Start Politik Ausland Baku Aserbaidschan: Alijew erhält Anruf aus Teheran

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Aserbaidschan: Alijew erhält Anruf aus Teheran

Nachitschewan-Angriff: Präsident Pezeshkian bestreitet im Telefonat mit Ilham Aliyev eine iranische Beteiligung und kündigt eine offizielle Untersuchung an.

Bei einem Treffen im Juni 2025
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Baku – In einem Telefonat am 8. März 2026 zwischen dem iranischen Präsidenten Masoud Pezeshkian und dem aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Aliyev wurde die angespannte Lage nach den jüngsten Drohnenangriffen auf die aserbaidschanische Exklave Nachitschewan thematisiert.

Das Gespräch verleiht der komplexen Situation zwischen den beiden Ländern eine weitere Ebene, da weiterhin Spekulationen kursieren, Aserbaidschan könne in den laufenden Krieg hineingezogen werden.

Dementi aus Teheran und bilaterale Beileidsbekundungen

Präsident Pezeshkian betonte während des Telefonats ausdrücklich, dass der Vorfall mit den Luftangriffen auf Nachitschewan keinen Zusammenhang mit dem Iran habe. Er sicherte zu, dass der Vorfall untersucht werde. Der aserbaidschanische Staatschef Aliyev unterstrich seinerseits die Notwendigkeit und Bedeutung einer lückenlosen Aufklärung der Ereignisse in der Exklave.

Pezeshkian drückte zudem seine Dankbarkeit gegenüber Präsident Aliyev aus, da dieser die iranische Botschaft in Baku besucht hatte, um sein Beileid zum Tod des Obersten Führers der Islamischen Republik Iran, Ajatollah Seyyed Ali Khamenei, sowie zahlreicher Zivilisten auszusprechen.

Ebenso dankte er für die Absicht Aserbaidschans, dem Iran humanitäre Hilfe zu leisten. Aliyev bekräftigte sein Beileid für die zivilen Opfer der jüngsten Ereignisse im Iran erneut.

Hintergrund der Angriffe auf Nachitschewan

Am vergangenen Donnerstag hatte das aserbaidschanische Außenministerium mitgeteilt, dass die Exklave Nachitschewan von Drohnen getroffen wurde, die von iranischem Territorium aus gestartet worden seien. Eine Drohne schlug in das Terminalgebäude des internationalen Flughafens von Nachitschewan ein, während eine weitere nahe einem Schulgebäude im Dorf Shakarabad niederging.

In dem offiziellen Bericht zum Telefonat wurde nicht erwähnt, wer laut Pezeshkian stattdessen für die Angriffe verantwortlich sein könnte. Seit dem 28. Februar führen Israel und die USA eine großangelegte Offensive gegen den Iran durch, bei der Berichten zufolge über 1.200 Menschen, darunter die Staatsspitze und ranghohe Militärs, getötet wurden. Der Iran reagierte darauf mit Drohnen- und Raketenangriffen gegen Israel sowie Länder, die US-Militäreinrichtungen beherbergen.

Sicherheitslage und Terrorismusvorwürfe

Bereits am Samstag erklärte der aserbaidschanische Sicherheitsdienst (DTX), er habe einen vom iranischen Revolutionsgardekorps (IRGC) organisierten Terroranschlag vereitelt. Ziel des Komplotts sollen die Baku-Tiflis-Ceyhan-Pipeline (BTC) sowie mehrere jüdische Einrichtungen in Aserbaidschan gewesen sein.

Obwohl der DTX am 6. März ein Video der Ermittlungen veröffentlichte, deuten Informationen der staatlichen Nachrichtenagentur Azertac darauf hin, dass einige Verdächtige bereits verurteilt wurden. Dies lässt darauf schließen, dass die Planung des Anschlags bereits lange vor den aktuellen Drohnenangriffen stattfand. Dieser Terrorplot war kein Bestandteil der offiziellen Zusammenfassung des Telefonats zwischen Aliyev und Pezeshkian.

Humanitäre Lage und Wirtschaftsprojekte

Neben den sicherheitspolitischen Themen tauschten sich die Präsidenten über die Perspektiven für die Entwicklung gemeinsamer Wirtschaftsprojekte aus. Inmitten der regionalen Spannungen wurde zudem bekannt, dass knapp 1.900 Menschen aus dem Iran nach Aserbaidschan evakuiert wurden.