Start Panorama Ausland Faktencheck Die KI-Kampagne gegen Bürgermeister Zohran Mamdani – Wenn Deepfakes Politik machen

Faktencheck
Die KI-Kampagne gegen Bürgermeister Zohran Mamdani – Wenn Deepfakes Politik machen

Faktencheck: Wie KI-generierte Bilder von Zohran Mamdani und Jeffrey Epstein die öffentliche Meinung manipulieren sollen. Analyse der Technik und offizieller Statements.

(Foto: Screenshot/X)
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Seit der massiven Veröffentlichung von über drei Millionen Dokumenten aus dem Umfeld von Jeffrey Epstein Ende Januar 2026 ist der New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani Ziel einer beispiellosen Desinformationskampagne geworden.

In sozialen Netzwerken wie X und TikTok kursieren Bilder, die eine langjährige Nähe zwischen Mamdani und dem verurteilten Sexualstraftäter suggerieren sollen. Eine detaillierte Analyse zeigt jedoch: Hier wird modernste KI-Technologie eingesetzt, um biografische Unmöglichkeiten als Fakten zu tarnen.

Die zwei Gesichter der Fälschung: Kleinkind und Teenager

Die Kampagne stützt sich im Wesentlichen auf zwei verschiedene Typen von Bildmaterial, die beide technisch als Fälschungen entlarvt wurden:

1. Das „Baby-Foto“:

Ein Bild zeigt Mamdani angeblich als Kleinkind auf dem Arm seiner Mutter, Mira Nair, während sie neben Epstein, Bill Clinton und Jeff Bezos posiert. Die Urheber dieser Fälschung machten dabei einen entscheidenden Rechenfehler:

Um Mamdani als Baby neben Epstein zu zeigen, müsste das Foto ca. 34 Jahre alt sein (um 1991/1992). Zu diesem Zeitpunkt gab es jedoch keinerlei dokumentierte Verbindung zwischen Mira Nair und dem Epstein-Kreis. Die Ersteller gaben später auf einem Parodie-Account sogar zu: „Ich habe ihn absichtlich zum Baby gemacht, was das Bild 34 Jahre alt machen würde. Yikes.“

2. Das „Teenager-Foto“: Ein zweites Bild zeigt Mamdani als Jugendlichen in einer Gruppe mit Epstein, Ghislaine Maxwell und Bill Gates. Auch hier scheitert die Logik an der Chronologie: Mamdani war im Jahr 2009, als seine Mutter nachweislich eine Filmparty in Maxwells Haus besuchte, bereits 18 Jahre alt. Die Bilder zeigen ihn jedoch als wesentlich jüngeres Kind im Alter von etwa 10 bis 12 Jahren.

Technische Analyse: Wasserzeichen und KI-Artefakte

Dass es sich um künstliche Intelligenz handelt, ist technisch belegbar. Tools wie Googles SynthID, ein digitales Wasserzeichen zur Identifizierung von KI-Inhalten, schlugen bei den viralen Bildern sofort an.

Forensische Fehler: Bei genauerer Betrachtung weisen die Bilder die typischen „Halluzinationen“ aktueller KI-Modelle auf. Besonders auffällig ist eine Hand an Epsteins Schulter in einem der Gruppenbilder, die anatomisch zu keinem der Anwesenden passt – ein klassischer Fehler bei der Generierung komplexer Personengruppen durch Algorithmen.

Zudem sind die Lichtverhältnisse auf den Gesichtern der Beteiligten inkonsistent; während einige Gesichter von links beleuchtet werden, liegt der Schatten bei anderen auf derselben Seite.

Metadaten-Check: Echte Fotografien aus den frühen 90ern oder 2000ern weisen eine spezifische digitale Körnung oder chemische Textur auf. Die Mamdani-Bilder hingegen besitzen die glatte, rauschfreie Oberfläche moderner KI-Modelle, die darauf optimiert sind, „perfekte“ Ästhetik zu generieren.

Der Ursprung: Missbrauch des Transparency Acts

Die Kampagne nutzt geschickt den „Epstein Files Transparency Act“, den Donald Trump im November 2025 unterzeichnete. Seit dem 30. Januar 2026 fluten Millionen Dokumente das Netz. In dieser Datenmenge versteckt sich ein einziger, harmloser Fakt: Eine E-Mail der Public-Relations-Expertin Peggy Siegal vom 21. Oktober 2009.

Darin berichtet sie Epstein von einer After-Party für Mira Nairs Film Amelia, die im Stadthaus von Ghislaine Maxwell stattfand. Mira Nair wird dort als einer von vielen prominenten Gästen gelistet. Es gibt jedoch in den gesamten 3,5 Millionen Seiten keinen Hinweis auf eine private Freundschaft, geschweige denn auf eine Einbindung ihres Sohnes Zohran in dieses Umfeld.

Politische Reaktion und Sicherheitsbehörden

Bürgermeister Mamdani reagierte in einer offiziellen Pressekonferenz deutlich:

„Diese Bilder sind eine gefährliche Ablenkung. Sie sind Teil einer Strategie, die darauf abzielt, meine Verwaltung zu delegitimieren, noch bevor wir unsere Arbeit richtig aufnehmen konnten.“

Auch die New Yorker Polizei (NYPD) hat sich eingeschaltet. Ein Sprecher der Abteilung für Cyberkriminalität erklärte gegenüber CBS News:

„Wir beobachten eine Zunahme von KI-generiertem Material, das speziell darauf ausgelegt ist, Amtsträger zu diskreditieren. Die Qualität dieser Deepfakes nimmt zu, aber die forensischen Spuren sind nach wie vor eindeutig nachweisbar.“

Einordnung

Zohran Mamdani, der erste muslimische Bürgermeister New Yorks, wurde hier Opfer einer hochkomplexen Operation. Dass er als Abgeordneter Mitinitiator des „Stop Fakes Act“ gegen digitale Überwachung war, verleiht dem Fall eine bittere Ironie.

Die Verbreitung dieser Bilder zeigt, wie einfach es geworden ist, aus einem Funken Wahrheit (ein Name in einer E-Mail) ein loderndes Feuer aus Lügen zu entfachen. Für die Bürger gilt: Ein Bild ist kein Beweis mehr. Vor allem, wenn es chronologische Unmöglichkeiten enthält und aus Quellen stammt, die sich hinter dem Deckmantel der „Parodie“ verstecken.