Turkish Airlines
Los Angeles: Turkish Airlines plant Direktflüge in die „Hauptstadt“ der armenischen Diaspora

Turkish Airlines plant Direktflüge nach Los Angeles für die armenische Diaspora. Eine Route voller Ironie zwischen Normalisierung und historischem Widerstand.

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Eriwan/Los Angeles – Inmitten der mühsamen Normalisierungsbemühungen zwischen der Türkei und Armenien bahnt sich eine Entwicklung an, die diplomatisches Fingerspitzengefühl erfordert: Armenien verhandelt mit Turkish Airlines (THY) über eine direkte Flugverbindung zwischen Eriwan und Los Angeles.

Dass ausgerechnet die staatliche Fluggesellschaft der Türkei die armenische Diaspora in Kalifornien – die als eine der politisch aktivsten und türkei-kritischsten weltweit gilt – mit der Heimat verbinden soll, ist eine Nachricht von erheblicher symbolischer Brisanz.

Lusine Geworgjan, die Vorsitzende des armenischen Tourismuskomitees, bestätigte am 23. Februar 2026 auf einer Pressekonferenz, dass ernsthafte Gespräche über diese transkontinentale Route laufen.

Turkish Airlines verfüge über das notwendige Potenzial und die Kapazitäten, um eine solche Nonstop-Verbindung effizient zu betreiben. Da THY bereits im März 2026 regelmäßige Flüge auf der Strecke Istanbul–Eriwan aufnimmt, wäre die Verbindung nach Los Angeles der nächste logische, wenn auch politisch weitaus sensiblere Schritt.

Glendale: Das Herz des Widerstands

Los Angeles, und insbesondere die Vorstadt Glendale, wird oft als die „Hauptstadt“ der armenischen Diaspora bezeichnet. Hier lebt eine Gemeinschaft, die nicht nur zahlenmäßig groß, sondern auch politisch hocheffektiv organisiert ist.

Historisch gesehen ist dieser Ort jedoch auch mit dunklen Kapiteln der armenisch-türkischen Geschichte verknüpft. In den 1970er und 1980er Jahren wurden in der Region Los Angeles und im benachbarten Santa Barbara mehrere türkische Diplomaten, darunter die Generalkonsuln Mehmet Baydar, Bahadır Demir und Kemal Arıkan, von armenischen Extremisten ermordet.

Die Diaspora in den USA gilt traditionell als deutlich feindseliger gegenüber Ankara und Baku eingestellt als die Regierung in Eriwan unter Premierminister Nikol Paschinjan.

Während Paschinjan einen Kurs der pragmatischen Annäherung verfolgt, lehnen viele einflussreiche Organisationen in Kalifornien diesen Prozess ab. Sie sehen in der aktuellen Politik der „kleinen Schritte“ und den einseitigen Kompromissen gegenüber der Türkei und Aserbaidschan einen Verrat an nationalen Interessen und dem Erbe der Geschichte.

Gruppen wie das Armenian National Committee of America (ANCA) oder die Armenian Revolutionary Federation (Dashnaktsutyun) haben ihren Sitz und ihre stärkste Basis in den USA. Diese Organisationen kritisieren Paschinjans Kurs oft öffentlich als „Kapitulation“ – besonders nach dem Verlust von Bergkarabach. Sie haben jahrzehntelang Lobbyarbeit gegen die Türkei geleistet; eine plötzliche Annäherung würde ihr gesamtes politisches Fundament infrage stellen.

In der Diaspora wird das kollektive Gedächtnis (insbesondere an 1915) extrem stark gepflegt. Da man nicht im täglichen Kontakt mit den Nachbarn lebt (wie es die Menschen in Armenien tun), bleibt das Feindbild oft „konserviert“. In Armenien selbst gibt es zwar auch großen Schmerz, aber eben auch den Wunsch, durch Handel und offene Grenzen eine stabilere Zukunft aufzubauen.

Eine Route voller Widersprüche

Sollte Turkish Airlines tatsächlich den Zuschlag für die Verbindung LAX–Eriwan erhalten, entstünde eine paradoxe Situation: Diejenigen, die am lautesten gegen den Einfluss Ankaras protestieren, müssten ausgerechnet das „Flaggschiff“ der Türkei nutzen, um nonstop in ihre Heimat zu gelangen.

Die Verhandlungen stehen vor dem Hintergrund eines breiteren Normalisierungsprozesses, der von den Sonderbeauftragten Serdar Kılıç und Ruben Rubinyan geleitet wird. Während technische Schritte wie die Öffnung der Landgrenzen für Drittstaatsangehörige und die Ausweitung des Flugverkehrs voranschreiten, bleibt die psychologische Barriere in der Diaspora hoch.

Für viele Armenier in Glendale ist die Vorstellung, dass eine türkische Maschine auf dem Rollfeld von Eriwan landet, um Landsleute aus Kalifornien zu bringen, mehr als nur eine Reiseverbindung – es ist ein Symbol für eine neue Realität, die viele noch nicht akzeptieren wollen.

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