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Epstein-Akten
Epstein-Akten: „Erdoğan reinigt das Militär von israel-freundlichen Kräften“

Washington – Brisante neue Enthüllungen aus den über 3 Millionen freigegebenen Jeffrey-Epstein-Akten des US-Justizministeriums: In geheimen Korrespondenzen des Epstein-Netzwerks wird detailliert analysiert, wie der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan das türkische Militär umbaut. Wörtlich heißt es in den Dokumenten, Erdoğan „reinigt das türkische Militär von denjenigen, die gut mit Israel zusammenarbeiten“. Die Akten werfen ein völlig neues Licht auf die geopolitische Spionage-Rolle des pädophilen Multimillionärs und seiner hochrangigen Kontakte. Die Ende Januar 2026 entsiegelten Dossiers belegen, dass die Militärstrategie von Präsident Erdoğan und das Verhältnis der Türkei zu Israel ein zentrales Thema in den diplomatischen Zirkeln rund um Jeffrey Epstein waren. Die Korrespondenzen, die unter anderem aus dem Umfeld hoher europäischer Funktionäre stammen, skizzieren eine gezielte Abkehr Ankaras von der einst engen militärischen Kooperation mit Tel Aviv.

Netanyahu-Abneigung und strategische Neuausrichtung

Die Akten zitieren Beobachtungen, wonach Erdoğan gegenüber der „diplomatisch unfähigen Netanyahu-Regierung“ eine tiefe Abneigung hege. In den Berichten, die Epstein offenbar als Teil eines informellen Informationsnetzwerks sammelte, wird die diplomatische Lage Israels als „prekär“ bezeichnet, während der Türkei eine erfolgreiche Rolle als Ordnungsmacht im Nahen Osten attestiert wird.

Mavi Vatan: Marine-Aktivitäten als Unruheherd

Neben der Personalpolitik im Militär thematisieren die Epstein-Files auch die türkische Marine-Strategie im östlichen Mittelmeer. Die Manöver der Türkei in der Nähe der Gasfelder vor Zypern werden in den diplomatischen Depeschen als „hochgradig belastend“ für die westliche Allianz beschrieben. Diese Dokumente erhärten den Verdacht, dass Epsteins Kontakte weit über kriminelle Aktivitäten hinausgingen und sein Zirkel dazu diente, sensible Informationen über Staats- und Regierungschefs wie Erdoğan zu sammeln und zu bewerten.

Vom NATO-Partner zum globalen Powerhouse

Was in den Epstein-Files als „nervenaufreibende“ Veränderung für westliche Kreise beschrieben wird, spiegelt die tatsächliche Transformation der Türkei in den letzten zwei Jahrzehnten wider. Nach einer Phase der jahrzehntelangen, weitgehend selbst gewählten Isolation hat sich das Land zu einem globalen Akteur entwickelt. Die Türkei agiert heute als souveräne Macht, die ihren Einflussbereich weit über die regionalen Grenzen hinaus ausgedehnt hat. Ob als stabilisierender Vermittler auf dem Balkan, als zentraler Partner in weiten Teilen Afrikas oder durch eine verstärkte diplomatische und wirtschaftliche Präsenz in Südamerika: Ankara hat seinen strategischen Spielraum systematisch erweitert. Diese neue globale Rolle wird von einer wirtschaftlichen Dynamik getragen, die die Türkei trotz globaler Herausforderungen zu einem regionalen „Powerhouse“ gemacht hat, das verstärkt auf eigene Ressourcen, neue Handelswege und wirtschaftliche Autarkie setzt.

Rüstungsindustrie als Motor der Souveränität

Ein entscheidender Pfeiler dieser neuen Unabhängigkeit, die in den Epstein-Dokumenten kritisch analysiert wurde, ist der rasante Aufstieg der heimischen Rüstungsindustrie. In den letzten 20 Jahren hat die Türkei ihre Abhängigkeit von ausländischen Militärimporten drastisch reduziert – von einst ca. 80 % auf mittlerweile rund 20 %. Die Entwicklung eigener hochmoderner Waffensysteme, wie der weltweit gefragten Bayraktar-Drohnen, des Kampfpanzers Altay oder des nationalen Kampfflugzeugs KAAN, hat der türkischen Diplomatie eine neue strategische Tiefe verliehen. Die in den Akten erwähnte „Säuberung“ von israel-freundlichen Netzwerken im Militär erscheint vor diesem Hintergrund als konsequenter Schritt einer Strategie, die auf nationale Souveränität und technologische Selbstständigkeit setzt. Die Veröffentlichung dieser Akten verdeutlicht, dass Epsteins Zirkel offenbar auch dazu genutzt wurde, sensible geopolitische Analysen über aufstrebende Mächte wie die Türkei zu sammeln.

NEX24-Interview
Politanalystin Rena Netjes: Die PKK repräsentiert nicht die Kurden

Obwohl zahlreiche Menschenrechtsorganisationen, wie Human Rights Watch, der  Terrororganisation PKK Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen auch unter der kurdischen Bevölkerung vorwerfen, wird in den europäischen Medien kaum darüber berichtet. Ein Beispiel ist die Zwangsrekrutierung von Minderjährigen.

Aber auch assyrische Christen und Aramäer sind frustriert in Bezug auf die Medienberichterstattung über die PKK und ihrem syrischen Ableger, die YPG. Die Berichte spiegelten meist nicht die Realität wider. Jeder, der Fragen stellt oder Einwände erhebt, werde „in Europa ignoriert“. Der assyrische Journalist Dikran Ego etwa, Chefredakteur von Assyria TV, sagte in einem Interview: „Westliche Medien lassen keine kritischen Fragen über die PKK oder die YPG zu.“

Morddrohungen wegen PKK-Kritik

Die renommierte niederländische Politanalystin, Rena Netjes, ist eine der wenigen Medienvertreter, die kritisch berichten und Verbrechen der Terrororganisation aufdecken. Hierfür erhielt sie bereits zahlreiche Morddrohungen. „Ich zahle einen Preis dafür, dass ich die Propaganda der PYD entlarve“, so Netjes auf Twitter.

Die YPG wird als bewaffneter Arm der kurdisch-syrischen Partei der Demokratischen Union (PYD) betrachtet. Die PYD ist eine kurdische Partei in Syrien und gilt als Schwesterpartei der PKK. Sie kooperiert mit dem Regime in Damaskus.

Laut Netjes habe die PYD bei zahlreichen Niederschlagungen von Protesten gegen das Regime eine Rolle gespielt. Netjes betont, dass jede Kritik am Regime mit Unterdrückung, Verhaftung oder Ermordung verbunden sei. Ferner war die PYD daran beteiligt, die syrische Metropole Aleppo, die von syrischen Oppositionskräften kontrolliert wurde, zu erobern und damit dem Regime einen entscheidenden Vorteil zu bescheren.

Netjes ist studierte Arabistin und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Fragen der Staatsführung und Sicherheit in Nordsyrien. Netjes befürwortet eine militärische Intervention und Befreiung Tal Rifaats von der YPG durch die Türkei. „Das Engagement der türkischen Streitkräfte in Nordsyrien könnte Tausenden von Syrern die Rückkehr in ihre Heimat ermöglichen, nachdem sie von der YPG vertrieben wurden“, schreibt Netjes in einem Artikel, der auf der Seite des Washington Instituts erschien.

Im Westen gibt es starken Widerstand gegen eine neu geplante Militäroperation der türkisch-syrischen Nationalarmee (SNA) im Norden Syriens. Doch viele vertriebene Araber aus Tal Rifaat, Manbij und den umliegenden Dörfern begrüßen die Idee der Befreiung ihrer Städte und Dörfer. Tatsächlich fordern sie die von der Türkei unterstützte SNA schon seit Jahren auf, ihr Gebiet zu befreien.

Netjes: „Im Jahr 2016 wurde die gesamte arabische Bevölkerung in Tal Rifaat, einer historisch mehrheitlich arabischen Stadt auf der Westseite des Euphrat, in einer koordinierten Militäroperation von Russland, dem syrischen Regime und Kämpfern der Volksverteidigungseinheiten (YPG) aus Afrin vertrieben.“

„Handlanger, Rebell, Demokrat, Terrorist“

In ihrem umfassenden Bericht „Henchman, Rebel, Democrat, Terrorist“ (Handlanger, Rebell, Demokrat, Terrorist) gemeinsam mit Erwin van Veen, behandelt Netjes das Erstarken, die Ziele und organische Verbindung der YPG zur PKK in Nordsyrien. Dabei decken die beiden Experten die strategisch wechselnde Allianz der YPG mit dem Assad-Regime, dem iranischen Mullah-Regime, der russischen Führung sowie den USA auf.

In ihrem Bericht zeigen sie differenziert auf, welche unterschiedliche geostrategische Politik die Regierungen in Nordsyrien verfolgen. Auch begangene Kriegsverbrechen der Organisation bleiben nicht unerwähnt. Zum Schluss zeigt der Bericht anhand von Szenarien auf, wie brüchig die gewaltsam erreichte Autonomie ist.

„Sie versuchen, uns zum Schweigen zu bringen“

In einem Interview mit NEX24 erklärt die Expertin, dass sie in einigen Medien über die PKK/YPG zwar relativ frei berichten könne, hinter den Kulissen jedoch auch schon eingeschüchtert wurde.

„Mein Kollege Jan Jaap de Ruiter und ich wurden hinter den Kulissen von Nederlands Nieuwsuur und Trouw ziemlich eingeschüchtert. Sie versuchen, uns zum Schweigen zu bringen“, so Netjes.

Da ich mich seit 2016 mit dem Thema beschäftige, fühle ich mich wohl genug, um über das Schlechte und das Gute zu schreiben, wie ich es vor Ort und nach zahlreichen Interviews mit hauptsächlich syrischen Kurden und auch Assyrern, Arabern, Turkmenen, Jesiden, Tscherkessen tue.

„Überwältigenden Propagandamaschinerie“

Die niederländische Forscherin stimmt dem assyrischen Journalisten Dikran Ego zu. Das Bild der Terrororganisation sei im Westen von ihrer „überwältigenden Propagandamaschinerie und von der mangelnden Kenntnis des Terrains einiger aber nicht aller, westlicher Journalisten und Politiker geprägt“.

Ich selbst begann, mir ein anderes Bild von der YPG zu machen, als ich es aus den westlichen Medien kannte, nachdem ich ganz andere Geschichten von Einheimischen gehört hatte, die aus Nordsyrien geflohen waren. Im März 2016 traf ich mehrere Syrer, die aus Tal Rifaat und Umgebung geflohen waren und die Grenze am Grenzübergang Bab al-Salama, einige Kilometer nördlich von Azaz, überquerten. In der anfänglichen Annahme, dass sie vor den russischen und regimetreuen Bombenangriffen aus Ost-Aleppo fliehen, war es überraschend zu erfahren, dass sie flohen, weil „YPG-Kämpfer ihre Häuser eingenommen hatten“. Später an der Grenze und in Kilis sowie Gaziantep, erzählten andere Flüchtlinge viele ähnliche dramatische Geschichten.

Netjes finde zwar neue Plattformen, aber sie bestätige, dass die allgemeine Medienberichterstattung im Westen im Einklang mit der PKK-Propaganda sei. Netjes erwähnt etwa die Assoziierung der PKK und der YPG mit „den Kurden“.

Nach jahrelangen Recherchen und Gesprächen mit syrischen Kurden wisse sie, dass die ständige Behauptung der YPG, die Repräsentanten der Kurden zu sein, überhaupt nicht stimme. Die syrischen Kurden sähen sich in erster Linie als Syrer, als syrische Staatsbürger mit kurdischen Wurzeln. Sie seien auch nicht empfänglich für PKK-Propaganda und die zwangsweise angesetzte Wehrpflicht der YPG lehnten sie im Grunde ab.

„Die meisten syrischen Kurden wollen auch keinen eigenen Staat, denn die syrischen Kurden leben hauptsächlich in drei Enklaven im Norden: im nördlichen Teil der Provinz Hasaka, in Kobani und in Afrin. Andere Teile Nordsyriens sind arabisch (turkmenische Gebiete) und kurdische Gebiete nicht groß genug für einen eigenen Staat. Daher wollten sie große Teile der nicht-kurdischen Gebiete zwischen Afrin und Kobani sowie zwischen Kobani und Ras al-Ayn beherrschen. Die YPG beherrscht momentan nicht-kurdische Gebiete wie Tal Rifaat, Manbij, Raqqa und Deir Ezzor“, so Netjes.

Netjes in einem Interview mit dem kurdischen Führer Ahmad Misto. Er habe vier Attentatsversuche der PKK überlebt. (Foto: Screenshot/Twitter)

 

Die „andere Seite der YPG“

Die YPG habe zwar gegen den IS gekämpft, die Organisation habe jedoch noch eine weitere, im Westen unbekannte Seite.

Netjes: „Am problematischsten ist vielleicht die anhaltende Entführung von Minderjährigen, Mädchen und Jungen, Kurden, Assyrern und Jesiden. Sogar jenseits der Grenze habe ich zwei Teenager interviewt, die gerade von einer Entführung aus der Südtürkei nach Syrien zurückgekehrt waren. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele im Westen davon nichts wissen oder es nicht glauben. Anders die niederländischen und amerikanischen Diplomaten. Für die Niederländer war dies schon immer ein Grund, sie (die YPG, Anm. Red.) nicht zu unterstützen, was einige niederländische politische Parteien verärgerte.

Ein weiterer problematischer Punkt ist die Zwangsverpflichtung in die Armee und der PKK-Lehrplan, der weder von Universitäten noch von internationalen Organisationen anerkannt wird, sodass es keine Chance gibt, damit an die Universität zu gehen. Dies sind Gründe, die vor allem junge Menschen dazu veranlassen, das Gebiet zu verlassen.

In der kurdischen Region des Irak gibt es etwa 250.000 syrische Flüchtlinge, die meisten von ihnen sind Kurden. Und es gibt auch, und das ist viel weniger bekannt, nach Angaben des syrisch-kurdischen Politikers und Forschers Bedir Mulla, etwa 400.000 syrische Kurden in der Türkei, hauptsächlich in der Südtürkei, die vor dem IS, aber auch vor der syrischen PKK geflohen sind.

Diese Menschen kehren nicht zurück. Außerdem lassen sie Oppositionspolitiker nicht frei arbeiten, einige wurden sogar von PKK-Kämpfern getötet, wie Mashal Tammo, Nasredine Burheik und mehrere andere.

Andere wurden inhaftiert oder sind unter Todesdrohungen geflohen, wie die KNC-Führer Abdel Hakim al-Bashar und Ibrahim Biro. Sie lassen keine freien Medien zu, auch keine westlichen oder arabischen Medien oder Forscher, die sich kritisch geäußert haben. Die meisten machen dies jedoch nicht öffentlich, wahrscheinlich in der Hoffnung, wieder Zugang zu erhalten.

In Afrin haben sie viele Kurden an das Assad-Regime ausgeliefert. Nur wenige haben es raus geschafft. Sie schließen assyrische christliche Schulen, weil sie wollen, dass sie den Lehrplan der PKK anwenden. Kurzum, sie regieren Hasaka und die Provinz Kobani – und davor Afrin -, insbesondere die kurdischen Gebiete, mit eiserner Faust.

Das können sie nicht in allen arabischen Gebieten tun, weil die Stämme das einfach nicht zulassen würden. Hinzu kommt, dass derzeit etwa 70 Prozent der von der YPG beherrschten Gebiete arabische Gebiete sind, die sich selbst regieren wollen und nicht wollen, dass der Reichtum, wie etwa Öl, aus ihren Gebieten genommen und ein Teil davon an das Regime verkauft wird.“

„Die Mehrheit der syrischen Kurden mag die PYD nicht“

In ihren Berichten betont Netjes immer wieder, dass die Mehrheit der kurdischen Bevölkerung eine Regierung durch die PYD ablehnt:

„Kurz gesagt, die von der PYD kontrollierten Gebiete sind besser als die Gebiete des Regimes, aber aus den oben genannten Gründen und wegen der extrem schlechten wirtschaftlichen Lage verlassen die Menschen auch diese Gebiete. Nun mag die Mehrheit der syrischen Kurden die PYD nicht, sie sehen sie als ein gewalttätiges Regime, aber sie haben jetzt auch ihre schlechten Erfahrungen mit einigen SNA-Brigaden* gemacht, die nicht ihre Kinder, sondern ihr Geld stehlen. Das ist sehr bedauerlich.

Ein Unterschied ist jedoch, dass ungefähr die Hälfte der Kurden, die 2018 zunächst vor der türkischen Militäroperation geflohen waren, mittlerweile wieder nach Afrin zurückgekehrt sind. Sie hatten eine ‚Dschihadisten-Invasion‘ befürchtet. Aber Araber, die aus den von der YPG gehaltenen Gebieten geflohen sind, können nicht zurückkehren, zum Beispiel die Bevölkerung von Tal Rifaat.

Die Situation in Afrin ist gemischt, einige Teile sind gut, einige Teile sind mittelmäßig und andere sind schlecht. Und leider lässt die PYD afrinische Kurden, die in das Gebiet von Tal Rifaat zurückkehren wollen, nur nach Zahlung hoher Summen zurückkehren“, betont die niederländische Analystin.

„Mütter von Diyarbakir“

Seit Jahren sitzen Eltern kurdischer Herkunft vor dem Parteigebäude der oppositionellen HDP und beschuldigen die Partei, mit Hilfe der PKK „ihre Kinder zu entführen“. Weder die HDP noch die PKK sprächen für die Kurden, erklärt Netjes.

Nein, ich würde eher sagen, sie schaden der kurdischen Sache, vor allem in Syrien. Sie sprechen für sich selbst und präsentieren sich im Westen als die Stimme der Kurden, was viele westliche Politiker und Medien nicht ausreichend verstehen und darauf hereinfallen.

Wegen Ihrer PKK-kritischen Berichterstattung wurde die renommierte Expertin von mutmaßlichen Mitgliedern oder Sympathisanten der Terrororganisation mit dem Tode bedroht. Netjes betont, wie wichtig es sei, trotzdem weiter zu machen und sich nicht einschüchtern zu lassen.

Sie haben sich selbst entlarvt und zeigen, dass die Arbeit, die ich mache, notwendig ist. Ich werde weitermachen. Was ich erlebe, ist wenig im Vergleich zu dem, was viele syrische Kurden, Assyrer und Araber erleben. In Syrien, aber auch in Europa.


*Die Syrische Nationale Armee (SNA), war der Vorgänger der Freien Syrischen Armee (FSA), auch bekannt als die von der Türkei unterstützte Freie Syrische Armee (TFSA). Sie ist eine Koalition bewaffneter syrischer Oppositionsgruppen im syrischen Bürgerkrieg. Sie setzt sich aus verschiedenen Rebellengruppen zusammen, die zu Beginn des Krieges im Juli 2011 entstanden sind. Seit 2017 wird die FSA offiziell von der Türkei unterstützt, die dadurch finanzielle Mittel, Ausbildung und militärische Unterstützung erhält.


Zum Thema

– Berlin –
Kurdische Mutter: Die PKK tötet unsere Kinder

Nach vielen Jahrzehnten der Angst und Drohungen sowie Einschüchterungen der PKK, trauen sich immer mehr Kurdischstämmige gegen die Terrororganisation offen Stellung zu beziehen.

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Elders Wiederwahl
USA: Muslimische Richterin Charlene Elder wiedergewählt

Detroit – Die US-Zwischenwahlen brachten nicht nur in den Parlamenten auf Bundes- und Staatsebene bedeutende Siege für muslimische Kandidaten wie Abdul El-Sayed in Michigan, Adam Hamawy in New Jersey oder Nabeela Syed in Illinois. Auch im Justizsystem der Vereinigten Staaten wurde ein historischer Meilenstein fortgesetzt: Die Demokratin Charlene Mekled Elder wurde bei den Midterms als Richterin am 3rd Circuit Court im Wayne County des Bundesstaates Michigan im Amt bestätigt.

Elder nimmt in der US-amerikanischen Rechtsgeschichte eine wegweisende Rolle ein. Sie gilt historisch als die erste arabisch-amerikanische Frau muslimischen Glaubens, die in den USA ein Richteramt an einem übergeordneten staatlichen Verhandlungsgericht („High Court“ beziehungsweise Circuit Court) angetreten hat.

Zudem war sie bei ihrem Amtsantritt die erste Richterin in ihrem Gerichtsbezirk, die fließend Arabisch sprach. Ihre Laufbahn auf dieser Ebene begann im Januar 2006, nachdem sie Ende 2005 von der damaligen Gouverneurin Jennifer Granholm ernannt worden war. In den darauffolgenden Wahlen der Jahre 2006, 2008, 2014 und 2020 wurde sie von den Wählerinnen und Wählern in Michigan jeweils souverän im Amt bestätigt.

Vor ihrer Berufung an das übergeordnete Verhandlungsgericht war Elder ab 2003 bereits als Schlichterin („Magistrate“) am 19. Distriktsgericht tätig. Am 3rd Circuit Court arbeitet sie schwerpunktmäßig in der Abteilung für Familienrecht (Family Division / Domestic Relations).

Neben ihrer täglichen Arbeit auf der Richterbank gehörte sie zu den Mitbegründerinnen des Solution Oriented Domestic Violence Prevention Court im Wayne County – einem spezialisierten Gerichtsmodell, das darauf abzielt, Opfer von häuslicher Gewalt umfassend zu unterstützen und präventive Maßnahmen strukturiert umzusetzen. Darüber hinaus engagiert sie sich seit vielen Jahren im Vorstand des Arab Community Center for Economic and Social Services (ACCESS).

Hintergrund und Ausbildung

Charlene Mekled Elder wuchs im Großraum Detroit in Michigan auf und hat libanesische Wurzeln. Ihren Bachelor-Abschluss in Englisch und Psychologie absolvierte sie an der University of Michigan-Dearborn, gefolgt vom Jurastudium am Detroit College of Law, das sie 1995 erfolgreich abschloss.

Ihr Weg ins Richteramt war von großem persönlichem Einsatz geprägt: Ihr erstes Kind brachte sie während des Studiums zur Welt, ihr zweites nur eine Woche nach dem juristischen Staatsexamen. Als Mutter von vier Kindern arbeitete sie zunächst jahrelang als selbstständige Rechtsanwältin für Verbraucherschutz und Zivilrecht. In Interviews betont Elder regelmäßig, dass ihr Werdegang anderen Frauen als Mutmacher dienen soll, berufliche Ambitionen im Justizwesen mit Familienleben und Identität zu verbinden.

Elders erneuter Wahlerfolg fügt sich in ein Wahljahr ein, in dem die politische Repräsentation muslimischer Amerikaner stark an Bedeutung gewonnen hat. Während Vertreter wie Abdul El-Sayed als erster muslimischer US-Senator für Michigan, Adam Hamawy im US-Repräsentantenhaus für New Jersey und Nabeela Syed im Staatssenat von Illinois historische Siege feierten, steht Elders Amtserhalt für die langfristige Verankerung muslimischer Amtsträger in der Judikative. Ihre Wiederwahl zeigt, dass der Weg, den Elder vor über zwei Jahrzehnten als Pionierin geebnet hat, heute ein etablierter Bestandteil des demokratischen Institutionengefüges der USA ist.

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Gastkommentar
Bölge: Rassismus in der Mitte der Gesellschaft

Ein Gastkommentar von Kemal Bölge

Wenn ein hessischer Minister Menschen mit Migrationshintergrund wegen ihrer Sprache verhöhnt, ist das mehr als ein politischer Fehltritt.

Vor ein paar Tagen hat der hessische Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Manfred Pentz, auf Instagram den Volt-Politiker Sahak Ibrahimkhil mit gebrochenem Deutsch verhöhnt. Auslöser waren die Ausschreitungen in Frankfurt, die der CDU-Politiker als „migrantische Gewalt“ bezeichnet hatte. Diese Äußerung wurde vom Volt-Politiker Ibrahimkhil scharf kritisiert. Pentz antwortete daraufhin: „Warum Du so sprechen..?!“ und fügte hinzu: „Ich nix sprechen, ich schreiben.“

Beim rassistischen Nachäffen von Menschen mit Migrationshintergrund durch bewusst grammatikalisch falsches und vereinfachtes Deutsch handelt es sich um eine Form des Alltagsrassismus. Dabei wird von der Sprachkompetenz einer Person auf deren Intelligenz, sozialen Status und persönlichen Wert geschlossen.

Durch dieses Nachäffen grenzt sich die diskriminierende Person (der Muttersprachler) vom Opfer ab. Es entsteht ein „Wir gegen die Anderen“. Damit soll Überlegenheit demonstriert werden, um die betroffene Person herabzuwürdigen.

Doch Manfred Pentz ist nicht irgendjemand, sondern der hessische Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten. Er vertritt Hessen nach außen, in Europa und anderswo. Mit dieser rassistischen Entgleisung hat er sich selbst disqualifiziert. Herr Pentz hat mit seinen Äußerungen rassistische Stereotype bedient.

Der hessische Ministerpräsident Boris Rhein hat vor wenigen Wochen die Brandmauer gegen die AfD kritisiert und sie als „unchristlich“ bezeichnet. Dabei war es kein Geringerer als er selbst, der die Brandmauer gegen die Rechtsextremisten verteidigt hatte. Nach dem Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt forderte er, dass die AfD in den Parlamenten nicht ausgegrenzt werden dürfe. Nach dieser Logik ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die hessische CDU mit der AfD koaliert.

Die hessische CDU stand schon immer eher rechts. Man denke nur an die rassistische Unterschriftenkampagne von Roland Koch gegen die doppelte Staatsbürgerschaft. Manch einer dachte damals: „Wo kann ich hier gegen Ausländer unterschreiben?“

Was sagt uns all das? Rassistische und herabwürdigende Äußerungen gegen Migrantinnen und Migranten haben stark zugenommen. Doch von einem hessischen Europaminister eine derart zutiefst rassistische Äußerung zu hören, hat noch einmal eine andere Qualität. Rassismus ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen und ist en vogue.

Gute Nacht, Deutschland!


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


Zum Autor

Kemal Bölge, studierter Politologe und Historiker. Ressortleiter Balkan bei der Forschungseinrichtung für Mezalim. Er schreibt zudem als freier Autor für verschiedene Online-Publikationen. Seine Schwerpunkte sind die Außen- und Sicherheitspolitik, insbesondere die Beziehungen EU-Türkei, die zukünftige Struktur der NATO und die Außen- und Sicherheitspolitik der Türkei


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Iran-Konflikt
Israels UN-Botschafter: Angriff auf Iran ging von den USA aus

New York – Nach der Wahlniederlage der Republikaner bei den Zwischenwahlen hat US-Vizepräsident JD Vance den Iran-Krieg als Grund genannt: „Der Grund, warum wir verloren haben, ist der Krieg“, schrieb er. Kritiker in den USA machen Israel für den Krieg mitverantwortlich, Vance nannte unter vier Wählerthemen auch ein verändertes Verhältnis zu Israel.

Nun weist Israels UN-Botschafter Danny Danon die Verantwortung zurück und verweist auf die USA. Der Angriff auf den Iran sei „die Entscheidung der Vereinigten Staaten“ gewesen.

Danon sagte dem israelischen Sender i24NEWS: „Die Entscheidung, den Iran anzugreifen, war die Entscheidung der Vereinigten Staaten. Es war nicht unsere Entscheidung.“ Israel habe die Bemühungen der USA unterstützt und halte sie für „die richtige Entscheidung“. Er sagte außerdem: „Es ist sehr einfach, immer Israel für alles die Schuld zu geben, aber das ist nicht der Fall.“

Vances Aussage nach der Wahl

Vance hatte nach den Zwischenwahlen vom 3. November geschrieben, die Republikaner hätten nicht einfach verloren, weil ihre Anhänger nicht wählen gingen. Wähler, die 2024 das Ticket aus Donald Trump und ihm gewählt hätten, seien zur anderen Seite gewechselt. Als Gründe nannte er vier Anliegen: ein Ende des Iran-Krieges, die Lebenshaltungskosten, einen „America First“-Kurs und eine Veränderung im Verhältnis Washingtons zu Israel. Trump nannte Vances Einschätzung am Mittwoch „weitgehend zutreffend“.

Schon im Juli hatte Vance im Podcast von Joe Rogan gesagt, er wisse „ohne jeden Zweifel“, dass es Leute in der israelischen Regierung gebe, die die US-Politik verändern wollten. Einige israelische Vertreter versuchten, die öffentliche Meinung in den USA zu beeinflussen, „um den Krieg unbegrenzt am Laufen zu halten“. Auf die Frage, ob Trump den Militäreinsatz ohne israelischen Einfluss fortgesetzt hätte, antwortete er: „Ja. Das glaube ich.“

Preise und Kongress

Danon sagte, es sei „bedauerlich“, dass viele Menschen die steigenden Preise, vor allem die Ölpreise, mit „der Situation hier in Israel“ verbänden. Diesen Zusammenhang wies er zurück. Zur Lage nach der Wahl sagte er: „Es wird also schwerer für uns.“ Ein mögliches Abkommen zwischen den USA und dem Iran nannte er „eine Entscheidung, die der Präsident zu treffen hat“.

Berichte über Druck auf Trump

Kurz vor der Wahl hatte Axios berichtet, Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu dränge Trump, den Iran unmittelbar nach den Zwischenwahlen erneut anzugreifen. Trump bevorzuge dagegen, die Verhandlungen laufen zu lassen. Wie Iran International berichtet, wies Israels UN-Gesandter das zurück. Außenminister Marco Rubio sagte, Trump habe „noch keine Entscheidung getroffen“. Katarische Vermittler führten Gespräche in Teheran.

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Trump: Kein US-Einsatz gegen Iran ohne Netanjahu

US-Wahlen
Nach El-Sayed und Hamawy: Auch Muslimin Nabeela Syed siegt bei US-Wahlen

Springfield – Nach den Erfolgen von Abdul El-Sayed (US-Senat) und Adam Hamawy (US-Repräsentantenhaus) hat bei den Zwischenwahlen eine weitere Muslimin einen Sieg errungen: Die Demokratin Nabeela Syed hat den 26. Senatsdistrikt im Bundesstaat Illinois gewonnen. Die 27-Jährige setzte sich gegen die republikanische Amtsinhaberin Darby Hills durch und ist damit eine der jüngsten Senatorinnen in der Geschichte des Staatssenats von Illinois.

Syed sicherte sich nach vorläufigen Auszählungsergebnissen rund 57 Prozent der Stimmen und knüpfte damit an ihre bisherige politische Karriere an. Bereits 2022 sorgte die Politikerin mit indischen Wurzeln für Aufsehen, als sie im Alter von 23 Jahren als bislang jüngste Abgeordnete und eine der ersten muslimischen Frauen in das Repräsentantenhaus von Illinois gewählt wurde.

Vom Repräsentantenhaus in den Senat

Syed stammt aus Palatine im Nordwesten von Chicago und hat 2021 ihren Abschluss an der University of California in Berkeley gemacht. Ihre Eltern waren in den 1980er-Jahren aus Hyderabad in Indien nach Palatine gezogen, um ihrer Familie mehr Chancen zu bieten.

2022 gewann sie den 51. Distrikt, einen bis dahin republikanisch gehaltenen Bezirk, in dem sie geboren und aufgewachsen war. Im Wahlkampf klopfte sie an Türen, machte Selfies mit Wählern und teilte sie in sozialen Medien, ihre Eltern warben ebenfalls um Stimmen, auch bei langjährigen Republikanern.

„Wir haben hier Platz“, sagte sie damals. Über ihre Mutter sagte sie: „Meine Mutter sagte, wenn ich es nicht tue, wer dann?“ 2024 verteidigte sie ihren Sitz gegen den Republikaner Tosi Ufodike. Zuletzt vertrat sie als Abgeordnete aus Inverness den Wahlkreis in ihrer zweiten Amtszeit.

Die Gegnerin

Darby Hills ist Anwältin und frühere Staatsanwältin, war Treuhänderin in Barrington Hills und wurde 2021 zur „Mrs. Illinois America“ gekürt. Anfang 2025 rückte sie in den Senat nach, um die Amtszeit von Dan McConchie zu beenden, der für einen Job bei einer gemeinnützigen Organisation zurücktrat. Sie setzte im Wahlkampf auf öffentliche Sicherheit, besonders für Kinder, niedrigere Steuern und Ausgabenkontrolle. „Illinois hat kein Einnahmeproblem, es hat ein Ausgabenproblem“, sagte Hills.

Wahlkampf und Geld

Der 26. Senatsdistrikt liegt in den nordwestlichen Vororten Chicagos und umfasst Teile der Countys Cook, Lake, McHenry und Kane. Die Politikwissenschaftlerin Melissa Mouritsen vom College of DuPage nannte ihn eines der wenigen umkämpften Rennen dieses Zyklus.

Im September flossen laut WBEZ fast eine Million Dollar von der Demokratischen Partei Illinois und einem Komitee von Senatspräsident Don Harmon an Syed. Republikanische Komitees gaben Hills im selben Monat rund 80.000 Dollar, nachdem sie ihr im August bereits mehr als 300.000 Dollar überwiesen hatten. Beide Kandidatinnen wollten zudem mehr Leitplanken für den Bau von Rechenzentren.

Der Sieg von Syed gilt als weiteres Zeichen für den anhaltenden politischen Strukturwandel auf bundesstaatlicher Ebene. In ihrem Wahlkampf setzte sie vor allem auf Reformen im Bildungs- und Gesundheitswesen, bezahlbaren Wohnraum sowie gesellschaftliche Teilhabe. Mit ihrem Erfolg baut die Demokratische Partei ihre Mehrheit im Staatssenat von Illinois weiter aus. Vor der Wahl hielten die Demokraten 40 der 59 Sitze, die Republikaner 19.

Der Erfolg von Syed unterstreicht den Wandel bei den diesjährigen Zwischenwahlen, bei denen mehrere muslimische Kandidatinnen und Kandidaten entscheidende Mandate auf Bundes- und Staatsebene erringen konnten.

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Israelkritik
Spätes Statement zu Gaza: Musikmanager Louis Walsh kritisiert U2 und Bono scharf

Dublin – Der renommierte irische Musikmanager und TV-Juror Louis Walsh hat die Weltband U2 und ihren Frontmann Bono für ihr zweijähriges Schweigen zu den militärischen Handlungen Israels im Gazastreifen scharf verurteilt.

In der Sendung The Big Interview mit Colette Fitzpatrick auf Virgin Media Television zeigte sich Walsh verständnislos über die Zurückhaltung der Musiker. Da U2 in ihrer jahrzehntelangen Karriere stets als politisches Sprachrohr für Menschenrechte auftraten und regelmäßig die Nähe zu führenden Staatschefs weltweit suchten, sei es unerklärlich, dass die Gruppe zwei Jahre brauchte, um klar Position zu beziehen. Walsh betonte im Gespräch nachdrücklich, dass die Ereignisse und das Leid in Gaza live im Fernsehen zu sehen gewesen seien, während die meisten Menschen und einflussreichen Persönlichkeiten lediglich zugeschaut hätten.

Für erhebliche Diskussionen sorgte Walsh zudem mit seinem direkten Ratschlag an Nachwuchskünstler, sich mit politischen Äußerungen konsequent zurückzuhalten, solange sie in der Branche nicht fest etabliert sind. Seine Begründung, man kenne die Religion des jeweiligen Plattenbosses nicht und riskiere dadurch seine Karriere, brachte ihm umgehend scharfe Kritik ein. Branchenbeobachter warfen ihm vor, mit dieser Formulierung stereotype und problematische Tropen über die Machtverhältnisse in der Musikindustrie zu bedienen.

Walshs Vorwürfe stehen im Kultur- und Musikbereich keineswegs isoliert da. Insbesondere in Irland, wo die Bevölkerung und die Politik traditionell eine besonders starke Solidarität mit den Palästinensern pflegen, war die Erwartungshaltung an die bekannteste Band des Landes enorm hoch. Auch andere Künstler aus der Post-Punk-Szene, wie etwa die britische Band Shame, hatten etablierte Größen wie U2 oder Radiohead zuvor für unkonkrete, vage und verspätete Statements öffentlich kritisiert.

Gleichzeitig steigt der mediale und gesellschaftliche Druck auf Prominente durch neuartige digitale Netzwerkkampagnen. Unter Schlagworten wie der „Blockout-Bewegung“ oder der sogenannten „digital guillotine“ rufen Persönlichkeiten wie die populäre Kinder-Educatorin Ms Rachel auf Plattformen wie TikTok und Instagram dazu auf, Social-Media-Konten von Prominenten und Politikern konsequent zu deabonnieren und zu blockieren, wenn diese zur humanitären Krise in Gaza schweigen. Diese Bewegung verdeutlicht den grundlegenden Wandel im Verhältnis zwischen Stars und Öffentlichkeit: Das neutrale Heraushalten aus globalen Krisen wird von breiten Teilen des Publikums zunehmend als bewusste Positionierung gewertet.

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U2-Sänger Bono vergleicht Israels Minister Ben-Gvir mit Nazi-Funktionär Himmler

Reisen
Urlaub genießen, ohne jeden Tag Sehenswürdigkeiten abzuhaken

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Wer aus dem Urlaub müder zurückkehrt, als er losgefahren ist, hat meist zu viel geplant, getrieben vom Gedanken, man sei ja nur einmal hier und dürfe nichts verpassen.

Zwischen Museum, Aussichtspunkt und Altstadtrundgang bleibt kaum Zeit zum Durchatmen, und selbst abends, ob bei einem Buch, einem Kartenspiel oder einem Online-Angebot wie money moon casino (ab 18 Jahren und nur bei zugelassenen Anbietern), sollte Unterhaltung Entspannung sein und keine weitere Verpflichtung. Der folgende Drei-Zonen-Plan hilft, Urlaubstage so zu gestalten, dass Neugier und Erholung beide Platz haben, und er funktioniert in der Großstadt genauso wie am Strand oder in den Bergen.

Rote Zone: das Pflichtprogramm begrenzen

Die rote Zone umfasst die wenigen Dinge, die du wirklich sehen willst. Entscheide vor der Reise, welche ein oder zwei Programmpunkte pro Tag unverzichtbar sind, und streiche den Rest ohne schlechtes Gewissen. Wer jeden Tag fünf Stationen plant, sieht am Ende alles flüchtig und nichts bewusst.

Dahinter steckt ein bekanntes Phänomen: die Museumsmüdigkeit. Schon vor mehr als hundert Jahren beschrieben Forscher, dass Besucher nach einer gewissen Zeit weniger aufnehmen, selbst wenn die Ausstellung spannend ist. Ein früher Start, gebuchte Zeitfenster und eine klare Obergrenze helfen, die Highlights frisch zu erleben, statt sie abzuarbeiten.

Auch die Wege spielen eine Rolle: Fasse Programmpunkte nach Stadtvierteln zusammen, damit du nicht den halben Tag in Bus und Bahn verbringst, und prüfe vorab Öffnungszeiten und Ruhetage. Ein Stadtpass lohnt sich meist nur, wenn du wirklich viele der enthaltenen Orte besuchst.

Gelbe Zone: Flexibles, das du spontan wählst

In der gelben Zone liegen Aktivitäten, die du je nach Laune und Wetter entscheidest. Sie machen den Urlaub lebendig, weil sie nicht im Reiseführer stehen, sondern sich unterwegs ergeben. Typische Beispiele sind:

  • ein Wochenmarkt oder eine Markthalle, in der du dich treiben lässt;
  • ein Viertel abseits der Hauptstraßen, das du zu Fuß erkundest;
  • ein Café, in dem du eine Stunde lang Leute beobachtest;
  • ein kleines lokales Fest oder Konzert, von dem du zufällig erfährst.

Der Vorteil dieser Zone liegt in der Flexibilität: Regnet es, wechselst du ins Café, scheint die Sonne, gehst du an den Fluss. Du gibst dem Tag eine Richtung, aber keinen festen Fahrplan. Genau diese Offenheit erzeugt oft die Erinnerungen, die später am meisten zählen. Frag auch die Menschen vor Ort nach ihren Lieblingsplätzen: Die Empfehlung der Bäckerin oder des Zimmervermieters führt oft zu Orten, die in keinem Reiseführer stehen.

Grüne Zone: bewusst nichts tun

Die grüne Zone ist die wichtigste und die am häufigsten vergessene. Sie steht für Zeit ohne Programm: ein Vormittag am Pool, ein Mittagsschlaf, ein Spaziergang ohne Ziel, ein langes Frühstück. Wer sich diese Zeit erlaubt, kommt erholter zurück als jemand, der jede Minute gefüllt hat, und hat oft sogar mehr vom Ort gesehen, weil er aufmerksamer unterwegs war.

Das Nichtstun darf auch Planung enthalten: Reserviere dir pro Tag mindestens einen festen Block, in dem nichts vorgesehen ist, und teile ihn mit deinen Mitreisenden, damit alle wissen, dass er ein echter Termin ist. Dann entsteht kein Streit darüber, ob man „schon wieder“ nur herumsitzt, denn es ist Teil des Plans.

Auch ein Abend im Hotel oder in der Ferienwohnung gehört dazu. Besonders wichtig ist die grüne Zone bei Hitze, nach langen Anreisen oder mit Kindern und älteren Mitreisenden, denn Schlaf und Pausen entscheiden darüber, ob der nächste Tag Freude macht oder nur Kraft kostet.

Ein Beispieltag auf einen Blick

So kann ein Tag in einer Stadt aussehen, wenn alle drei Zonen Platz haben:

Tageszeit

Zone

Beispiel

Vormittag

Rot

Eine Hauptsehenswürdigkeit besuchen, früh starten

Mittag

Gelb

Markt oder Viertel erkunden, spontan essen

Nachmittag

Grün

Pause, Park oder Schwimmbad

Abend

Gelb oder Grün

Konzert, Spaziergang oder ruhiger Abend

Die Tabelle ist ein Beispiel und kein Gesetz, und du darfst die Reihenfolge der Zonen ganz nach deinem Rhythmus verschieben, wenn du etwa lieber spät aufstehst. Wichtig ist das Verhältnis: wenige feste Punkte, ein bisschen Spontanes und ausreichend Ruhe. Wer das einmal ausprobiert, merkt schnell, wie viel entspannter dieselbe Stadt wirkt. Du kannst die Zonen auch auf die ganze Reise übertragen: etwa ein bis zwei Pflichttage, mehrere flexible Tage und mindestens einen Tag, an dem du bewusst gar nichts vorhast.

Weniger abhaken, mehr erleben

Ein gelungener Urlaub bemisst sich nicht an der Zahl der besichtigten Orte, sondern daran, wie du dich nach der Rückkehr fühlst. Probiere beim nächsten Mal aus, jeden Tag nur einen Pflichttermin zu setzen, und gib den restlichen Stunden bewusst eine gelbe oder grüne Farbe. Schreibe am Abend auf, welcher Moment dir am besten gefallen hat: Meist war es nicht der geplante. Und falls du merkst, dass der Reiseplan wieder zu voll wird, streiche zuerst den Punkt, auf den du am wenigsten Lust hast, nicht den, der am teuersten war.

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Historischer Meilenstein in New Mexico: Deb Haaland wird erste indigene Gouverneurin der USA

Santa Fe / Washington – Bei den US-Gouverneurswahlen hat die Demokratin Deb Haaland Geschichte geschrieben. Die ehemalige US-Innenministerin setzte sich in New Mexico gegen den republikanischen Herausforderer Gregg Hull durch und wird damit als erste indigene Frau (Native American) das Amt einer Gouverneurin in der Geschichte der Vereinigten Staaten antreten.

Haaland, die dem Stamm der Laguna Pueblo angehört, schlug im Wahlkampf vor allem Töne für eine bezahlbare Gesundheitsversorgung, eine umfassende Reform des Kinderwohls sowie den konsequenten Schutz der Rechte Indigener an.

Der Wahlerfolg fügt sich in eine ganze Welle historischer Premieren bei dieser Election Night ein. Haaland selbst war bereits 2021 als erste indigene US-Kabinettsministerin in die Geschichte eingegangen. Nun erreicht sie auf Ebene der Bundesstaaten einen weiteren Meilenstein.

Gleichzeitig markiert diese Wahlperiode eine Reihe bedeutender Premieren für die Vertretung von Minderheiten. Neben Haaland zog mit Abdul El-Sayed in Michigan erstmals ein Muslim in den US-Senat in Washington ein. In New Jersey sicherte sich Dr. Adam Hamawy als erster Muslim des Bundesstaates einen Sitz im US-Repräsentantenhaus, während Nabeela Syed in Illinois den Einzug als erste muslimische Frau in den dortigen Landessenat schaffte.

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Anwerbeabkommen 1961
„Wir riefen Arbeitskräfte, und es kamen Menschen“

Ein Gastkommentar Özgür Çelik

Wer in diesem Land geboren wurde und trotzdem sein Leben lang gefragt wird, woher er „eigentlich“ kommt, der weiß: Geschichte beginnt nicht erst mit einem Datum im Kalender.

Am 30. Oktober 1961 unterschrieben Bonn und Ankara das Anwerbeabkommen. Dieses Jahr sind es 65 Jahre. Man wird wieder Reden halten, Fotos von Koffern zeigen und Kränze der Dankbarkeit niederlegen. Ich möchte etwas anderes tun: Ich möchte fragen, warum wir nach 65 Jahren noch immer über „die Türken“ sprechen, als seien wir gestern angekommen.

Um das zu verstehen, muss man weiter zurückgehen als bis 1961.

Der Reiter aus dem Osten

Die Begegnung beginnt noch viel früher, und sie beginnt nicht mit einem Vertrag, sondern mit Hufschlag. Im Jahr 451 standen die Reiter Attilas am Rhein, sie zogen bis tief nach Gallien und wurden erst auf den Katalaunischen Feldern gestoppt.

Ob die Hunnen ein türkisches Volk waren, ist unter Gelehrten bis heute nicht entschieden, denn ihre Sprache ist kaum überliefert, ein paar Namen, ein paar Wörter, vieles klingt vertraut in unseren Ohren. Entschieden ist etwas anderes: Das Gedächtnis der Deutschen hat nie sauber getrennt. Hunne, Tatar, Osmanen, Türke – das war ein einziges Wort für alles, was aus dem Osten kam und nicht um Erlaubnis fragte.

Wer genau hinhört, findet diese Reiter in den ältesten Geschichten des Landes. Im Nibelungenlied sitzt Kriemhild als Königin am Hof Etzels, und auch die Thidrekssaga erzählt von ihm. Etzel ist Attila, und er ist dort kein Teufel, sondern ein Herrscher, bei dem deutsche Helden Zuflucht finden.

In den Alpen und in der Steiermark erzählte man sich von weinenden Madonnen und von Schüssen, die Heiden vertrieben haben sollen, in Wien trägt eine Gasse bis heute den Namen Heidenschuss. In den Wiener Wäldern kennt man die Sagen von den Tataren und ihren Höhlen. Und jeden Mittag läutet in vielen Süddeutschen Orten die Glocke, die einst gegen die Türken läuten sollte. Wir haben das Wort „Türke“ in die Glöckchen und in die Gassen eingebaut, lange bevor irgendein Gastarbeiter einen Zug bestieg.

Das ist die erste Wahrheit dieser Geschichte: Wir waren nie fremd in der deutschen Vorstellung, wir waren immer schon darin, als Schrecken, als Held, als Spiegel. Man hat uns erfunden, bevor man uns kannte.

Die ersten Türken kamen in Ketten

Zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert kamen dann tatsächlich Türken nach Deutschland – nur fragte sie damals niemand, ob sie wollten. Die Türkenkriege hatten Gefangene hinterlassen, und diese Gefangenen wurden verteilt wie Kriegsbeute: nach Bayern, nach Franken, quer durch das ganze Reich. Man nannte sie Beutetürken. Das Wort sagt alles. Beute ist, was man nimmt, nicht, wen man einlädt.

Die Beweggründe waren ehrlich genug, um uns heute zu erschrecken: billige Arbeitskraft, Rachelust und, bei manchen, der fromme Ehrgeiz, dem Islam „Seelen zu entreißen“. Wer Muslim blieb, blieb Sklave. Er durfte nicht heiraten, keinen Beruf frei wählen, nicht aufsteigen. Der Ausweg hieß Taufe. Wer sich taufen ließ, die Sprache lernte, ein Handwerk ergriff und eine Frau aus der Umgebung heiratete, der war „drin“. So entstanden die sogenannten Türkentaufen, über die in alten Kirchenbüchern bis heute berichtet wird.

Man darf sich nichts vormachen: Das war keine Integration, das war Assimilation in Reinform, und sie war die Eintrittskarte zum Überleben. Wer als Einzelner, ohne Landsleute, ohne Gebetsraum, ohne eigene Sprache in einem fremden Dorf stand, hatte keine Wahl. Er verschwand in der Mehrheit, damit er überhaupt bleiben durfte.

Und doch ist an dieser Geschichte etwas, das ich nicht loswerde: Das Bild vom Türken war nie nur Hass. Die Leute fürchteten die Osmanen, das stimmt, schließlich standen sie vor Wien. Aber im selben Atemzug schrieb man in den damaligen Büchlein über uns, dass man vom Familienleben der Muslime lernen könne.

Und man nahm, was gut war, und machte es zu seinem eigenen: Speisen, Instrumente, Blumen, Wörter. Das Wort „Kiosk“ stammt von uns, der Joghurt, der Lack auch, und die Tulpe auf dem Fensterbrett ist eine eingewanderte Dame und so weiter. Schon damals galt: Das Exotische in kleiner Dosis reizt, erst die Menge erschreckt.

Merken Sie sich diesen Satz. Wir kommen darauf zurück.

Wir riefen Arbeitskräfte, und es kamen Menschen

Dann kam 1961. Dieses Mal fuhr niemand in Ketten, dieses Mal saßen die Männer im Zug, mit Pappkoffern und einer Rechnung im Kopf. Zwei, drei Jahre, so war der Plan. Ein bisschen Geld zurücklegen, ein Stück Land kaufen, eine Werkstatt eröffnen, ein Haus bauen, dann zurück ins Dorf, aufrecht und mit Ansehen.

Das Land, aus dem sie kamen, hatte ihnen wenig zu bieten: ein zerrissener Süden und Osten, Armut, Elendssiedlungen an den Rändern der Großstädte. Die neue Verfassung erlaubte plötzlich das Reisen, und Deutschland suchte händeringend Hände.

Die Deutschen planten genauso. Man sprach von einem Rotationsmodell: kommen, arbeiten, gehen, der Nächste bitte. Wer „Gast“ sagt, muss nichts versprechen. Ein Gast bekommt ein Bett im Werkswohnheim, aber keinen Schlüssel zum Haus. Dass diese Rechnung nicht aufging, merkten die Betriebe zuerst: Kein Unternehmer wollte den eingearbeiteten Mann nach zwei Jahren gegen einen Anfänger tauschen. Der Gast blieb. Aus zwei Jahren wurden zehn, aus zehn dreißig.

Ein kluger Schweizer hat das Ganze in einen Satz gepackt, den man jedem Politiker auf den Schreibtisch legen sollte: „Wir riefen Arbeitskräfte – und es kamen Menschen.“ Menschen, die Heimweh haben, Kinder bekommen, krank werden und alt.

Der Stopp, der aus Pendlern Bleiber machte

Im November 1973 zog die Bundesregierung die Reißleine: Anwerbestopp. Damals lebten bereits gut 900.000 Türken im Land. Der Gedanke dahinter war schlicht: Wenn keiner mehr kommt, gehen die, die da sind, irgendwann wieder. Das Gegenteil geschah.

Wer vorher pendelte, mit einem Bein hier und einem dort, konnte nun nicht mehr riskieren, zu gehen, denn zurück ging es nicht mehr. Also holten die Männer ihre Frauen und Kinder. Der Stopp, der die Zahl senken sollte, hat die Familien nach Deutschland gebracht.

Mit den Familien kam das, wofür niemand einen Plan hatte: Schulen ohne Konzept, Kindergärten ohne Dolmetscher, Behörden, die nicht wussten, wie man „Integration“ buchstabiert. Die Werkswohnheime wurden zu eng, die Familien suchten Wohnungen, und die fanden sie dort, wo kein Deutscher mehr wohnen wollte: in den Vierteln mit schlechter Bausubstanz. Später nannte man diese Viertel „Ghettos“ und klagte über Parallelgesellschaften. Wer sie gebaut hatte, ließ man dabei großzügig aus.

Und als sich 1983 herausstellte, dass das Land längst ein Einwanderungsland geworden war, was man weiterhin nicht zugeben wollte, bot die Regierung Geld zum Gehen an. Bis zu 10.500 Mark pro Erwachsenem, 1.500 pro Kind.

Großzügig klang das nur in den Ohren derer, die nicht wussten, dass es im Kern die eigenen eingezahlten Rentenbeiträge waren, die man den Leuten zurückgab, der Arbeitgeberanteil blieb hier, und wer ging, verzichtete auf alle weiteren Ansprüche. Hunderttausende nahmen es trotzdem an. Dass man uns zugleich nachsagte, wir seien nicht integrationsfähig in ein christlich geprägtes Land, hat mancher Vater damals auf dem Weg zum Bahnhof sehr genau gehört.

Die, die blieben, haben ein Leben lang doppelt gerechnet: Um hundert Prozent Anerkennung zu bekommen, mussten sie zweihundert Prozent leisten. Bei der Wohnungssuche, bei der Stellensuche, auf dem Amt. Der Rassismus stand nicht am Rand dieser Geschichte, er stand an jeder Tür.

Das Haus, das nie gebaut wurde

Was niemand erzählt: Das große Versprechen der Rückkehr ist nicht an mangelndem Willen gescheitert, sondern an der Wirklichkeit. Ersparnisse wurden von der Inflation gefressen. Kleine Betriebe gingen unter.

Die Arbeitnehmergesellschaften (wie in Köln), in denen Zehntausende Gastarbeiter gemeinsam Kapital sammelten, konnten ihre Ziele oft nicht erreichen. Der Traum vom Zurückkehren wurde immer weiter verschoben. Bis irgendwann der Zeitpunkt kam, an dem die Menschen merkten: Die Heimat, in die sie zurückkehren wollten, existierte nur noch in ihrer Erinnerung.

Und so haben wir uns auf Deutschland eingerichtet, Jahr für Jahr ein Stück mehr, ohne es je zu beschließen. Heute stehen die Alten vor der Frage, die man ihnen nie gestellt hat: Wo gehöre ich eigentlich hin? Die Rückkehr, auf die man sein ganzes Arbeitsleben hingelebt hat, ist eine Wunschvorstellung geworden.

Die Knochen sind kaputt, die Kinder sind hier, die Enkel sprechen die Sprache des Landes besser als die der Großeltern. Wer nach 40 Jahren Fließband zu Hause ankommt, ist dort der Fremde. Wer hierbleibt, ist es auch. Mit dem Ruhestand bricht der letzte Kontakt zu den deutschen Kollegen weg. Das ist der Lohn für ein Leben harter Arbeit, und man sollte sich nicht wundern, wenn die Kinder ihn nicht schönreden.

Wir sind geblieben, und wir haben gebaut

Und dennoch wäre es falsch, diese Geschichte als Verlustgeschichte zu erzählen. Das ist sie nicht. Aus den Männern mit den Pappkoffern ist eine Gemeinschaft von rund 2,6 Millionen Menschen geworden. Rund 1,5 Millionen davon besitzen noch den türkischen Pass, knapp 390.000 beide Pässe, der Rest ist deutsch.

Etwa 80.000 Betriebe führen Menschen mit türkischen Wurzeln, sie beschäftigen eine halbe Million Menschen und tragen rund 50 Milliarden Euro zur deutschen Wirtschaft bei. Mehr als 8.000 Firmen mit deutschem Kapital sitzen in der Türkei, die Brücke läuft also in beide Richtungen. In den Landtagen sitzen 56 Abgeordnete mit türkischen Wurzeln, im Bundestag 19. Das Kind, das Hilfsarbeiter am Band war, ist heute Meisterin, Anwältin, Ärztin, Professorin.

Alles das ist nicht zufällig geschehen. Es ist geschehen, weil Väter und Mütter, die oft nur vier Jahre zur Schule gehen durften, ihren Kindern etwas mitgegeben haben, was kein Lehrplan vermitteln kann: Du kannst hier etwas werden. Ich kenne diesen Satz. Ich habe ihn am Küchentisch gehört, und ich weiß, was er gekostet hat. Wer mit einem solchen Satz aufwächst, der trägt eine Verpflichtung, aber auch einen Stolz in sich, den man ihm nicht nehmen kann. Dieser Stolz ist das beste Integrationsprogramm, das dieses Land nie geplant hat.

Und trotzdem erleben die Erfolgreichen unter uns das Merkwürdigste: Je besser sie sind, desto häufiger werden sie bestaunt. Als sei es ein Wunder, dass das Kind eines anatolischen Bauern ein Examen besteht. Fast jeder Zweite mit guter Ausbildung berichtet von Diskriminierung, und Akademiker mit Migrationsgeschichte haben bei gleicher Qualifikation ein fast doppelt so hohes Risiko, arbeitslos zu werden. Man verlangt von uns Integration und misst uns dann an einem Maßstab, der sich bei jeder bestandenen Prüfung verschiebt.

Der Satz, an den ich erinnert habe

Sie erinnern sich: Das Exotische in kleiner Dosis wirkt anziehend, erst das Übermaß erschreckt. Die Beutetürken waren wenige, einzelne, vereinsamte Menschen, und sie waren deshalb keine Bedrohung. Man nahm sie auf, indem man sie auflöste. Ihre Nachfahren sind heute oft stolz auf diese ungewöhnliche Ahnengeschichte, auf den Weg vom Verschleppten zum Dazugehörigen.

Wir hingegen sind viele. Wir haben Moscheen, Vereine, Läden und Zeitungen. Und genau darin liegt für manche Mehrheit das Problem: Sie fühlt sich immer dann bedroht, wenn eine Minderheit zahlenmäßig stark wird und das Gewicht sich verschieben könnte.

Die Geschichte der Beutetürken zeigt, wie dieses Land mit Fremden umging, wenn sie schwach waren: Es forderte Anpassung bis zur Selbstaufgabe. Die Geschichte der Gastarbeiter zeigt, wie es mit Fremden umgeht, wenn sie nützlich sind: Es braucht sie, solange sie arbeiten, und wünscht sich, sie würden danach verschwinden. Und die Gegenwart zeigt, wie es mit Fremden umgeht, wenn sie einfach da sind, dazugehören wollen und sich nicht auflösen lassen: Es zögert.

Das Zögern hat seine Geschichte. Mölln, Solingen, Hanau und die Mordserie des NSU sind keine Betriebsunfälle, sie stehen am Ende einer langen Reihe von Sätzen, die zu lange unwidersprochen blieben. Fünf Millionen Muslime leben in diesem Land, in etwa dreitausend Moscheen.

Der Islam gehört, so die Verfassung, zur Religionsfreiheit, und doch gilt er vielen noch immer als Fremdkörper. Und gleichzeitig altert dieses Land schneller, als es sich eingestehen mag: Die Geburtenrate liegt bei rund 1,32 Kindern pro Frau, das Renteneintrittsalter wird auf 67 angehoben, und Fachleute rechnen vor, dass Deutschland jedes Jahr etwa vierhunderttausend Zuwanderer braucht, um seinen Wohlstand zu halten.

Man ruft also wieder Arbeitskräfte. Es ist, als hätte die Geschichte einen Humor.

Was ich mir zum 65. wünsche

Ich möchte keinen Dank im Festtagston, keine Fotos mit Koffern zum Gedenktag und keine Rede, die mit dem Wort „Gastarbeiter“ beginnt und mit einem Appell an uns endet. Ich wünsche mir drei Dinge.

Erstens, dass man die Geschichte ganz erzählt, auch die unbequeme: von den Verschleppten, die man taufte, bis zu den Arbeitern, die man rief und zurückschicken wollte. Wer sie kennt, wird nie wieder behaupten können, wir seien erst gestern gekommen.

Zweitens, dass man uns misst, wie man Deutsche misst: an Leistung, nicht an Herkunft. Wer die Hürde bei jedem Sprung höher legt, darf sich nicht wundern, dass manche irgendwann nicht mehr springen wollen. Integration ist keine Einbahnstraße. Ohne gleichberechtigte Teilhabe gibt es sie nicht, und ohne den Respekt vor kultureller Eigenständigkeit gibt es sie ebenso wenig. Die vollständige Selbstaufgabe, die man den Beutetürken abverlangte, ist kein Ziel, das ein freies Land sich setzen sollte.

Drittens, dass wir selbst nicht müde werden. Wir, die Kinder und Enkel, sind die Brücke. Wir sind es den Eltern schuldig, die ihr Leben am Band und unter Tage gelassen haben, und wir sind es den Kindern schuldig, die nicht mehr gefragt werden wollen, woher sie kommen.

Sechzig Jahre waren wir Gäste. Nach fünfundsechzig sollten wir Gastgeber sein dürfen, in einem Land, das auch unseres ist, denn wir haben es mitgebaut.


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


 Zum Autor

Özgür Çelik studierte Politikwissenschaft, Soziologie und Philosophie an der Universität Duisburg-Essen. Seine Fachgebiete sind die deutsche Sicherheits- und Verteidigungspolitik, die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei sowie zwischen der EU und der Türkei, türkische Politik, die türkische Migration und Diaspora in Deutschland.


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Von Martin Lück

Der deutliche Sieg der Demokraten bei den Wahlen zum Repräsentantenhaus und zum Senat ist vor allem ein politisches Misstrauensvotum gegen Donald Trump. Das Ergebnis dürfte seine innenpolitische Bewegungsfreiheit in der zweiten Hälfte seiner Amtszeit erheblich einschränken.

Mit ihren neuen Mehrheiten werden die Demokraten voraussichtlich ihre Kontrollrechte intensiv nutzen: Mehr Anhörungen und parlamentarische Untersuchungen sowie die Blockade republikanischer Gesetzesvorhaben dürften die politische Auseinandersetzung prägen. Auch ein drittes Amtsenthebungsverfahren wäre denkbar. Eine Verurteilung im Senat bliebe allerdings sehr unwahrscheinlich, denn dafür wäre eine Zweidrittelmehrheit der anwesenden Senatoren erforderlich, bei vollständiger Anwesenheit also 67 Stimmen.

Auch die Fiskalpolitik könnte restriktiver werden. Ein demokratisch kontrollierter Kongress dürfte neue Steuersenkungen und zusätzliche Ausgaben erschweren. Weniger fiskalische Impulse könnten das Wachstum und den Inflationsdruck dämpfen und dadurch Spielraum für niedrigere Zinsen schaffen. Entscheidend wäre dabei, wie stark die gesamtwirtschaftliche Nachfrage tatsächlich nachlässt. 

In der Außenpolitik behält der Präsident dagegen größere Handlungsspielräume, auch wenn der Kongress über Haushaltsentscheidungen und Kontrollrechte Einfluss nehmen kann. Die innenpolitischen Einschränkungen könnten Trump dazu veranlassen, außenpolitisch noch offensiver aufzutreten. Sollte parallel in Israel ein politisches Machtvakuum entstehen, könnte dies diese Dynamik verstärken. Weitere militärische Schläge gegen den Iran wären in diesem Szenario ein relevantes geopolitisches Risiko, auch auf kurze Sicht.

Gleichzeitig richtet sich der Blick bereits auf die Präsidentschaftswahl 2028. Der klare Wahlsieg dürfte bei den Demokraten den internen Wettbewerb um die nächste Präsidentschaftskandidatur beschleunigen. Die Midterms markieren damit nicht nur eine Verschiebung der Machtverhältnisse im Kongress, sondern zugleich den Beginn der nächsten politischen Positionierungsrunde. 

Für die Kapitalmärkte ergibt sich daraus ein differenziertes Bild. Mehr demokratische Kontrolle und die Aussicht auf größere fiskalische Disziplin könnten US-Staatsanleihen unterstützen. Bei Aktien stehen dagegen mögliche Belastungen durch stärkere Regulierung den Chancen sinkender Renditen gegenüber.

Regulierungsrisiken könnten insbesondere den Energie-, Finanz- und Pharmasektor sowie möglicherweise Technologieunternehmen belasten. Niedrigere Anleiherenditen könnten wiederum gerade Wachstums- und Technologieaktien stützen. Der demokratische Erdrutschsieg wäre daher nicht automatisch ein Anlass für eine breite Flucht aus risikoreicheren Anlagen.

 


Martin Lück, Chef-Kapitalmarktstratege bei Franklin Templeton


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Washington – Nach dem Sieg von Abdul El-Sayed im Senatsrennen in Michigan hat ein weiterer Muslim bei den US-Zwischenwahlen einen Erfolg errungen: Der Demokrat Adam Hamawy hat den 12. Kongressbezirk in New Jersey gewonnen. Laut Associated Press (AP) setzte er sich am Dienstag gegen den Republikaner Gregg Mele durch und wird damit der erste muslimische Abgeordnete des Bundesstaats im Kongress.

Chirurg, Militärarzt und Helfer in Kriegsgebieten

Hamawy ist plastischer Chirurg, Veteran der US-Armee und war dort als Kampfarzt im Einsatz. Der 56-Jährige wurde in Ägypten geboren und wuchs in den USA auf. Er ist Veteran des Irakkriegs. Als Armeechirurg half er 2004 mit, das Leben der heutigen Senatorin Tammy Duckworth zu retten, deren Hubschrauber im Irak abgeschossen worden war. Später schloss er sich medizinischen Hilfseinsätzen in Bosnien, im Sudan, in Haiti, im Libanon und in Syrien an. Er folgt auf Bonnie Watson Coleman, die nach zehn Jahren im Repräsentantenhaus in den Ruhestand geht.

Im Jahr 2024 reiste Hamawy im Rahmen eines humanitären Einsatzes in den Süden des Gazastreifens. Nach Angaben von Medienberichten war er dort kurzzeitig eingeschlossen, nachdem Israel den Grenzübergang Rafah geschlossen hatte. Al Jazeera zufolge berichtete er, dass er Kinder mit schweren Verletzungen behandelte und Patienten sah, die durch israelische Angriffe dauerhaft verstümmelt wurden. Diese Erfahrung habe seine Entscheidung geprägt, in die Politik zu gehen.

Wahlkampf gegen US-Militärhilfe für Israel

Hamawy trat zum ersten Mal als Kandidat an und gilt als lautstarker Kritiker von Israels Krieg in Gaza. In seinem Wahlkampf forderte er eine allgemeine Krankenversicherung für alle (Medicare for All), ein Ende der US-Militärhilfe für Israel, den Erlass von Schulden für medizinische Behandlungen und Studienkredite sowie die Abschaffung der Einwanderungs- und Zollbehörde ICE. Er argumentierte, dass sich die Einwohner New Jerseys Gesundheitsversorgung kaum leisten könnten, während Washington den Krieg finanziere.

Die demokratische Vorwahl im Juni gewann er laut New Jersey Globe unter zwölf Kandidaten mit rund 28 Prozent. Der zweitplatzierte Brad Cohen, Bürgermeister von East Brunswick, kam auf etwa 14 Prozent. Hamawy wurde von Senator Bernie Sanders, der Abgeordneten Alexandria Ocasio-Cortez und Senatorin Duckworth unterstützt.

Die pro-palästinensische Super-PAC American Priorities gab fast 1,6 Millionen Dollar für Werbung aus, um ihn den Wählern vorzustellen. Nach seinem Sieg sagte er seinen Anhängern: „Wir haben deutlich gemacht, dass man nie um Erlaubnis bitten muss, um für Gerechtigkeit zu kämpfen.“ In seiner Siegesrede sagte er außerdem: „Diese Ära der amerikanischen Politik ist vorbei.“

Auch El-Sayed siegt in Michigan

Zuvor hatte der israelkritische Demokrat Abdul El-Sayed das Senatsrennen in Michigan gegen den von Donald Trump unterstützten Republikaner Mike Rogers für sich entschieden. Er wird der erste muslimische Senator der US-Geschichte. El-Sayed ist als Sohn ägyptischer Einwanderer in Michigan geboren und vertritt ebenfalls eine israelkritische Haltung.

Die muslimische Wählerorganisation Emgage Action sieht die Energie dieses Wahlzyklus vor allem bei Kandidaten, die einen anderen Umgang der USA mit Israels Vorgehen in Gaza versprechen. Gleichzeitig blieben Gesundheit, Wohnen und Lebenshaltungskosten die Hauptthemen der Wähler.

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