Gastkommentar
Pinkwashing: Die Regenbogenfahne als Feigenblatt

Gastkommentar von Aras Karasun über den Vorwurf des Pinkwashings und die Nutzung der Regenbogenfahne zur politischen Imagepflege in Israel und im Westen.

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Ein Gastkommentar von Aras Karasun

Falls sich jemand wundert, warum die israelische Fahne erstaunlich häufig, beinahe ausschließlich gemeinsam mit der Regenbogenfahne auftaucht:

Dafür gibt es tatsächlich einen Begriff: Pinkwashing

Ähnlich wie beim „Greenwashing“ beschreibt der Begriff den Versuch von Staaten, Unternehmen oder Institutionen, durch die Betonung positiver Themen ihr Image aufzuwerten und von anderen, kontroversen Themen abzulenken.

Israel gilt als eines der bekanntesten, auffälligsten Beispiele für diesen Vorwurf. Die internationale Vermarktung von Tel Aviv als LGBTQ+-freundliche Metropole, Pride-Paraden und die gesteuerte sehr starke Sichtbarkeit der Regenbogenfahne werden von vielen Beobachtern nicht nur als Ausdruck gesellschaftlicher Offenheit gesehen. Kritisiert wird vielmehr, dass dieses progressive Image gleichzeitig dazu genutzt werde, von Vorwürfen im Zusammenhang mit Besatzung, Vertreibung, Apartheid und den Ereignissen im Gazastreifen abzulenken.

Dabei ist Pinkwashing keineswegs ein ausschließlich israelisches Phänomen.

Auch Deutschland präsentiert sich sehr gerne als Verfechter von LGBTQ+-Rechten – etwa durch Regenbogenflaggen an öffentlichen Gebäuden oder permanente moralische Appelle an andere Staaten. Gleichzeitig bestehen enge Wirtschaftsbeziehungen und Rüstungsexporte in Länder, in denen Homosexualität verfolgt oder sogar mit dem Tod bestraft wird.

Die USA nutzen LGBTQ+-Rechte regelmäßig als eine Art Verbundenheit und Symbol westlicher Werte in der Außenpolitik. Gleichzeitig gibt es im eigenen Land politische Auseinandersetzungen und Gesetze, die Rechte von Transpersonen oder die Behandlung von LGBTQ-Themen sehr stark einschränken.

Kanada der „Saubermann“ der westlichen Welt, pflegt international das Bild eines besonders offenen und progressiven Landes. Gleichzeitig weisen Kritiker darauf hin, dass dadurch ungelöste Probleme im eigenen Land – die Rechte der indigenen Bevölkerung – umso weniger Aufmerksamkeit bekommt.

Der Kern der Kritik am Pinkwashing liegt daher nicht in der Regenbogenfahne selbst. Die ursprünglichen Ideale der LGBTQ+-Bewegung – Gleichberechtigung, Freiheit und Schutz vor Diskriminierung – sind wichtige gesellschaftliche Anliegen.

Problematisch wird es dort, wo diese Symbole und Werte für andere politische Zwecke vereinnahmt werden und wurden. Wenn die Regenbogenfahne nicht mehr nur für ihre ursprünglichen Ideale steht, sondern als Mittel zur Imagepflege oder zur moralischen Selbstreinigung eingesetzt wird, sprechen wir von Pinkwashing.

 


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


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