NSU-Morde
NSU-Prozessakten auf Bürgersteig in Köln aufgetaucht

Geschredderte Akten, verbrannte Zeugen, vertrauliches Material auf dem Bürgersteig: Der bereits zum wiederholten Male von dubiosen Begleiterscheinungen überschattete Prozess um die Mordserie des „Nationalsozialistischen Untergrundes“ (NSU) ist um einen skandalösen Vorfall reicher.

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NSU-Prozessakten auf Bürgersteig in Köln aufgetaucht

Köln (nex) – Der bereits zum wiederholten Male von dubiosen Begleiterscheinungen überschattete Prozess um die Mordserie des „Nationalsozialistischen Untergrundes“ (NSU) ist um einen peinlichen Vorfall reicher. Wie der Vorsitzende Richter Manfred Götzl den Verfahrensbeteiligten eröffnete, habe das Fundbüro in Köln-Ehrenfeld im Gericht angerufen und gemeldet, eine CD mit vertraulichen Aktenstücken aus dem Verfahren sei auf einem Bürgersteig gefunden worden.

Auf Nachfrage wollte jedoch keiner der Anwälte eine Lieferung vermisst haben. Nachlieferungen dieser Art sind seit Beginn des Prozesses gegen die Hauptangeklagte Beate Zschäpe im Mai 2013 Gang und Gäbe. In ihnen werden Dokumente von Ermittlungsbehörden oder Schreiben der Prozessbeteiligten zusammengefasst, digitalisiert und als CDs vom Gericht verteilt. Zschäpe steht gemäß der Anklage seitens der Bundesanwaltschaft im Verdacht, an einer Serie von zehn Morden und weiteren Verbrechen in den Jahren 2000 bis 2007 beteiligt gewesen zu sein, die vorwiegend aus rassistischen Beweggründen begangen worden waren.

Seit Entdeckung des neonationalsozialistischen Terrornetzwerkes werden die Ermittlungen von einer Reihe offener Fragen und mysteriöser Vorfälle begleitet. So wurden mehrfach in Verfassungsschutzämtern Akten vernichtet, die sich auf die Tatverdächtigen bezogen, darüber hinaus bleibt die Rolle einiger Mitarbeiter und Zuträger des Inlandsgeheimdienstes ungeklärt, die sich in deren Umfeld bewegten, und außerdem fällt die verhältnismäßig geringe Lebenserwartung nicht nur unter den mutmaßlichen Mittätern Beate Zschäpes, sondern auch jene von Zeugen auf.

Beispielsweise verbrannte am 16. September 2013 ein 21-jähriger Zeuge in einem Wagen in Stuttgart, der wenige Meter vor jener Polizeibehörde abgestellt war, gegenüber der er wenig später über seine Beobachtungen aussagen sollte, und im April 2014 verschied der langjährige führende Neonazi und V-Mann „Corelli“, auch bekannt als Thomas R., im Alter von 39 Jahren, angeblich an den Folgen einer bis dahin unbekannten Diabetes-Erkrankung.

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