Kommentar
Kapitol-Stürmung: Ein Vergleich zur Berichterstattung über den Putschversuch in der Türkei

Wie schnell sich Begrifflichkeiten bei der Berichterstattung der Medien ändern können, wurde bei der Erstürmung auf das US-Parlament deutlich, als die Demonstranten von der Presse als „Putschisten“ oder „Randalierer“ bezeichnet wurden. Die gleichen Medien haben beim blutigen Putschversuch 2016 in der Türkei nicht die Putschisten selbst verurteilt, sondern haben der Regierung von Präsident Erdogan vorgeworfen, den gescheiterten Staatsstreich selbst inszeniert zu haben.

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Zwei Beispiele, die die Doppelmoral bei der Berichterstattung aufzeigen

Ein Gastbeitrag von Kemal Bölge

Wie schnell sich Begrifflichkeiten bei der Berichterstattung der Medien ändern können, wurde bei der Erstürmung auf das US-Parlament deutlich, als die Demonstranten von der Presse als „Putschisten“ oder „Randalierer“ bezeichnet wurden.

Zweifellos handelt es sich bei der gewaltsamen Besetzung des US-Senats um eine schwere Straftat, aber die gleichen Medien haben beim blutigen Putschversuch 2016 in der Türkei nicht die Putschisten selbst verurteilt, sondern haben der Regierung von Präsident Erdogan vorgeworfen, den gescheiterten Staatsstreich selbst inszeniert zu haben. Beide Beispiele zeigen, dass nicht anhand von gleichen Maßstäben gemessen wird, sondern nach politischen Kriterien der Medien.

Besetzung des US-Kapitols zeigt die Zerrissenheit der amerikanischen Gesellschaft

Die Bilder liefen um die Welt, als am 6. Januar wütende Demonstranten das Kapitol in Washington D.C. stürmten, in dem der amerikanische Senat und das Repräsentantenhaus Sitzungen abhalten. Der scheidende US-Präsident Trump hatte zuvor zu einer Demonstration aufgerufen, weil er Manipulationen bei der Stimmauszählung bei den Präsidentschaftswahlen im November zugunsten seines Herausforderers Joe Biden ausgemacht haben wollte.

Die Vereinigten Staaten, die sich gerne selbst als „Demokratie-Exporteur in alle Welt“ sehen, wurden im Herzen der amerikanischen Hauptstadt von der eigenen Bevölkerung überrascht. Die zeitweilige Besetzung des amerikanischen Kapitols hat die tiefe Spaltung der amerikanischen Gesellschaft aufgezeigt, die allerdings nicht erst seit dem Amtsantritt von Trump existiert.

Wie konnte ein gewaltsamer Mob den US-Senat erstürmen?

Der Demonstrationsaufruf von Trump war den US-Behörden und Nachrichtendiensten des Landes bekannt und trotzdem wurden die Sicherheitsmaßnahmen vor dem Kapitol nicht erhöht. Ein Land wie die Vereinigten Staaten, die jedes Jahr Hunderte von Milliarden Dollar in ihre Sicherheit und das Militär ausgeben, soll nicht in der Lage sein, den amerikanischen Senat in seiner Hauptstadt zu beschützen? Zwei Möglichkeiten sind vorstellbar.

  1. Die US-Behörden haben das Ausmaß der Teilnehmer unterschätzt und keine Maßnahmen zur Verstärkung des Sicherheitspersonals im Kapitol ergriffen.
  2. Die politischen Gegner von Trump haben nach einer Gelegenheit gesucht, um ihn dauerhaft ins politische Abseits zu stellen.

Die gewaltsame Erstürmung des Kapitols mit mehreren Todesopfern bezeichnete der designierte US-Präsident Biden als „Angriff auf die US-Demokratie“, bei dem es sich um keinen „Protest“, sondern „Aufruhr“ handele. Andere Beobachter und zahlreiche Medien bezeichneten die Besetzung des US-Senats als einen „Putschversuch“ von Trump-Anhängern. Als die wütende Menge für etwa vier Stunden das Parlament der Vereinigten Staaten besetzte, konnte man in einem Filmbeitrag einen Mann mit Fellmütze und Büffelhörnern sehen, der in den sozialen Medien zur Meme wurde.

Auseinandersetzung zwischen Globalisierungsgegnern und Befürwortern

Dieser selbst ernannte „Schamane“ wurde von zahlreichen Presseorganen als „Terrorist“ bezeichnet, obwohl dieser bei der Erstürmung vermutlich keine Gewalttat begangen hat. Auf den ersten Blick handelt es sich bei der gewaltsamen Besetzung des US-Kapitols um eine Auseinandersetzung zwischen Trump-Anhängern und Gegnern, aber in Wirklichkeit ist es wohl ein Kampf von Globalisierungsgegnern, zu der Trump gezählt werden kann und Anhängern der Globalisierung, die US-Demokraten.

Auslieferung von Gülen wurde durch die USA abgelehnt 

Es war im August 2016, mehrere Wochen nach dem Putschversuch von Mitgliedern der Fetullahistischen Terrororganisation (FETÖ), als der damalige US-Vizepräsident Biden in Ankara weilte. Vor Journalisten wurde dieser gefragt, warum die USA F. Gülen nicht an die Türkei ausliefern. Biden verzog bei der Beantwortung dieser vermutlich unangenehmen Frage sein Gesicht und behauptete, es gebe keine Beweise für eine Verwicklung des im Exil in Pennsylvania lebenden Sektenführers an dem Putschversuch.

Nach türkischen Presseberichten hat das türkische Justizministerium mehrfach eine Auslieferung von Terrorchef Gülen und weiterer Mitglieder des Terrornetzwerks beim US-Justizministerium beantragt. Hierzu wurden mehrere dutzend Ordner mit Beweismitteln an die US-Behörden übergeben, die sich jedoch geweigert haben sollen, den mit Haftbefehl gesuchten Verbrecher an die türkischen Strafverfolgungsbehörden auszuliefern.

Kein Prediger, sondern Chef eines Terrornetzwerks

Die türkische Staatsanwaltschaft wirft Gülen den „Versuch der gewaltsamen Zerstörung der verfassungsmäßigen Ordnung“ und die „Bildung und Führung einer bewaffneten terroristischen Gruppe“ vor. Beim Putschversuch eröffneten die Verschwörer in Soldatenuniform wahllos das Feuer auf Zivilisten, bombardierten mit Kampfflugzeugen das türkische Parlament in Ankara und zahlreiche andere Einrichtungen beidem 240 Menschen getötet wurden, davon 173 Zivilisten. Trotz dieser Tatsache wird Gülen von deutschen und westlichen Medien als „Prediger“ und seine Terrororganisation als „Bewegung“, die friedvolle Absichten verfolge, bezeichnet.

Die Erstürmung des US-Senats durch Demonstranten war in der Tat ein Angriff auf die Demokratie in den Vereinigten Staaten und die Täter sollten hierfür zur Rechenschaft gezogen werden. Während und nach der Besetzung des Kapitols wurden die amerikanischen Demonstranten als „Terroristen“ oder „Putschisten“ bezeichnet, aber die deutschen Medien finden nichts dabei, jemanden wie Gülen als „Prediger“ oder „Imam“ zu titulieren, obwohl dieser Scharlatan hinsichtlich des Putschversuchs von 2016 mindestens 240 Menschenleben auf dem Gewissen hat.


Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.


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