Stickoxid-Ausstoß
„Gesundheit der Bevölkerung gefährdet“: Politiker möchte Steuer auf Diesel deutlich anheben

Scharfe Kritik an Bundesregierung – „Gesundheit der Bevölkerung gefährdet“ Osnabrück (nex) – Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer fordert als Konsequenz aus der neuen Studie zum Stickoxidausstoß von Diesel-Pkw, die Steuerbegünstigung für Dieseltreibstoff zu streichen. In einem Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte Dudenhöffer. „In Deutschland wird mit Steuermitteln die Gesundheit der Bevölkerung gefährdet. Das muss endlich aufhören. Die Energiesteuer auf Diesel muss deutlich angehoben werden. Der Staat hat durch die niedrige Besteuerung völlig falsche Kaufanreize gegeben.“ Nach den Worten von Dudenhöffer ist seit langem bekannt, dass selbst neuste Euro-6-Diesel-Pkw in ihren Stickoxid-Ausstoß weit abseits der theoretischen Grenzwerte liegen. „Das weiß die Kanzlerin genau so gut wie der Bundesverkehrsminister und die EU-Kommission. Trotzdem akzeptiert man seit mehr als fünf Jahren zu hohe und gesundheitsgefährdende Stickoxid-Werte in deutschen Großstädten. Trotzdem genießt Dieselkraftstoff einen Steuervorteil von 18 Cent pro Liter und die Bundesregierung fördert damit kurioserweise den Verkauf von Diesel-Pkw.“ „Die Politiker haben Angst vor wegfallenden Arbeitsplätzen, vor Wählerverlust sowie vor Gegenwind des ADAC oder der Automobilindustrie“, sagte Dudenhöffer weiter. Für Lkw gebe es schon länger deutlich strengere Abgasvorschriften und Prüfmethoden zur Abgasreinigung. Gleiche Voraussetzungen für Pkw zu schaffen, habe die Politik bisher bewusst unterlassen. Jens Gieseke, Berichterstatter im Abgasuntersuchungsausschusses des EU-Parlaments forderte in der „NOZ“: „Die Messungen im realen Betrieb müssen jetzt zügig kommen. Und die Hersteller müssen jetzt offensiv zeigen, dass sie die Grenzwerte einhalten können und wollen.“ Die Arbeit im Abgas-Untersuchungsausschuss hat nach den Worten von Gieseke gezeigt, dass mit moderner Dieseltechnologie Grenzwerte künftig auch im Realbetrieb eingehalten werden können. „Hinzu kommen vielversprechende Technologien wie zum Beispiel synthetische Kraftstoffe, mit denen sich Schadstoffausstöße bei Pkw und Lkw noch weiter reduzieren lassen.“

Türkei
Istanbul: Rekord-Schneefall legt Stadt lahm – über 400 Flüge gestrichen

Istanbul (nex) – Ein Schneesturm, der am gestrigen Freitagabend begann, legt seit den Nachtstunden den Verkehr in Istanbul lahm. In einigen Teilen der Millionenmetropole liegt mittlerweile über 40 Zentimeter Schnee. Während der starke Schneefall bislang keine größeren Auswirkungen auf die Hauptverkehrsadern der Stadt hat, kamen auf einer Straße in der Nähe des Stadtteils Bahcesehir elf Lkw ins Schlittern und brachten den Verkehr stundenlang zum Erliegen. Die Straße wurde wieder freigegeben, nachdem die kollidierten Fahrzeuge von der Feuerwehr und den städtischen Behörden abgeschleppt worden waren. Insgesamt 52 Unfälle ereigneten sich auf der Europastraße 80 (E 80) sowie der sogenannten Gastarbeiterroute, der ehemaligen Europastraße 5 (E 5). Über 400 Flüge wurden für Freitag und Samstag gestrichen. Die Metro, der Eurasia-Tunnel sowie der Marmaray-Tunnel sorgten bis spät in die Nacht für die Entlastung des Istanbuler Verkehrs.

Balkan
„Osmanische Allianz“: Türkei und Kosovo stärken „strategische Kooperation“

Ankara (nex/eurasia) – Im Zuge eines Treffens mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in Ankara hat der Präsident von Kosovo Hashim Thaci die starken Beziehungen zur Türkei betont. Er verurteilte den vereitelten Putschversuch gegen die türkische Regierung im vergangenen Sommer. Im Gespräch mit NEX24-Kooperationspartner Eurasia News bemerkte der Balkan-Experte Milivoje Pantovic, dass die Türkei nach rund einem Jahrhundert als Regionalmacht auf den Balkan zurückkehren möchte. „Panzer und Gewalt können den Willen des Volkes und die Entscheidung der Bürger bei Wahlen nicht brechen“, teilte Thaci in einer Pressemitteilung mit. Thacis Büro gab bekannt, dass Erdogan und er die weitere Stärkung der bilateralen Beziehungen erörterten. Er bestätigte, dass die Balkanrepublik ihr Verhältnis zu Ankara als „strategische Kooperation“ einstuft. Laut Thaci ist Kosovo der Türkei dankbar dafür, „in schwierigen und guten Zeiten sowie heute Kosovo nahe zu sein. Die Türkei helfe dabei, „die Anerkennung Kosovos als Staat und die Mitgliedschaft bei internationalen Organisationen zu gewährleisten“. Im Gespräch mit Eurasia News erklärte der renommierte serbische Balkan-Experte Milivoje Pantovic auf die Frage, was eine kleine Republik wie Kosovo so interessant für die türkische Außenpolitik mache:
„Kosovo ist für die Türkei aus zahlreichen Gründen bedeutsam. Dazu zählen wirtschaftliche, historische und emotionale Gründe. Nicht zu vergessen ist, dass der Rückzug der Osmanen aus dem Balkan mit der Annexion Bosnien-Herzegowinas von Österreich-Ungarn 1878 und mit der Niederlage der Türken im Kosovo gegen die serbische Armee begann. Noch heute lebt eine signifikante türkische Minderheit im Kosovo. Sie ist nicht groß in der Zahl, aber einflussreich mit guten Beziehungen in die Türkei. Aus wirtschaftlicher Perspektive ist Kosovo reich an Mineralvorkommen und einem günstigen Arbeitskräftepotenzial. Kosovo selbst sagt nicht Nein zu einer Annäherung mit der Türkei, was alles ein wenig einfacher macht. Während wir den Aufstieg des Neo-Osmanismus bezeugen, ist es nur logisch, dass die Türkei diesmal als Regionalmacht zurück nach Kosovo kehren möchte.“
Die Türkei gehörte zu den ersten Staaten, die die Unabhängigkeit Kosovos im Februar 2008 von Serbien anerkannten. Im Oktober 2016 beschlossen beide Staaten die Einführung eines gemeinsamen Freihandelsabkommens. „Wir sind bereit, dem Kosovo jegliche Unterstützung für die Teilnahme an internationalen Veranstaltungen und Ausstellungen zu geben. Wir wünschen uns keine passive Freundschaft“, kommentierte der türkische Wirtschaftsminister Nihat Zeybekci seinerzeit. Der türkische Minister betonte, dass die gegenwärtigen Handelsbeziehungen mit dem Balkan-Land nicht zufriedenstellend seien. Diese kursierten 2015 bei 259 Millionen US-Dollar. Kosovo exportiert Güter und Dienstleistungen im Wert von neun Millionen US-Dollar in die Türkei. Erdogan und Thaci pflegen eine intensive Freundschaft. Bei ihren Treffen gingen beide Staatsoberhäupter soweit, sich „Brüder“ zu nennen. Die Türkei spielt regional die Rolle eines „großen Bruders“ für Kosovo. Während seiner siebenjährigen Amtszeit als Premierminister wurde Thaci auch schon für seine engen Beziehungen mit der Türkei zur Zielscheibe von Kritik. Der Grund dafür ist, dass dem Staatsoberhaupt vorgeworfen wird, wichtige Schlüsselindustrien und Vermögenswerte an die Türkei verkauft zu haben. Dazu zählt das Energieverteilungsnetz oder der Hauptstadtflughafen von Prishtina. Befürworter argumentieren, die Türkei modernisiere die marode Infrastruktur und bringe wichtige Investitionen ins Land. Bezüglich des Anschlags auf den Istanbuler Nachtclub in Türkei sagte Thaci, „Terroristen sind immer gleich, ob in Ankara, in Prishtina, Brüssel, Berlin, New York oder Washington“. Kosovo fühlt sich „dem Kampf gegen Radikalismus und Extremismus“ verpflichtet.

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Erschienen bei NEX24 Kooperationspartner Eurasianews  

Terrorismus
USA: Schüsse am Ft. Lauderdale Flughafen – mehrere Tote

Ft. Lauderdale (nex) – US-Medienberichten zufolge sind auf dem Flughafen der Stadt Ft. Lauderdale Schüsse gefallen. Demnach sollen neun Menschen getroffen worden sein, mehrere davon tödlich, wie die Polizei bestätigte. US-Nachrichtensender CNN berichtet von bis zu fünf Toten. Der Ft. Lauderdale Flughafen meldete über Twitter, dass es „einen Vorfall im Terminal 2“ gebe. Auch der ehemalige Regierungssprecher von Ex-Präsident George W. Bush berichtete via Twitter über den Vorfall. Er befand sich demnach zum Zeitpunkt des Anschlags auf dem Flughafen. „Ich bin im Ft. Lauderdale Flughafen. Schüsse sind gefallen. Alle rennen weg“, so Fleischer. Wie mehrere Medien berichten, sollen die Schüsse im Gepäckausgabebereich des Flughafens gefallen sein. Wie das Büro des Sheriffs auf Twitter meldete, sei eine Person in Gewahrsam.

"Prüffall Islamismus"
„IS-Kontakte“: Anis Amri bereits 2015 durch andere Flüchtlinge angezeigt

Essen (ots) – Der Berliner Attentäter Anis Amri ist früher als bislang bekannt von Mitbewohnern der Asylunterkunft Emmerich als Sympathisant der Terrororganisation IS angezeigt worden. Der Tunesier sei bereits im Dezember 2015 anonym durch andere Flüchtlinge bei der Ausländerbehörde des Kreises Kleve ausdrücklich „wegen mutmaßlicher Kontakte zum sogenannten IS“ gemeldet worden, erklärte die Kreisverwaltung Kleve am Freitag gegenüber der Neue Ruhr Zeitung. Diese Anzeige sei sofort der zuständigen Staatsschutzdienststelle NRW zugleitet worden. Am 3. Dezember 2015 sei der Kreis Kleve „informell telefonisch darauf hingewiesen worden, dass Herr Amri im Fokus der Sicherheitsbehörden steht“. Bereits im Oktober 2015 hatte ein Zimmernachbar Amris gemeldet, dass dieser Handy-Fotos von schwarz gekleideten Personen mit Kalaschnikow besitze. Die Polizei erstellte einen „Prüffall Islamismus“. Wie die Ausländerbehörde Kleve erklärte, seien es auch Mitbewohner gewesen, die darauf hingewiesen hätten, dass es sich bei Amri „aufgrund seines Dialekts nicht um einen Ägypter handelte“. Der spätere Attentäter, der insgesamt 14 verschiedene Identitäten nutzte und allein in NRW zwischen Juli und Oktober 2015 in mehreren Asyl-Registrierstellen vorstellig wurde, gab sich unter anderem als Ägypter aus.

Türkei
PKK-Terror: Getöteter kurdischer Polizist ist Held des Anschlags in Izmir

Izmir (nex) – Tausende Menschen in der Türkei feiern den Polizisten Fethi Sekin, der beim gestrigen Terroranschlag in der westtürkischen Millionenmetropole Izmir getötet wurde, in den sozialen Medien als Helden. Die unter den Hashtags #FethiSekin und #Kahramanimiz (Unser Held) geteilten Posts haben sich Medienberichten zufolge ab gestern Nachmittag auf Twitter zu Trending Topics entwickelt. „Lebe wohl, mutiger Mensch, es ist unsere Pflicht, deinen Namen am Leben zu erhalten. #FethiSekin“, twitterte eine Gruppe mit dem Namen Izmirliyiz (Wir sind Izmirer). Aykut Elmas, ein anderer Twitter-User, teilte ein Foto, auf dem zu sehen ist, wie Sekin sich ein Fußballspiel seines Sohnes ansieht. „#Fethi Sekin ruhe in Frieden“, ist darunter zu lesen. Auch der Fußballverein Galatasaray, dessen Anhänger Sekin war, gab auf seiner Webseite ein Statement heraus. Darin heißt es, Galatasaray werde Sekins Sohn ein Stipendium und die Nutzung aller Möglichkeiten des Fußballclubs anbieten. Der 43-jährige kurdischstämmige Polizist Sekin hielt ein verdächtiges Auto unmittelbar vor dem Justizpalast in Izmir an, das, wie sich herausstellen sollte, mit Sprengsätzen beladen war. Sekin, der die Terroristen als solche erkannte, sobald das Fahrzeug zum Stehen gekommen war, eröffnete das Feuer auf sie und verhinderte damit ein Massaker an den anwesenden Zivilisten. Es kam zu einem Schusswechsel zwischen den Terroristen und den Sicherheitskräften. Bei der bewaffneten Auseinandersetzung und der darauffolgenden Explosion der Autobombe verloren Sekin und ein Gerichtsangestellter das Leben. Der Gouverneur von Izmir, Erol Ayyildiz, teilte mit, dass fünf Menschen bei der Vereitelung eines weiteren Anschlags verletzt worden seien. Demnach sei eine größere Explosion durch ein zweites Fahrzeug verhindert worden. In verschiedenen Tweets fiel Sekins Name gemeinsam mit dem des Oberstabsfeldwebels Ömer Halisdemir, der zum Symbol des Widerstandes der Türken gegen den vereitelten Putschversuch vom 15. Juli 2016 geworden ist. Halisdemir hatte den pro-putschistischen Brigadegeneral Semih Terzi im Hauptquartier der Spezialkräfte erschossen. Facebook hat Sekins Account in den Gedenkzustand versetzt. Konten im Gedenkzustand stellen für Personen auf Facebook eine Möglichkeit dar, um das Leben der geliebten Personen, die sie verloren haben, zu feiern und ihrer zu gedenken, erklärt das soziale Netzwerk auf seiner Webseite.  

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Arbeitspolitik
Grüne fordern Ende der „Schnellvermittlung“ von Arbeitslosen

Osnabrück (nex) – Die Grünen haben die Arbeitsagenturen und Jobcenter aufgefordert, Arbeitslose in nachhaltige Beschäftigungsverhältnisse zu vermitteln. Schnelle Vermittlung in Leiharbeit helfe den Betroffenen nicht, kritisierte die Grünen-Arbeitsmarktmarktexpertin Brigitte Pothmer in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Sie verwies auf die Antwort der Bundesregierung auf eine entsprechende Anfrage. Danach vermitteln Arbeitsagenturen und Jobcenter jeden dritten Arbeitslosen in Leiharbeit, obwohl insgesamt nur knapp drei Prozent aller Beschäftigten in dieser Branche arbeiten. „Dieses Verfahren wirkt allenfalls als Durchlauferhitzer. Man ist schnell drin, aber genauso schnell auch wieder draußen“, beanstandete Pothmer. Es müsse mehr in die Qualifizierung von Arbeitslosen investiert werden. Das sei im Gegensatz zur Leiharbeit ein „echtes Nachhaltigkeitsprogramm“ für die Chancen von Arbeitslosen. Die Bundestagsabgeordnete wies darauf hin, dass die Bundesagentur für Arbeit nach harscher Kritik des Bundesrechnungshofes im Jahr 2013 Besserung gelobt und leichte Korrekturen an der Praxis der schnellen Vermittlung in Leiharbeit vorgenommen habe. Diese hätten aber offensichtlich nicht ausgereicht.

Rüstungsindustrie
Türkei und Deutschland kooperieren im Rüstungssektor

Dortmund (nex/eurasia) – Ein neues multinationales Gemeinschaftsunternehmen, bestehend aus türkischen, deutschen und malaysischen Herstellern, führt Verhandlungen mit Katar über den Verkauf von 1.000 gepanzerte Fahrzeuge. Experten betrachten diese Initiative als Bestandteil einer aggressiven Marketingstrategie, die auf die Golfstaaten, den Nahen Osten und Zentralasien ausgerichtet ist. Im August unterzeichneten das türkische Rüstungsunternehmen BMC, Deutschlands Rheinmetal und Malaysias Etika Strategi ein Abkommen über die Gründung einer türkischen Tochtergesellschaft. RBSS, wie das neue Gemeinschaftsunternehmen heißt, wird dem türkischen Militär und anderen Armeen künftig gepanzerte Systemlösungen anbieten. Die Unternehmen informierten, dass sich das Gemeinschaftsunternehmen auf die Herstellung von Panzerfahrzeugen fokussieren wird, die sich auf Rädern und auf Kettenfahrgestellen bewegen. Vertreter der Rüstungsschmiede machten publik, dass RBSS über BMC kürzlich eine Vertragsverhandlung mit der katarischen Regierung über einen potenziellen Verkauf von bis zu 1.000 gepanzerte Fahrzeuge verschiedener Typen und Konfigurationen einleitete. Medien prachen mit dem renommierten türkischen Rüstungsexperten Arda Mevlütoglu. Dieser bemerkte, dass die türkische Initiative deshalb bemerkenswert ist, weil die das industrielle Komitee der katarischen Streitkräfte 50 Prozent der Anteile an BMC hält. Auf die Frage hin, warum BMC mit Deutschlands Rheinmetall kooperiert, erklärte Mevlütoglu: „Für BMC dürfte einer der Hauptgründe darin bestehen, seine Position als Produzent für Landsysteme durch das Know-How und einem Know-How-Transfer von Rheinmetall zu stärken. Rheinmetall ist eines der weltweit führenden Unternehmen in diesem Sektor. Ein weiterer Grund könnte sein, die generelle Position auf Exportmärkten auszubauen, was für beide Unternehmen ein Motivationsfaktor ist.“ Über die konkreten Leistungen des deutschen Rüstungskonzerns im Rahmen der neuen Tochterfirma in der Türkei wollte Mevlütoglu keine Details nennen. Er sagte: „Es ist noch nicht viel bekannt. Ich halte es aber für sehr möglich, dass Rheinmetall wichtige Erfahrungen und Technologien für die gemeinsame Fertigungs- und Entwicklungsprogramme zur Verfügung stellen wird.“ Die Gegenfrage, wie eine Zusammenarbeit zwischen Rheinmetall und BMC erklärt werden kann, während zwischen Deutschland und der Türkei auf politischen Feld gegenwärtig erhebliche Spannungen herrschen, beantwortete der Verteidigungsanalyst wie folgt: „Es ist kein Geheimnis, dass die politischen Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei heute nicht die besten sind. Das bedeutet für die Akteure aber offensichtlich nicht, dass es auch in Zukunft weiter so bleibt. Vor allem wenn es zur Integration von Hochtechnologien kommt, kann diese sehr effektiv sein, die politischen Beziehungen zu gestalten oder zumindest zu beeinflussen.“ Unterdessen gewann BMC eine Ausschreibung von der türkischen Regierung über die Auslieferung von 35 Panzerfahrzeuge vom Typ Amazon. Potenzielle internationale Kunden sind Pakistan und das türkische Brudervolk in Zentralasien Turkmenistan, gaben Unternehmensvertreter an. Die Auslieferung der 35 Amazon Fahrzeuge lässt sich BMC 480 Millionen US-Dollar kosten. Erstmals stellte BMC das Panzerfahrzeug Amazon bei der Maritimen Verteidungsausstellung 2016 in Katar vor. Das Fahrzeug eignet sich laut Unternehmensangeben ideal für die polizeiliche und militärische Nutzung bei urbanen Operationen. Im Amazon finden bis zu sieben Insassen Platz. Das Fahrzeug wird mit einer Extra-Panzerung und einem aufmontierten Waffensystem zum Verkauf angeboten. https://youtu.be/kiltKDvgLAM Daneben arbeitet BMC einen Vertrag über die Herstellung von 329 „Minen widerstehende und Hinterhalt-geschützte Fahrzeuge“, auch MRAP genannt, vom Typ Kirpi für die türkische Armee ab. Die Fahrzeuge sollen 2017 allesamt der Armee übergeben werden. Kirpi hat einen 375 PS starken Motor, eine Vier-Rad-Antriebskonfiguration, ein vollautomatisches Getriebe. Es wirbt mit seiner Beförderungskapazität von bis zu 15 voll bewaffneten Personen. Kirpi bietet Schutz gegen Minen, ballistische und improvisierte Sprengstoffbedrohungen. Zur Verteidigung weist es eine ferngesteuerte Waffenstation aus. Außerdem besitzt es ein zentrales Reifenfüllsystem und eine automatische Feuerlöschanlage. Es kann auf platten Reifen weiterfahren. https://youtu.be/fMPO7mzwRgM BMC befindet sich im Gespräch mit Turkmenistan über den Verkauf von 10 Kirpis. Diese sollen für ambulante Zwecke modifiziert werden. Insgesamt stehen internationale Lieferungen von rund 300 Kirpis an andere Regierungen auf der Kundenliste. „Unsere nächsten Zielmärkte sind der Nahe Osten, Zentralasien, Südafrika und Europa“, sagte ein Manager des Unternehmens. In der Türkei versuchen BMC und seine Partner, einen milliardenschweren Vertrag von der türkischen Regierung für die Serienproduktion eines Kampfpanzers der neuesten Generation zu gewinnen. Der heimisch entwickelte Altay-Panzer ist der erste seiner Art in der Türkei. Insgesamt sollen 1.000 Panzer ausgeliefert werden. Die Prototypen des Altays wurden von Otokar, einem rivalisierenden türkischen Panzerhersteller, gebaut. Im Januar 2016 reichte Otokar ein Angebot für die eigene Serienproduktion ein. Die Beschaffungsbehörden forderten das Unternehmen daraufhin auf, ein sein „bestes und letztes Angebot“ vorzulegen. Dieses wurde laut einem Bericht des militärischen Fachmagazins „Defense News“ im September eingereicht. Dieses Jahr werden die türkischen Behörden entscheiden, ob Otokar als einzelnes Unternehmen oder mehrere Unternehmen, einschließlich BMC beziehungsweise RBSS und damit Rheinmetall, den Auftrag erhalten werden. „RBSS versucht in der Rüstungsindustrie, eine echte Marke mit Nachhaltigkeit zu werden. Es gibt viele Gründe, warum sie es schaffen könnten“, zitierte der türkische Rüstungsexperte Burak Ege Bekdil einen anonymen Türkei-Spezialisten mit Sitz in London.  

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Erschienen bei unserem Kooperationspartner Eurasianews

Kampf gegen den Terror
Türkei: Regierung droht mit Schließung des Luftwaffenstützpunkts Incirlik

Ankara (nex) – „Türkei hat das Recht Incirlik zu schließen“, sagte der türkische Präsidentensprecher Ibrahim Kalin am Donnerstag gegenüber dem türkischen TV-Sender TV24.

Die Türkei habe immer das Recht, werde aber zuerst die Bedingungen auswerten, fügte Kalin hinzu. Als souveräner Staat sei es das Recht der Türkei die Nutzung des Luftwaffenstützpunktes jederzeit einzuschränken.

Die Türkei habe der US-Regierung wiederholt mitgeteilt, dass sie im Kampf gegen die Terror-Miliz IS nicht ausreichend unterstützt werde und die volle Unterstützung bei der Vertreibung der IS-Terroristen aus al-Bab erwarte.

„Die Türkei wird die Bildung eines Terror-Korridors in der Region unter keinen Umständen erlauben“, so Kalin weiter.

Wie der türkische Außenminister Cavusoglu am Mittwoch gegenüber den Medien sagte, wundere sich die türkische Bevölkerung über die Präsenz der US-Amerikaner am Luftwaffenstützpunkt Incirlik, wo sie die Türkei bei der „für uns wichtigsten Operation“ ohnehin nicht unterstützten. Die USA seien dennoch weiter ein wichtiger Verbündeter.

Koalitionssprecher John Dorrian entgegnete auf Cavusoglus Äußerungen, dass Incirlik für den Kampf gegen den IS von unschätzbarem Wert sei.

„Die ganze Welt wurde dank den von hier aus durchgeführten Operationen sicherer gemacht“, fuhr Dorrian fort und fügte hinzu: „Dies ist ein sehr wichtiger Stützpunkt für die Koalition und den andauernden Kampf gegen den IS (Daesh).“

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Terrorismus
Türkei: Hochrangiger PKK-Terrorist bei Fluchtversuch an bulgarischer Grenze gefasst

Istanbul (nex) – Ein hochrangiges Mitglied der Terrororganisation PKK wurde am heutigen Donnerstag in der westtürkischen Provinz Edirne beim Versuch, gemeinsam mit illegalen Migranten die Grenze zwischen der Türkei und Bulgarien zu passieren, gefasst. Der Terrorist mit dem Codenamen Piling, der seit 1999 bei der PKK aktiv war und 2010 nach Syrien ging, um sich den YPG – dem bewaffneten Arm des syrischen PKK-Ablegers PYD – anzuschließen, habe Berichten zufolge seinerzeit vom Kandilgebirge aus für einen Anschlag den Befehl gegeben, bei dem viele Sicherheitskräfte getötet worden waren. Anti-Terror-Einheiten der Polizei starteten nach einem Hinweis auf Pilings Anwesenheit in Edirne einen Einsatz in der Nähe des türkisch-bulgarischen Grenzübergangs Kapikule und fassten den PKK-Terroristen bei dessen Versuch, die Grenze unter Flüchtlingen zu passieren. Die PKK wird von der Türkei, den USA und der EU als eine Terrororganisation eingestuft. Sie hat im Juli vergangenen Jahres ihren 30-jährigen Kampf gegen den türkischen Staat wiederaufgenommen, bei dem bislang über 800 Sicherheitskräfte und über 300 Zivilisten ihr Leben verloren haben sowie über 4.000 Sicherheitskräfte und über 2.000 Zivilisten verletzt worden sind. Seitdem wurden im Zuge von Anti-Terror-Einsätzen über 10.000 PKK-Terroristen tot oder lebendig gefasst und etwa 5.500 Waffen, Munition, 142 Tonnen Sprengsätze sowie 15.000 Bomben konfisziert.

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