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Missbrauchsfall Lügde: Möglicherweise Beweismaterial verbrannt

Im Fall des Missbrauchsskandals auf einem Campingplatz im nordrhein-westfälischen Lügde hat es offenbar eine weitere erhebliche Ermittlungspanne gegeben. Möglicherweise ist Beweismaterial zerstört worden.

(Symbolfoto: nex24)
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Im Fall des Missbrauchsskandals auf einem Campingplatz im nordrhein-westfälischen Lügde hat es offenbar eine weitere erhebliche Ermittlungspanne gegeben. Möglicherweise ist Beweismaterial zerstört worden.

Nach Informationen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung haben Polizei und Staatsanwaltschaft einen Schuppen des Hauptbeschuldigten erst durchsucht, nachdem der Verschlag von einem Abrissunternehmer bereits Tage zuvor entrümpelt worden war. In einer gemeinsamen Pressemitteilung am Montagabend erwähnen die Ermittler das nicht. Sie erklärten, bislang nicht gewusst zu haben, dass der Schuppen dem Hauptverdächtigen zuzuordnen sei.

Der mutmaßliche Tatort auf dem Campingplatz in Lügde ist seit Ende März von den Ermittlern offiziell freigegeben worden. Der Abrissunternehmer Christopher Wienberg aus Bad Pyrmont hatte den Auftrag für den Abriss der Campingplatz-Behausung des Hauptverdächtigen erhalten. Gegenüber Reportern von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung sagte er, seine Mitarbeiter und er hätten aus dem Schuppen mehrere Kisten herausgetragen und in Container mit Abrissschutt geworfen. Sie hätten die Kisten dabei nicht durchsucht. „Es ist ja eigentlich auch nicht unsere Aufgabe nach Spuren hier zu suchen oder zu gucken, ob irgendwo was vergessen wurde“, so Wienberg. Die Container mit dem Schutt wurden anschließend zu einer Müllverbrennungsanlage gefahren.

Die zuständige Polizei Bielefeld und die Staatsanwaltschaft Detmold ließen eine Anfrage unbeantwortet, ob damit möglicherweise Beweismaterial vernichtet worden sei.

Reporter von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung hatten am Montagnachmittag bei der Polizei Bielefeld angefragt, ob der Schuppen in direkter Nähe zur Parzelle des Hauptverdächtigen durchsucht worden sei. Polizei und Staatsanwaltschaft beantworteten diese Frage ebenfalls nicht. In einer gemeinsamen Pressemitteilung teilten sie allerdings Stunden später mit, sie hätten im Rahmen von Ermittlungen auf dem Campingplatz in Lügde einen Geräteverschlag festgestellt, der dem Hauptbeschuldigten zuzuordnen sei.

Bei einer Durchsuchung seien Werkzeuge und Metallschrott gefunden worden, allerdings keine Gegenstände, die als Beweismittel in Frage kämen. Diese Durchsuchung hatte allerdings erst nach der Anfrage der Reporter und damit auch drei Tage nach der Entrümpelung durch den Abrissunternehmer stattgefunden.

Die Abrissarbeiten auf der Parzelle des Hauptverdächtigen im Fall Lügde wurden von der Polizei nicht überwacht. Die Bauarbeiter haben in den vergangenen Tagen mehrfach Datenträger im Schutt gefunden, darunter mehrere CDs, Disketten und Videokassetten.

Anwalt Roman von Alvensleben, der ein minderjähriges Opfer vertritt, sagte, er habe noch nie einen Fall erlebt, bei dem derart nachlässig und fehlerhaft ermittelt worden sei. „Das jetzt ein ganzer Schuppen, der sich gerade dazu eignet, Dinge zu verstecken, unbeachtet geblieben ist, erscheint schon sehr grotesk.“

Der innenpolitische Sprecher der SPD im nordrhein-westfälischen Landtag, Hartmut Ganzke, sagte bereits gestern NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung, er wolle nicht mehr von Ermittlungspannen sprechen. Er beschrieb die Ermittlungen als „das reinste Chaos“. Damit die Bevölkerung wieder Vertrauen gewinne, müsse Nordrhein-Westfalens Innenminister, Herbert Reul (CDU), Verantwortung übernehmen und zurücktreten.

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