Vatikan – Der internationale Druck auf die israelische Siedlungspolitik und die ausufernde Gewalt extremistischer Siedler im besetzten Westjordanland erreicht eine neue Ebene. Nach einem eindringlichen Appell von Papst Leo XIV. sorgen nun auch ungewohnt scharfe Worte aus den USA und Deutschland für Aufsehen.
Papst fordert Ende der Gewalt und Zweistaatenlösung
Oberhaupt Papst Leo XIV. rief die internationale Gemeinschaft erneut auf, sich aktiv für ein Ende der Übergriffe auf die palästinensische Zivilbevölkerung einzusetzen. Er erneuerte dabei seinen Appell für eine gerechte und dauerhafte Zweistaatenlösung.
US-Botschafter Huckabee spricht nach Belagerung von „Terrortat“
Wie drastisch sich die Lage vor Ort zugespitzt hat, zeigt ein aktueller Vorfall im palästinensischen Dorf Kusra nahe Nablus: Dort blockieren radikale Siedler seit Tagen die Häuser von Zivilisten – darunter auch das Anwesen eines US-Bürgers. Die Anwohner sind teils von der Lebensmittelversorgung abgeschnitten.
Auf den Vorfall reagierte der US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee – gewöhnlich als Befürworter von Siedlungen bekannt – mit überraschender Schärfe auf X:
„Die Handlungen derjenigen, die diese schreckliche Terrortat verübt haben, um diese Familie einzuschüchtern und zu drangsalieren, sind widerlich.“
Huckabee bezeichnete das Verhalten der Siedler als „Rowdytum“. Auf Ersuchen der US-Regierung griff die israelische Armee ein und entfernte ein Zelt der Angreifer, die jedoch weiterhin vor Ort bleiben.
Siedler, die palästinensische Familie im Westjordanland belagern, sind „israelische Terroristen“
Klares Signal aus Deutschland: Staatsräson gilt in anerkannten Grenzen
Auch der frühere deutsche Botschafter in Israel, Steffen Seibert, fand im Gespräch mit der ZEIT deutliche Worte. Er bezeichnete das Vorgehen der Siedler als „Vertreibung mit Mitteln der psychologischen und der realen Gewalt“. Die deutsche Staatsräson gelte für Israel in seinen international anerkannten Grenzen, stellte Seibert klar – „aber das gilt nicht gegenüber den Siedlern im Jordantal.“
Wenn die Grenze zwischen Armeeführung und Siedlern verschwimmt
Die aktuellen Vorkommnisse bestätigen Befürchtungen, die Experten und Menschenrechtler seit Monaten dokumentieren. Bereits in der vergangenen Woche analysierte die Autorin Susanne Mattner in einem NEX24-Gastbeitrag die Berichterstattung über den israelischen Aktivisten Dror Etkes (Kerem Navot).
Etkes, selbst Israeli und Armee-Veteran, warnt seit langem davor, dass radikale Siedler nach dem 7. Oktober gezielt in die Armee rekrutiert wurden. Sie agieren im Westjordanland oft zeitgleich als Soldaten mit militärischer Autorität und als Teil extremistischer Siedlergruppen.
Wenn Zivilisten systematisch schikaniert, belagert und von ihrem Land vertrieben werden, erfülle dies schlichtweg die Tatbestände von Terrorismus. Dass nun selbst traditionelle Unterstützer der Siedlerbewegung wie der US-Botschafter den Begriff der „Terrortat“ aufgreifen, zeigt: Das Problem lässt sich diplomationspolitisch nicht mehr verschweigen.
Huckabee: Settlers besieging W. Bank Palestinian family are ‚Israeli terrorists‘ https://t.co/lpWwoHItrK
— Haaretz.com (@haaretzcom) August 13, 2026

