Landau – An diesem Mittwoch und Donnerstag beraten die Verkehrsminister der Länder in Lindau am Bodensee über Vorschläge zur Erhöhung der Sicherheit auf Landstraßen. Ein von den Ministern bestelltes Gutachten empfiehlt weitreichende bauliche Maßnahmen wie mehr Schutzplanken, den Bau von Kreisverkehren statt Kreuzungen sowie sichere Überwege für Fußgänger.
Zentraler Punkt der Beratungen ist die Empfehlung, Tempo 80 als Regelgeschwindigkeit auf Landstraßen einzuführen. In Deutschland gilt auf Landstraßen außerhalb geschlossener Ortschaften derzeit eine allgemeine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h für Pkw und Kraftfahrzeuge bis 3,5 Tonnen, sofern keine andere Beschilderung vorliegt.
Für schwerere Lkw, Gespanne und Busse bestehen bereits niedrigere Limits zwischen 60 und 80 km/h. Die aktuelle Diskussion wird durch eine Studie der Ruhr-Universität Bochum gestützt, laut der allein ein Tempolimit von 120 km/h auf Autobahnen jährlich 58 Todesopfer, 2.300 Verletzte und Unfallkosten in Höhe von 216 Millionen Euro vermeiden könnte. Ein Bündnis aus Umweltschützern, der Gewerkschaft der Polizei (GdP) und Verkehrsopfer-Helfern fordert in Lindau ein Ende der Blockade bei Tempolimits.
Studien belegen hohes Sicherheitspotenzial
Christiane Rohleder, Bundesvorsitzende des Verkehrsclubs VCD, betont, dass fast 60 Prozent aller tödlichen Verkehrsunfälle auf Landstraßen passieren, wobei bei mehr als einem Drittel zu schnelles Fahren die Hauptursache war. Arno Wolter, Geschäftsführer der Initiative für sichere Straßen, verweist auf Erfahrungen aus Frankreich, wo eine Absenkung auf 80 km/h die Zahl der Unfälle signifikant reduziert habe.
Klimaziele und ökonomische Faktoren im Fokus
Neben der Sicherheit steht der Klimaschutz im Fokus. Der Verkehrssektor hat seine Klimaziele erneut verfehlt und verursachte laut Umweltbundesamt (UBA) im Jahr 2025 insgesamt 146,3 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen – ein Anstieg um 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Berechnungen der Deutschen Umwelthilfe zufolge könnten kombinierte Tempolimits von 100 km/h auf Autobahnen, 80 km/h außerorts und 30 km/h innerorts die CO2-Emissionen um bis zu 11,7 Millionen Tonnen senken.
Das UBA beziffert die durchschnittliche Einsparung bei Tempo 100 auf Autobahnen und 80 auf Landstraßen auf 8,3 Millionen Tonnen pro Jahr bis 2035. Zusätzlich werden ökonomische Aspekte angeführt. Infolge internationaler Spannungen und deren Auswirkungen auf den Ölmarkt sind die Spritpreise gestiegen. Verbände fordern daher eine Mobilitätsgarantie mit verlässlichen Takten und barrierefreien Angeboten im öffentlichen Nahverkehr, um die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern.
Auf der Tagesordnung der Konferenz stehen zudem die Aufstockung der Regionalisierungsmittel für den Nahverkehr, die Sicherheit in Zügen und Bahnhöfen sowie die Beratung über einen Preisindex für das Deutschlandticket.Ein weiterer Streitpunkt betrifft die Fahrausbildung.
Streit um Fahrausbildung und ÖPNV-Finanzierung
Die Gewerkschaft der Polizei kritisiert Pläne, die Pflichtstunden auf Landstraßen im Rahmen einer Entschlackung der Ausbildung zu streichen. Jochen Kopelke, Bundesvorsitzender der GdP, bezeichnet dies angesichts der Unfallzahlen als falsches Signal. Laut Statistischem Bundesamt starben im Jahr 2025 insgesamt 2.814 Menschen auf deutschen Straßen, während 366.000 Personen verletzt wurden.
Landstraßen sind in Deutschland besonders gefährlich, die Verkehrsminister beraten über Maßnahmen für mehr Sicherheit. Ex-Polizist und Opferschützer Wulf Hoffmann sagt, warum er Lkw dort sogar schneller fahren lassen würde als bisher. https://t.co/rZijiEsuGp
— DER SPIEGEL (@derspiegel) March 26, 2026
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