Wirtschaft
Türkei: Einkaufszentren erreichen Rekordumsatz von 59 Mrd. Dollar

Türkische Einkaufszentren (AVMs) steigern 2025 Effizienz auf 191.803 TL/m². Rekordumsatz von 59 Mrd. Dollar trotz sinkender Besucherzahlen und Inflation.

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Ankara – Der Einzelhandelssektor in der Türkei bleibt eine der wichtigsten Säulen der nationalen Wirtschaft und ein Motor für städtische Entwicklung sowie Beschäftigung.

In einem wirtschaftlich herausfordernden Umfeld fungieren Einkaufszentren (AVMs) nicht nur als Handelsplätze, sondern als soziale Knotenpunkte, die maßgeblich zum Bruttoinlandsprodukt beitragen. Der Shopping-Center-Sektor in der Türkei hat das Jahr 2025 mit Rekordwerten abgeschlossen, berichtet Bloomberg.

Laut dem aktuellen Jahresbericht der Shopping Centers and Investors Association (AYD) erwirtschafteten die landesweit 445 Einkaufszentren (AVMs) einen Gesamtumsatz von 59 Milliarden Dollar. Während im Jahr 2025 vier neue Zentren eröffnet wurden, ist für das Jahr 2026 die Eröffnung von fünf weiteren Standorten geplant.

Effizienzsteigerung und wirtschaftliche Einordnung

Ein zentrales Merkmal der aktuellen Entwicklung ist der drastische Anstieg der Flächenproduktivität. Der durchschnittliche Umsatz pro Quadratmeter stieg in der Türkei um 30 % auf 191.803 TL ($4.849,63). Branchenvertreter, darunter AYD-Präsident Nuri Şapkacı, wiesen darauf hin, dass sich die Umsatzeffizienz seit dem Jahr 2020 damit etwa um das 17-fache erhöht hat. Das stärkste Wachstum verzeichnete dabei die Kategorie Bekleidung mit einem Plus von 35 %, gefolgt vom Technologiesektor mit 31 %.

Um diese massiven Umsatzsprünge einzuordnen, muss die spezifische ökonomische Lage der Türkei berücksichtigt werden. Die anhaltende Inflation und die Volatilität der Türkischen Lira gegenüber dem US-Dollar haben dazu geführt, dass die nominalen Preise für Konsumgüter stark gestiegen sind. Dies spiegelt sich unmittelbar in den Indexwerten wider. Dennoch zeigt der Umsatz von 59 Milliarden Dollar auf Dollar-Basis, dass der Sektor trotz der Währungsentwicklung eine beachtliche reale Kaufkraft bündelt und seine Resilienz unter Beweis stellt.

Besucherrückgang und verändertes Konsumverhalten

Trotz des massiven Umsatzwachstums verzeichnete der Sektor einen Rückgang des Besucherindex um 3 %. Dies deutet auf ein verändertes Konsumentenverhalten hin: Besucher kommen zwar seltener in die Einkaufszentren, geben jedoch pro Besuch deutlich mehr Geld aus. Experten beobachten hierbei den Trend zum „gezielten Einkauf“ (Purpose Shopping). Anstatt die Zentren lediglich zum Bummeln aufzusuchen, steuern Konsumenten die AVMs mit einer festen Kaufabsicht an, was die Konversionsrate innerhalb der Geschäfte trotz geringerer Frequenz erhöht.

Regionales Gefälle: Warum Anatolien Istanbul überholt

Die Daten zeigen zudem ein deutliches regionales Gefälle bei der Wachstumsdynamik. Während der Umsatzindex in Istanbul um 25 % zulegte, verzeichnete Anatolien mit einem Zuwachs von 35,3 % ein deutlich stärkeres Marktwachstum. Diese Entwicklung lässt sich durch mehrere Faktoren erklären.

In den anatolischen Provinzen findet derzeit eine nachholende Urbanisierung statt. Während der Markt in der Metropole Istanbul weitgehend gesättigt ist, bieten anatolische Städte noch erhebliches Potenzial für neue Einzelhandelskonzepte. Zudem sorgt die Dezentralisierung der Industrie dafür, dass die Kaufkraft in Städten wie Ankara, Izmir, Bursa oder Gaziantep überproportional ansteigt.

Ausblick: Expansion im Jahr 2026

Trotz der Verschiebung hin zum E-Commerce bleibt der physische Handel in der Türkei ein Wachstumsmarkt. Die Branche blickt optimistisch auf das laufende Jahr. Die geplanten fünf Neueröffnungen für 2026 konzentrieren sich strategisch auf aufstrebende Regionen, um die lokale Nachfrage zu bedienen und die Marke von 450 Standorten landesweit zu überschreiten. Diese Investitionen unterstreichen das Vertrauen der Investoren in die langfristige Stabilität des türkischen Einzelhandels.

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