Bochum – Deutsche Wissenschaftler haben den Wertewandel der vergangenen Jahrzehnte und seine Folgen für die psychische Gesundheit unter die Lupe genommen. Die Erkenntnisse zu jungen Leuten sind überraschend.
Religiöser Glaube ist laut einer aktuellen Untersuchung der Ruhr-Universität Bochum (RUB) ein wesentlicher Schutzfaktor für die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen.
Ein Team des Forschungs- und Behandlungszentrums für psychische Gesundheit analysierte hierfür Daten aus 70 Ländern über einen Zeitraum von 1989 bis 2022. Die Ergebnisse verdeutlichen einen direkten Zusammenhang zwischen dem Rückgang religiöser Bindung und der Zunahme von Angststörungen in jungen Altersgruppen.
Die Studie stützt sich auf umfassende Gesundheitsdaten zur Häufigkeit von Angststörungen bei Kleinkindern, Kindern und Jugendlichen sowie auf Kulturdaten des World Values Survey. Dieser globale Datensatz ermöglichte es den Forschern, den Wandel kultureller Werte und deren Auswirkungen auf das soziale Leben über Jahrzehnte hinweg zu verfolgen. Dabei kristallisierte sich heraus, dass insbesondere in Ländern, in denen Religiosität stark an Bedeutung verloren hat, die Rate psychischer Erkrankungen bei Minderjährigen signifikant angestiegen ist.
Ein zentraler Aspekt der Analyse ist der Trend zu gesteigerter Eigenständigkeit und Individualität in westlichen Gesellschaften. Während die Förderung der kindlichen Autonomie oft als erstrebenswert gilt, kann dieser Perspektivwechsel laut den Forschern die Entstehung von Ängsten begünstigen.
Wegfall religiöser Routinen und stabiler sozialer Netzwerke hinterlässt Lücke
Der Wegfall religiöser Routinen und stabiler sozialer Netzwerke, die oft mit Glaubensgemeinschaften einhergehen, hinterlasse eine Lücke. Familien seien zunehmend isoliert, was die psychische Widerstandsfähigkeit (Resilienz) junger Menschen schwäche.
Ergänzende internationale Erkenntnisse, unter anderem der National Institutes of Health (NIH), unterstreichen zudem die Bedeutung von „positivem religiösem Coping“. Das Finden von Trost und Sinn im Glauben sowie die Einbindung in eine spirituelle Gemeinschaft reduzieren Stress und fördern das Wohlbefinden.
Über alle Kontinente hinweg bleibt jedoch die Abnahme der Religiosität in der Erziehung ein entscheidender Risikofaktor. Experten schlagen daher vor, diese Erkenntnisse künftig stärker in schulische Strategien zur psychischen Gesundheit einzubeziehen, um Jugendlichen zusätzliche Werkzeuge zur Bewältigung von Lebenskrisen an die Hand zu geben.

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