Jerusalem – Die innenpolitische Krise in Israel rund um die Aufhebung der Wehrpflichtbefreiung für ultraorthodoxe Juden hat sich am Wochenende dramatisch zugespitzt und zu schweren Konfrontationen in Jerusalem geführt.
Berichten von Medien wie „The Times of Israel“ zufolge wurden Einheiten der israelischen Grenzpolizei sowie Soldaten der israelischen Armee (IDF) am Donnerstagabend von einer aufgebrachten ultraorthodoxen (Haredi) Menschenmenge attackiert und gewaltsam aus dem bekannten Jerusalemer Wohnviertel Mea Schearim vertrieben.
Die Vorfälle, die von Augenzeugen auf Video dokumentiert wurden, verdeutlichen die tiefe gesellschaftliche Spaltung im Land und die wachsende Gewaltbereitschaft radikaler, anti-zionistischer Gruppierungen innerhalb der ultraorthodoxen Gemeinschaft.
Grenzpolizisten durch die Straßen gejagt
Nach den offiziell bestätigten Angaben der israelischen Sicherheitsbehörden kam es in den engen Gassen des Viertels Mea Schearim zu zwei koordinierten Konfrontationen. Im ersten Fall wurde eine Patrouille der israelischen Grenzpolizei (Border Police) von dutzenden wütenden Haredi-Männern umringt und systematisch durch die Straßen gejagt.
Die Angreifer bewarfen die Beamten mit Holzkisten sowie anderen Gegenständen und skandierten lautstark Parolen wie „Nazis“ und „Mörder“, um den sofortigen Abzug der Sicherheitskräfte aus ihrem Viertel zu erzwingen.
Nur kurze Zeit später ereignete sich ein zweiter Vorfall, bei dem drei IDF-Soldaten von einer Gruppe Haredim verfolgt und ebenfalls mit Wurfgeschossen attackiert wurden.
Lokale Medien bestätigten, dass diese Soldaten dem Netzah-Yehuda-Bataillon angehören – einer speziellen Armeheinheit, die von der Militärführung eigentlich eigens für ultraorthodoxe Rekruten geschaffen worden war.
Massenprotest gegen die Inhaftierung von 63 Wehrdienstverweigerern
Der direkte Auslöser für die jüngste Eskalation in Jerusalem war ein großangelegter Protestmarsch, der in der Stadt Beit Shemesh gestartet war. Ein massiver Fahrzeugkorso und hunderte Fußgänger zogen zum zentralen Kikar-Hashabbat-Platz in Jerusalem, um gegen das jüngste Vorgehen der Justizbehörden zu demonstrieren.
Anlass des Protests war die behördlich bestätigte Massenverhaftung von insgesamt 63 ultraorthodoxen Männern, die sich zuvor der Zwangsrekrutierung für den Militärdienst entzogen hatten. Die Demonstranten trugen im Zuge der Ausschreitungen offizielle Schilder mit den Aufschriften „Zionismus ist Terrorismus“ und „Zionismus ist NICHT Judentum“, die dem traditionellen Repertoire radikal anti-zionistischer Gruppierungen wie der Neturei Karta oder Teilen der Edah HaChareidis entsprechen.
Das Urteil zur Wehrpflicht als regionaler Flächenbrand
Die Wehrpflicht-Krise bildet seit Monaten das zentrale innenpolitische Konfliktfeld der israelischen Regierung unter Premierminister Benjamin Netanjahu.
Nachdem der Oberste Gerichtshof des Landes die jahrzehntelange pauschale Befreiung von ultraorthodoxen Tora-Studenten vom Militärdienst für verfassungswidrig erklärt hatte, ordnete die Regierung die Zwangsrekrutierung an.
Netanjahu hatte in internen Kabinettssitzungen unlängst gedroht, dass Wehrdienstverweigerer, die nicht an einer staatlich anerkannten Jeschiwa (Thoraschule) studieren, konsequent mit Gefängnisstrafen belegt werden.
Da sich weite Teile der ultraorthodoxen Gemeinschaft weigern, den säkularen Staat und seine Institutionen anzuerkennen, führen die Rekrutierungsbefehle zu täglichen Straßenschlachten und Straßenblockaden in den haredischen Ballungsräumen, die die Handlungsfähigkeit der Sicherheitskräfte vor Ort massiv einschränken.
שלושה חיילים חרדים המשרתים בגדוד “נצח יהודה” נקלעו לאזור שבו התקיימה קבלת הפנים ל”פורעי סולברג”, והותקפו על ידי ההמון במקום.
המפגינים השליכו לעבר החיילים בקבוקים ורדפו אחריהם, השלושה הצליחו להימלט מהמקום ללא פגע. pic.twitter.com/IThA3urExZ
— יעקב הרשקוביץ | Yaakov hershkowitz (@yaakov_hershko) July 30, 2026
The IDF was chased out of an anti-Zionist neighborhood in Jerusalem on Thursday night, July 30, 2026.
Residents confronted the IDF soldiers, calling them “Nazis” and “murderers” and declaring:
“Zionism is terrorism.”- „Zionism is NOT Judaism“ pic.twitter.com/pG8T4hlBb0
— Jewish Voice (@jewishvoicelive) August 2, 2026

