Menschenrechtsverletzungen in China
In chinesischen Camps gefolterte Uigurin Mihrigul Tursun: „Ich bat sie, mich umzubringen“

Sie wurde zusätzlich mit Elektroschocks gefoltert. Innerhalb von drei Monaten ihrer Internierung starben neun Insassen ihrer Zelle. Sie selbst bat ihre Folterer mehrfach, sie zu töten. Von ihren kurz vor ihrer Ankunft in China aus Ägypten geborenen Drillingen starb eines, die beiden anderen erkrankten schwer.

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Von Prof. Dr. Hans-Christian GüntherNEX24 veröffentlichte vor kurzem eine Liste

von in China internierten Wissenschaftlern. Der erste, der genannt wurde, war der Historiker Askar Yunus. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass Askar Yunus der Bruder des kirgisischen Abgeordneten Adhil Zhunus ist:

The brother of a sitting lawmaker in Kyrgyzstan has reportedly been arrested as part of the Chinese government’s relentless security sweep in its Xinjiang province.

Adhil Zhunus, wie sein Bruder in China geboren, wurde kirgisischer Staatsbürger und ist der erste aus China stammende Abgeordnete im Parlament von Kirgisistan. Das Pikante an der Angelegenheit ist, dass Adhil Zhunus sich als ein Brückenbauer zwischen China und Kirghistan ansah und eine enge Zusammenarbeit mit China gefördert hatte. Man darf gespannt sein.

Dieser Fall ist freilich nur ein zufällig prominenter Fall dieser Art. Sowohl in Kirgisistan als auch in Kasachstan förderte man nach der Unabhängigkeit die Rückkehr kirgisisch- und kasachisch-stämmiger chinesischer Bürger nach Kirgisistan und Kasachstan. Insbesondere kehrten so viele Familien für das Studium ihrer Kinder in diese Länder zurück. So entstanden viele gespaltene Familien, oft mit der älteren Generation in China, der jüngeren in Kirghistan oder Kasachstan. Auch Personen uigurischer Herkunft besitzen manchmal kasachische Staatsangehörigkeit. Häufige Besuche derartiger Personen in China waren üblich.

Ein Problem wurde dies, seit in Xinjiang Angehörige aller muslimischen Minderheiten rücksichtslos interniert werden, dabei macht China selbst vor kasachischen Staatsbürgern nicht halt.

Erst vor kurzem hat eine uigurische Staatsbürgerin Kasachstans, Gulbahar Jelil, berichtet, dass chinesische Behörden Ihren Geschäftspartner in Xinjiang erpresst hatten, sie unter Vorspiegelung von geschäftlichen Erfordernissen nach Xinjiang zu locken. Dort wurde ihr der kasachische Pass entzogen und ein chinesischer Personalausweis ausgestellt, obwohl sie nie Staatsbürgerin der VR China war.

Sie wurde in ein Konzentrationslager gebracht, wo 30 Frauen in einer Zelle von 14 Quadratmetern untergebracht waren. Um schlafen zu können, musste abwechselnd die Hälfte der Insassen stehen. Es gab eine Toilette, so gut wie keinerlei Waschgelegenheit, die Zelle wurde durch Kameras total überwacht.

Gespräche unter den Gefangenen waren verboten, mit dem Wärtern war nur die chinesische Sprache erlaubt, von der die Frau nur einzelne Wörter wie ,Danke‘ kannte. Durch die mangelnde Nahrung waren die Personen allesamt unterernährt. Regelmäßig wurden zwangsweise Medikamente verabreicht, die die Gefangenen psychisch benommen machten und zur Ausfall der Menstruation führten. Viele jüngere Frauen verloren den Verstand, schlugen ihren Kopf gegen die Wand oder beschmierten Sie mit Kot. Sie wurden von den Wärtern entfernt.

Dieser Bericht stimmt fast völlig mit den Erlebnissen einer Uigurin, Mihrigul Tursun, überein, die in den USA auf einer Pressekonferenz und dann auch vor einem Ausschuss des amerikanischen Senats ausgesagt hat.

Sie wurde zusätzlich mit Elektroschocks gefoltert. Innerhalb von drei Monaten ihrer Internierung starben neun Insassen ihrer Zelle. Sie selbst bat ihre Folterer mehrfach, sie zu töten. Von ihren kurz vor ihrer Ankunft in China aus Ägypten geborenen Drillingen starb eines, die beiden anderen erkrankten schwer. Sie kam am Ende frei, um letzere, die die ägyptische Staatsangehörigkeit besaßen zur Behandlung nach Ägypten zurückzubringen. Für den Fall, dass sie nicht zurückkehre und über ihre Erlebnisse spreche, wurde ihr die Bestrafung ihrer Verwandten in Xinjiang angedroht.

Die Kinder der kasachischen Staatsbürgerin hatten unmittelbar nach der Internierung der Mutter eine Petition gestartet. Auf Anfrage kasachischer Behörden wurde, zunächst die Existenz der Person bestritten, am Ende wurde sie dann doch entlassen mit der Auflage, nicht über ihre Erlebnisse zu berichten, sonst würden ihre Verwandten bekannt. Die Frau begab sich von Kasachstan in die Türkei, wo sie ihre Aussage unbehinderter machen konnte.

Glücklicherweise sagen inzwischen immer mehr Opfer chinesischer KZs im Ausland aus, da sie wissen, dass ohnehin niemand vor den chinesischen Behörden sicher ist und somit ihre Verwandten ohnehin aller Wahrscheinlichkeit nach interniert oder gefoltert werden. Dies dürfte zu weniger Ausreiseerlaubnissen führen, vor allem führt es aber nachweislich dazu, dass Uiguren auch im Ausland immer unverschämter bespitzelt und bedroht werden. Davon werde ich noch berichten.

Jedenfalls hat der Druck der Öffentlichkeit die kasachischen Behörden bereits veranlasst, sich für die Freilassung kasachischer Bürger einzusetzen. Ein Gerichtsurteil hat auch festgeschrieben, dass in Kasachstan befindliche Uighuren auch mit chinesischer Staatsbürgerschaft nicht an China ausgeliefert werden.

Controversial trial in Kazakhstan sheds light on Chinese camps

Sowohl in Kasachstan als auch in Kirgisistan wird der Druck der Öffentlichkeit, etwas gegen die chinesische Internierungspolitik in Xinjiang zu unternehmen, immer stärker. In beiden Ländern haben sich inzwischen Bürgerinitiativen etabliert, die die Beendigung der Internierung kasachischer und kirghisischer Personen in China fordern.

Central Asians Organize to Draw Attention to Xinjiang Camps

In keinem der beiden Länder hat sich freilich die Regierung bislang zu einem öffentlichen Protest bereitgefunden, im Gegenteil: die kasachische Regierung hat versucht, der entsprechenden Bürgerinitiative einen Maulkorb umzuhängen.

Selbstverständlich sind beide Länder stark von chinesischen Investitionen abhängig. Man darf sich aber dennoch fragen, wie weit man in Servilität und Mangel an Selbstrespekt als souveräner Staat gehen kann, wenn man noch nicht einmal einen Nachbarstaat deutlich zu mahnen bereit ist, Bürger des eigenen Staates nicht wie selbstverständlich in Konzentrationslagern zu foltern.


Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.


Zum Thema

– Menschenrechtsverletzungen in China –
Bericht: China verstärkt Repressalien gegen muslimische Uiguren

Eine Untersuchung des Wall Street Journal enthüllt, was in Chinas wachsendem Netzwerk von Internierungslagern, wo Hunderttausende von ethnischen Uiguren festgehalten werden, vorgeht. Wie WSJ berichtet, habe China sein Internierungsprogramm, das ursprünglich auf ethnische uigurische Extremisten zielte, scharf erweitert.

Bericht: China verstärkt Repressalien gegen muslimische Uiguren


Prof. Dr. Hans-Christian Günther

Geb. am 28.4.1957 in Müllheim / Baden

Professor für klassische Philologie an der Albert-Ludwigs-Universität. Zahlreiche Publikationen und Gastprofessoren. Lange Aufenthalte in der VR China. Im Bereich der Altertumswissenschaft besonderer Schwerpunkt auf der politischen Dichtung der Augusteer und allgemein der Reflexion antiker Autoren auf ihre gesellschaftliche Stellung und Verantwortung

Seit 2004 Tätigkeit im Bereich des Dialogs der Religionen und Kulturen mit zahlreichen Veröffentlichungen.

Zahlreiche Publikationen und Gastprofessoren. Lange Aufenthalte in der VR China. Im Bereich der Altertumswissenschaft besonderer Schwerpunkt auf der politischen Dichtung der Augusteer und allgemein der Reflexion antiker Autoren auf ihre gesellschaftliche Stellung und Verantwortung Seit 2004 Tätigkeit im Bereich des Dialogs der Religionen und Kulturen mit zahlreichen Veröffentlichungen.

Ausgebildet in Freiburg und Oxford. Stipendiat der DFG und der Alexander von Humboldt -Stiftung. Gerhard Hess Preis der DFG.

Zahlreiche Publikationen (ca. 40 Bücher, u.a. Brill’s Companion to Propertius, Brill’s Companion to Horace) im Bereich der antiken Philosophie und Literatur, der Byzantinistik, Neogräzistik, modernen Literatur und Philosophie, Ethik und Politik. Zahlreiche Versübersetzungen aus dem Lateinischen, Italienischen, Neugriechischen, Georgischen, Japanischen und Chinesischen.

Lehrt regelmäßig in Italien, zahlreiche Gastaufenthalte in der Schweiz, Polen, Georgien, Indonesien, Iran, Seoul, Tokyo und vielen chinesischen Universitäten. Herausgeber mehrerer Buchreihen, im wissenschaftlichen Beirat zahlreicher wissenschaftlichen Zeitschriften.

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