Naher Osten
Analyst Peter Germanos: Türkischer Pragmatismus schafft Stabilität

Der Analyst Peter Germanos lobt die strategische Klarheit der Türkei. Er vergleicht den Erfolg in Idlib und Zypern mit dem Scheitern Europas im Libanon.

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Beirut – Der libanesisch-stämmige Experte für internationale Beziehungen, Peter Germanos, hat in einer aktuellen Analyse den strategischen Kontrast zwischen europäischer Diplomatie und türkischem Pragmatismus hervorgehoben.

Laut Germanos habe die Türkei in Regionen wie Nordzypern und Idlib/Syrien bewiesen, dass Stabilität kein bloßes „Slogan“, sondern eine „durch Macht, Sicherheitskontrolle, institutionelle Unterstützung und politische Klarheit aufgebaute Strategie“ sei.

„Europäische Demagogie gegen türkischen Pragmatismus

In seinem jüngsten Kommentar auf der Plattform X stellt Germanos das türkische Vorgehen dem europäischen Agieren im Libanon gegenüber. Während Europa im Libanon ein „bewaffnetes Ungleichgewicht toleriert“ und Souveränität durch eine „verwaltete Instabilität“ ersetzt habe, habe Ankara in Nordzypern und Syrien klare Strukturen geschaffen.

In Nordzypern habe die Türkei den Konflikt zwischen Christen und Muslimen „eingefroren und Ordnung durchgesetzt“. Zwar entspreche dies vielleicht nicht formaler Legalität, wohl aber bringe es „Frieden und Ordnung“. Auch in Idlib habe die Türkei inmitten von Gewalt und Chaos eine „funktionierende Enklave“ geschaffen.

Wo Europa laut Germanos lediglich ein „Abdriften administrativ verwalte“, baue die Türkei gezielte Kontrollzonen auf. Das Ergebnis sei eindeutig: „Stabilität dort, wo Macht behauptet wird, und permanente Krisen dort, wo Unklarheit bewahrt wird.“

Der Sieg über die strategische Einkreisung

Diese aktuelle Einschätzung knüpft an frühere Analysen von Germanos an, in denen er den Aufstieg der Türkei in der Levante als „einzigartiges Beispiel in der modernen Geschichte des Nahen Ostens“ bezeichnete. Er erinnerte daran, dass die Türkei noch im Jahr 2018 an ihrer Südgrenze faktisch eingekreist gewesen sei. Auf der einen Seite habe die Achse aus Russland, Iran und dem Assad-Regime gestanden, auf der anderen die vom US-Kommando CENTCOM unterstützte PKK/YPG.

Ankara habe es jedoch geschafft, diese Bedrohungslage durch eine seltene Koordination von Diplomatie, Geheimdienst und militärischer Führung umzukehren. Germanos betont, dass die Türkei dabei keine direkte Konfrontation mit Großmächten gesucht habe. Stattdessen seien Moskau und Teheran durch „maßvolle Diplomatie“ in Schach gehalten worden, während man das „Kurd-Projekt Washingtons“ durch konstanten militärischen Druck und politische Isolation effektiv neutralisiert habe.

Kontrollierter Staatsaufbau statt Besatzung

Besonders hervorzuheben sei laut Germanos, dass die Türkei nicht als klassische Besatzungsmacht agiere. Syrien sei für Ankara heute kein bloßer Bedrohungsherd mehr, sondern eine „Pufferzone und ein strategischer Einflussbereich“. Die Türkei habe das Kunststück vollbracht, einen gescheiterten Staat nicht durch Annexion, sondern durch einen „kontrollierten Staatsaufbau über lokale Akteure“ neu zu gestalten.

Die von Ankara ausgebildeten und strukturierten Oppositionsgruppen hätten sich von zersplitterten Milizen zur „dominanten politisch-militärischen Autorität“ entwickelt. Germanos kommt zu dem Schluss, dass dieser Erfolg – zeitgleich gegen die Interessen Russlands, des Irans und der USA erzielt – die Türkei in eine eigene Kategorie hebe: Sie gehöre zu den wenigen Staaten der Moderne, die die politische Ordnung ihrer Nachbarn ohne direktes „imperiales Regiment“ grundlegend neu gestalten können.

 


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