Naher Osten
Israel: Ex-Spion Pollard sieht Türkei als nächstes Ziel

Ex-Agent Pollard warnt Israel vor einem künftigen Krieg gegen die Türkei und Ägypten — israelische Sicherheitskreise beschreiben Ankara bereits als „neuen Iran"

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Jerusalem/Ankara – Jonathan Pollard, der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter, der 1987 von einem US-Bundesgericht wegen Spionage für Israel zu lebenslanger Haft verurteilt wurde und nach seiner Freilassung 2015 nach Israel auswanderte, hat in einem Podcast-Interview auf dem israelischen Sender Arutz Sheva eine unverblümte Warnung ausgesprochen: Israel müsse sich auf einen Krieg gegen die Türkei vorbereiten.

„Ich bin nicht so sicher, dass wir es mit den Türken so leicht haben werden wie mit den Iranern“, sagte Pollard. „Wir müssen uns auf den nächsten Krieg vorbereiten, der wahrscheinlich gegen die Türkei und Ägypten geführt wird. Der Sturm kommt.“

Pollard begründete seine Einschätzung mit der militärischen Stärke der Türkei — einem NATO-Mitglied mit einer der schlagkräftigsten Streitkräfte der Region. Einen Konflikt mit Ankara zu führen sei eine erheblich komplexere Herausforderung als der Krieg gegen Iran.

Er warnte Israel zudem davor, der von der Türkei unterstützten syrischen Übergangsregierung die Kontrolle über die von israelischen Streitkräften besetzten südlichen Gebiete Syriens zurückzugeben — das würde bedeuten, „die Türken an unsere Grenze zu bringen“.

Israelische Sicherheitskreise: Ankara als „neuer Iran“

Pollards Aussagen stehen nicht isoliert. Sie spiegeln eine wachsende Strömung in israelischen Sicherheits- und Politikkreisen wider, die Ankara unter Präsident Recep Tayyip Erdoğan zunehmend als strategischen Hauptfeind der Zukunft betrachtet.

Der frühere israelische Premierminister Naftali Bennett hatte die Türkei — mit Unterstützung Katars — bereits als denjenigen bezeichnet, der Iran als Israels wichtigste strategische Herausforderung ablöse.

Im Januar 2025 warnte ein von der israelischen Regierung eingesetztes Komitee in einem Bericht an Premierminister Benjamin Netanyahu, Verteidigungsminister Israel Katz und Finanzminister Bezalel Smotrich vor einer möglichen direkten Konfrontation mit der Türkei in Syrien und bezeichnete Ankara als „neue regionale Bedrohung“ für israelische Interessen.

Israelischer Minister: Türkei als größte Bedrohung

Ein israelischer Minister hat die Türkei darüber hinaus als die „größte Sicherheitsbedrohung“ für den israelischen Staat bezeichnet — und vor den strategischen Risiken gewarnt die von Ankaras wachsendem regionalem Einfluss ausgehen. Amichai Chikli, Israels Minister für Diaspora-Angelegenheiten und Bekämpfung von Antisemitismus, warnte in einem Interview mit dem israelischen Fernsehsender Kan, dass die Türkei derzeit die größte Bedrohung für Israel darstelle

Türkei-Ägypten-Achse als neues Sorgenkind

Besorgniserregend für Tel Aviv ist auch die zunehmende Annäherung zwischen Türkei und Ägypten. Eine israelische Analyse vom Februar warnte vor dem Entstehen einer türkisch-ägyptischen Allianz — einem sogenannten „sunnitischen Ring“ um Israel — und reflektiert damit wachsende Sorgen über die engere Koordinierung zweier Staaten, die historisch Beziehungen zu Israel pflegten, aber Israels Vorgehen in Gaza scharf verurteilt haben.

Analysten mahnen zur Vorsicht: Die Umdeutung der Türkei zum „neuen Iran“ berge das Risiko, eine Rivalität in eine offene Konfrontation zu verwandeln.

Türkei-Iran: Komplexe Nachbarschaft

Die Türkei und Iran teilen eine 534 Kilometer lange Grenze und verbindet eine vielschichtige Beziehung — geprägt von Konkurrenz um Einfluss in Syrien und dem Kaukasus, aber auch von Kooperation im Energiebereich.

Die Türkei bezieht einen erheblichen Teil ihres Erdgases aus Iran. Beide Länder haben ein gemeinsames Interesse daran, eine unkontrollierbare regionale Eskalation und neue Flüchtlingswellen zu verhindern.

Die türkisch-israelischen Beziehungen hingegen haben sich insbesondere seit dem Gaza-Krieg drastisch verschlechtert. Die politische Rhetorik hat sich auf beiden Seiten verschärft — während israelische Stimmen Ankaras wachsenden regionalen Einfluss als strategische Herausforderung beschreiben, hat Erdoğan Israel wiederholt scharf kritisiert und den israelischen Angriff auf Gaza als „Völkermord an den Palästinensern“ bezeichnet.

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