt geäußert. Dabei beleuchtet sie die Rolle der Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) und die damit verbundenen Menschenrechtsverletzungen, die insbesondere durch die YPG und deren Verbindungen zur PKK geprägt sind

Rena Netjes studierte Arabisch und Hebräisch an der Universität von Amsterdam. Sie unterrichtete Arabisch und Hebräisch, war lokale Politikerin in Amsterdam und arbeitete als Journalistin in Ägypten. Seit 2016 konzentriert sie sich auf Nordsyrien, besucht regelmäßig Nordsyrien und ist Mitautorin mehrerer Veröffentlichungen zu den Gebieten PYD/YPG und SNA. Neben ihrer Forschung unterrichtet sie Arabisch und Hebräisch.

Das Interview von Rena Netjes mit der Forschungseinrichtung für Mezalim beleuchtet die komplexen politischen und militärischen Verhältnisse in Nordost-Syrien, insbesondere im Zusammenhang mit den Demokratischen Kräften Syriens (SDF) und der YPG, die einen dominierenden Einfluss auf diese Kräfte ausübt. Netjes, die seit 2016 regelmäßig Nordsyrien besucht, analysiert in ihrem Gespräch die politische Struktur und die Praktiken der SDF und YPG sowie deren Rolle im syrischen Konflikt.

Die YPG wird als die führende militärische Kraft innerhalb der SDF beschrieben, wobei Netjes betont, dass viele ihrer Mitglieder, darunter auch Minderjährige, durch Zwangsrekrutierung in die Reihen aufgenommen werden. Besonders in arabischen Regionen wie Deir Ezzor stellt die Mehrheit der SDF-Mitglieder arabische Soldaten dar, doch die YPG dominiert das Kommando.

Netjes kritisiert, dass die SDF als „demokratisch“ etikettiert wird, aber in Wirklichkeit mit autoritären Methoden regiert und politische Gegner, insbesondere vom Syrischen Kurdischen Nationalrat (KNC), unterdrückt werden. Zu den Menschenrechtsverletzungen gehören Inhaftierungen, Morde und das systematische Verschweigen unabhängiger Medien sowie die Einschränkung von NGOs und Journalisten, die kritisch gegenüber der SDF sind.

Ein weiteres zentrales Thema im Interview ist die Rolle der SDF/YPG bei der Vertreibung von arabischen und kurdischen Bevölkerungsgruppen aus Nordost-Syrien, wobei Netjes auf ethnische Säuberungen hinweist, die die SDF durchführte, um die Kontrolle über arabische Gebiete zu festigen. Sie argumentiert, dass die YPG, trotz ihrer Darstellung als Freiheitskämpfer im Kampf gegen den IS, zunehmend eine autoritäre Agenda verfolgt hat, die sowohl Kurden als auch Araber in der Region entfremdet hat.

Netjes hebt auch hervor, dass die internationale Wahrnehmung der SDF/YPG in westlichen Medien oft milder ausfällt als bei anderen bewaffneten Gruppen, was sie als Problem für eine ausgewogene Berichterstattung über die Menschenrechtsverletzungen in der Region bezeichnet.

Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International und Human Rights Watch haben die Vergehen dokumentiert, jedoch wird die SDF in westlichen Medien weitgehend geschützt, was auf geopolitische Interessen, insbesondere die Unterstützung der USA im Kampf gegen den IS, zurückgeführt wird.

Der zweite Teil des Interviews mit der niederländischen Journalistin Rena Netjes behandelt die komplexe Lage in den von der SNA (Syrische Nationale Armee) kontrollierten Gebieten und die Schwierigkeiten bei der Rückkehr von Vertriebenen, insbesondere von Kurden, in ihre Häuser. Hier sind die wichtigsten Punkte:

Wohnsituation und Rückkehr von Kurden: Die Lage in einigen SNA-Gebieten bleibt schwierig, da viele Kurden ihr Eigentum nicht zurückerhalten können. Besonders in Afrin gibt es eine große Wohnungsnot, und der Rückkehrprozess ist durch hohe Kosten und bürokratische Hürden erschwert. Ein Beispiel ist, dass nach der Befreiung von Tal Rifaat 70.000 Kurden nach Afrin zurückkehren konnten, aber nicht alle ihr Eigentum zurückerhielten.

  1. Blockaden und Rückkehrhindernisse: Während der PYD (Partei der Demokratischen Union) die Rückkehr von Kurden nach Afrin blockierte, gab es Versuche von lokalen Kurdenorganisationen und FSA-Kommandeuren, die Rückkehr zu fördern. Trotz dieser Bemühungen waren viele Rückkehrer mit hohen Kosten konfrontiert und konnten nicht in ihre Häuser zurückkehren.
  2. Politische Perspektive: Der syrische Interimspräsident Ahmad al-Sharaa forderte die Rückkehr der Kurden nach Syrien und kritisierte das repressive Verhalten der PYD. Er betonte, dass Damaskus die Rückgabe von Grundstücken an die rechtmäßigen Eigentümer durch die SNA sicherstellen müsse.
  3. Menschenrechtsverletzungen der SDF/YPG-PKK: Es wird auch auf die Menschenrechtsverletzungen der SDF/YPG-PKK hingewiesen, insbesondere die Zwangsrekrutierung von Kindern, Folter und Einschränkungen der Meinungsfreiheit. Diese Gruppe wird für viele Vergehen verantwortlich gemacht, einschließlich der Entführung von Kindern.
  4. Zukunftsperspektiven und Hindernisse: Die SDF/YPG/PF-Kräfte haben strategische Ziele, wie die Kontrolle von Öl- und Gasreserven in Syrien und die Erhaltung ihres Einflusses im nordöstlichen Teil des Landes. Die Unterstützung der USA für die SDF hat das Potenzial, diplomatische Lösungen zu blockieren. Auch die Unfähigkeit der SDF, gegen den Iran zu kämpfen, führte dazu, dass sich die USA zunehmend den ehemaligen Rebellen im Nordwesten zuwandten.
  5. Zukünftige Verhandlungen und US-Rolle: Die USA spielen eine Schlüsselrolle in den Verhandlungen, um Stabilität zu fördern und Konflikte zwischen den verschiedenen Parteien zu lösen. Die Zukunft hängt jedoch von den Entscheidungen der amerikanischen Administration und der internationalen Dynamik ab.

Die Situation bleibt angespannt, mit vielen offenen Fragen bezüglich der Rückkehr von Vertriebenen, der Wiederherstellung der Rechte der Kurden und der weiteren geopolitischen Entwicklung in Syrien.

Abschließend stellt Netjes fest, dass die SDF und ihre führende Rolle im syrischen Konflikt trotz ihrer Darstellung als Demokraten eine düstere Bilanz in Bezug auf Menschenrechte und politische Unterdrückung haben. Sie fordert eine kritischere Auseinandersetzung mit den tatsächlichen Praktiken und dem Verhalten dieser Gruppierungen in der Region.

Zum vollständigen Interview:

Die andere Seite der SDF: Macht, Politik und Menschenrechte in Nordost-Syrien

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– NEX24-Interview –
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