HISTORIKER ORTAYLI
Türkei trauert um Prof. Dr. İlber Ortaylı: Legendärer Historiker im Alter von 78 Jahren verstorben

Prof. Dr. İlber Ortaylı ist am 13. März 2026 verstorben. Der legendäre türkische Historiker erlag nach acht Tagen im Krankenhaus seinen schweren Vorerkrankungen.

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Istanbul – Die Türkei hat einen ihrer bedeutendsten Intellektuellen verloren. Der renommierte Historiker und Autor Prof. Dr. İlber Ortaylı ist am heutigen Freitag verstorben. Er befand sich seit acht Tagen in ärztlicher Behandlung im Koç-Universitätskrankenhaus. Nachdem sein Zustand am Sonntag kritisch wurde, war er auf die Intensivstation verlegt und intubiert worden.

Hintergründe zur Krankheitsgeschichte

Details zu seinem Gesundheitszustand wurden kurz vor seinem Ableben bekannt. Seine Tochter, Tuna Ortaylı, hatte am 12. März 2026 Informationen über den Krankheitsverlauf geteilt. Demnach unterzog sich Ortaylı bereits im Januar einer Prostata-Operation.

Nach seiner Entlassung traten jedoch Komplikationen auf, die mit diesem Eingriff im Zusammenhang standen. Ortaylı litt zudem an Diabetes und einer Nierenerkrankung, weshalb er dreimal wöchentlich zur Dialyse musste. Aufgrund einer Schwächung seines Immunsystems erhielt er zudem eine Immuntherapie. Vor acht Tagen verschlechterte sich sein Zustand erneut, was die stationäre Aufnahme notwendig machte. Trotz der intensiven medizinischen Bemühungen verstarb der 78-Jährige am Freitagmorgen.

Stellungnahmen der Familie und der Politik

Die Familie bestätigte den Verlust über Ortaylıs sozialen Medienkanal. In der Erklärung hieß es:

„Wir haben İlber Ortaylı am 13. März 2026 verloren. Trotz seiner lang anhaltenden und zunehmend komplexen gesundheitlichen Probleme verloren seine Neugier auf das Leben und sein Wunsch, mit Menschen zusammen zu sein, nie an Kraft.

Er lebte, so gut er konnte, nach seinen eigenen Vorstellungen. Seine Leser, Studenten und Fans haben ihn mit einer Liebe und einem Respekt umgeben, wie sie kaum einem anderen Akademiker zuteilwerden.“

Informationen zur Beisetzung sollen zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben werden.

Auch Gesundheitsminister Kemal Memişoğlu drückte sein Beileid aus und bezeichnete Ortaylı als „historisches Genie“ und einen der außergewöhnlichsten Werte des Landes. Er sprach der Familie, den Studenten und dem türkischen Volk sein Mitgefühl aus.

Ein Leben für die Wissenschaft: Wer war İlber Ortaylı?

İlber Ortaylı galt als einer der profiliertesten Experten für osmanische Geschichte, Diplomatiegeschichte und Kulturgeschichte. Er wurde am 21. Mai 1947 in Bregenz, Österreich, als Kind einer krimtatarischen Familie geboren.

Im Alter von zwei Jahren emigrierte er mit seiner Familie in die Türkei. Seine schulische Laufbahn schloss er am Ankara Atatürk Gymnasium ab, nachdem er zuvor das Österreichische Gymnasium in Istanbul besucht hatte.

Sein Studium der Geschichte an der Universität Ankara schloss er 1970 ab. Er war Schüler bedeutender Gelehrter wie Halil İnalcık und Şerif Mardin. Seine akademische Ausbildung führte ihn unter anderem an die Universität Wien, wo er slawische und osteuropäische Sprachen studierte, sowie an die University of Chicago, wo er seinen Master unter Halil İnalcık absolvierte.

Akademische Stationen und politisches Engagement

Ortaylı promovierte 1974 an der Fakultät für Politikwissenschaften der Universität Ankara und erlangte 1979 den Status des Dozenten. 1982 trat er aus Protest gegen politische Restriktionen an den Universitäten von seinem Amt zurück. In der folgenden Zeit lehrte und referierte er weltweit, unter anderem in Wien, Berlin, Paris, Princeton, Moskau, Rom, Oxford und Cambridge.

1989 kehrte er in die Türkei zurück, wurde zum Professor ernannt und leitete bis 2002 die Abteilung für Verwaltungsgeschichte an der Universität Ankara. Später unterrichtete er an der Galatasaray-Universität, der Bilkent-Universität und der MEF-Universität.

Von 2005 bis 2012 leitete er das Topkapı-Palast-Museum, bevor er altersbedingt in den Ruhestand trat. 2018 wurde er Berater des Ministeriums für Kultur und Tourismus. Neben seiner akademischen Karriere erreichte er durch zahlreiche Bücher und Medienauftritte ein breites Publikum und prägte das Geschichtsverständnis ganzer Generationen.

 

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