Israel
Studie: Israels Auswanderung erreicht Rekordniveau

Eine Studie der Universität Tel Aviv zeigt: Rund 268.000 Israelis verließen seit 2023 das Land. Forscher warnen vor Folgen für Wirtschaft und Sicherheit.

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Tel Aviv – Die Zahl der Israelis, die ihr Land für längere Zeit verlassen, ist nach einer neuen Studie der Universität Tel Aviv auf einem historischen Höchststand geblieben.

Zwischen 2023 und 2025 verließen demnach rund 268.000 Menschen Israel für mindestens drei aufeinanderfolgende Monate. Die Wissenschaftler warnen, dass sich daraus langfristig Risiken für Wirtschaft, Gesellschaft und nationale Sicherheit entwickeln könnten, sollte sich der Trend fortsetzen.

Die Untersuchung wurde von Prof. Itai Ater, Leiter des Forums „Economists for Democracy“, Prof. Nati Bergman, Leiter der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Tel Aviv, sowie dem Doktoranden Doron Zamir erstellt. Grundlage der Analyse sind Daten des israelischen Zentralamts für Statistik.

Rekordwerte seit 2023

Nach den Berechnungen der Forscher verließen im Jahr 2023 insgesamt 86.509 Israelis das Land für mindestens drei Monate. Im Jahr 2024 stieg die Zahl auf 91.499, bevor sie 2025 mit 90.922 nahezu auf diesem Niveau blieb.

Damit wurden nach Angaben der Studie die höchsten Werte seit Beginn vergleichbarer Erhebungen erreicht.

Zum Vergleich: Zwischen 2010 und 2019 verließen durchschnittlich rund 60.000 Menschen pro Jahr Israel für längere Zeit. Zwischen 2013 und 2015 wurden insgesamt rund 183.000 Langzeit-Auswanderungen registriert. In den vergangenen drei Jahren lag der Durchschnitt dagegen bei rund 90.000 Menschen jährlich.

Forscher sehen besorgniserregende Entwicklung

Studienleiter Prof. Itai Ater bezeichnete die Zahlen als „sehr besorgniserregend“. Noch stelle die Auswanderung zwar keine unmittelbare Gefahr für die Widerstandsfähigkeit Israels dar. Das eigentliche Risiko bestehe jedoch darin, dass sich der Trend weiter verstärken könnte.

„Die wirkliche Gefahr liegt im Verlust des Gleichgewichts und in der Möglichkeit, dass die Auswanderungszahlen weiter steigen, anstatt sich auf dem derzeitigen Niveau einzupendeln“, erklärte Ater gegenüber israelischen Medien.

Nach Einschätzung der Forscher zeigen die Daten, dass das jahrelang relativ stabile Verhältnis zwischen Zu- und Abwanderung inzwischen gestört sei. Seit 2023 sei ein deutlicher Anstieg der langfristigen Auswanderung zu beobachten.

Politische Krise und Krieg als Hintergrund

Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass die öffentliche Debatte über Auswanderung bereits seit Ende 2022 deutlich zugenommen habe. Als Ursachen nennen sie die innenpolitische Krise, die landesweiten Proteste sowie den Krieg, der nach dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 begann.

Ziel der Studie sei es gewesen, die Diskussion auf Grundlage offizieller Daten zu bewerten und ein aktuelles Bild der Entwicklung zu liefern.

Vor allem gut ausgebildete Fachkräfte verlassen Israel

Die neue Untersuchung verweist zudem auf frühere Forschungsergebnisse, wonach insbesondere Ärzte, promovierte Wissenschaftler, Ingenieure, Akademiker und Gutverdiener überdurchschnittlich häufig auswandern. Gerade diese Entwicklung bereitet den Forschern besondere Sorgen.

Die israelische Wirtschaft verfüge nur über wenige natürliche Ressourcen und sei in hohem Maße auf gut ausgebildete Fachkräfte angewiesen. Besonders die Hightech-Branche und andere wissensintensive Industrien lebten von qualifiziertem Personal.

Sollte die Zahl der Auswanderer in diesen Berufsgruppen weiter steigen, könnte dies nach Einschätzung der Wissenschaftler langfristige Folgen für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Landes haben.

Warnung vor einem „Schneeball-Effekt“

Die Autoren betonen jedoch, dass nicht die derzeitige Zahl der Auswanderer das größte Risiko darstelle, sondern die Möglichkeit einer sich selbst verstärkenden Entwicklung.

Weitere politische, wirtschaftliche oder sicherheitspolitische Krisen könnten einen „Schneeball-Effekt“ auslösen. Jede neue Auswanderungswelle könne weitere Menschen dazu bewegen, Israel ebenfalls zu verlassen.

Nach Ansicht der Forscher könnte eine solche Entwicklung langfristig erhebliche Auswirkungen auf die israelische Wirtschaft und die Gesellschaft haben.

Die Studie erscheint vor dem Hintergrund des anhaltenden Gaza-Krieges sowie weiterer militärischer Auseinandersetzungen Israels in der Region. Nach offiziellen Angaben leben derzeit mehr als zehn Millionen Menschen in Israel.

 


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