
Ankara – Inmitten einer sich rasant neu ordnenden Weltwirtschaft setzen der Irak und die Türkei ein Zeichen für infrastrukturelle Unabhängigkeit.
Das „Development Road Project“ (Kalkınma Yolu), eine gigantische, 1.200 Kilometer lange Schienen- und Straßenverbindung, die den Persischen Golf direkt mit dem türkischen Grenzort Ovaköy und damit mit Europa verbindet, hat im Januar 2026 entscheidende Fortschritte erzielt.
Während die westliche Berichterstattung das Projekt oft noch als Zukunftsmusik abtut, schaffen die beteiligten Akteure vor Ort Fakten, die das Monopol des Suezkanals brechen könnten.
Das Ende des Suez-Nadelöhrs? Ein technischer Vergleich
Das Herzstück des Projekts ist der im Süden des Irak gelegene Grand Faw Port. Aktuelle Daten vom Januar 2026 bestätigen, dass die erste Phase des Tiefwasserhafens bereits voll funktionsfähig ist und die ersten großen Containerschiffe abgefertigt wurden.
Der entscheidende Vorteil gegenüber der traditionellen Route durch den Suezkanal ist die Zeitersparnis: Experten der internationalen Schifffahrtsverbände kalkulieren, dass der Weg von den Produktionszentren in Indien und Südostasien über Basra und die Türkei nach Mitteleuropa die Transitzeit um bis zu 15 Tage verkürzt.
Manche optimistische Quellen sprechen sogar von 20-25 Tagen. In einer Welt des „Just-in-Time“-Handels ist dieser Zeitgewinn ein massiver wirtschaftlicher Faktor, der die Logistikkosten pro Container drastisch senken könnte.
Ankara und die Golfstaaten: Eine Allianz der Investoren
Das 17-Milliarden-Dollar-Projekt wird nicht vom Irak allein gestemmt. Im Januar 2026 zeigt sich die volle Schlagkraft des im Vorjahr unterzeichneten Vierer-Abkommens zwischen dem Irak, der Türkei, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE).
Während Katar und die VAE als strategische Finanziers fungieren, stellt die Türkei die technologische Expertise und die notwendige Anbindung an das europäische Schienennetz bereit.
Präsident Erdoğan betonte erst kürzlich, dass die Entwicklungsstraße nicht nur ein Verkehrsweg, sondern ein „Friedenskorridor“ sei. Entlang der Route sollen bis 2030 insgesamt 15 Industriestädte entstehen, die lokale Wertschöpfungsketten schaffen und den Irak von der reinen Abhängigkeit von Ölexporten befreien sollen. Für die Türkei festigt dies die Rolle als unverzichtbarer Energie- und Logistik-Hub der Hemisphäre. „Wir werden das Projekt „Development Road“ zur neuen „Seidenstraße“ unserer Region machen“, so der türkische Staatschef.

An dem Treffen nahmen der türkische Minister für Verkehr und Infrastruktur, Abdulkadir Uraloğlu, der irakische Verkehrsminister Razzaq Muhaybis al-Saadawi, der Minister für Energie und Infrastruktur der Vereinigten Arabischen Emirate, Suhail bin Faris Al Mazrouei, und der katarische Minister für Verkehr und Kommunikation, Jassim Saif Al Sulaiti, t
Türkische Bauunternehmen übernehmen Löwenanteil
Ein entscheidender Faktor für den Erfolg der Entwicklungsstraße ist die Einbindung internationaler Expertise. Während südkoreanische Giganten wie Daewoo E&C den Bau des Grand Faw Ports vorangetrieben haben, wird erwartet, dass türkische Bauunternehmen den Löwenanteil der Schienen- und Autobahnabschnitte übernehmen.
Dies stärkt nicht nur die bilateralen Beziehungen zwischen Ankara und Bagdad, sondern schafft auch über 100.000 neue Arbeitsplätze in der Region.
Kritiker verweisen oft auf die Sicherheitslage im Nordirak. Doch auch hier haben die Beteiligten bereits reagiert: Ein gemeinsames Sicherheitskonzept der Türkei und des Iraks sieht vor, die Route durch moderne Überwachungstechnologie und eine verstärkte Militärpräsenz in den Grenzregionen zu schützen.
Ziel ist es, den Korridor zu einer der sichersten Handelsverbindungen der Welt zu machen, um das Vertrauen internationaler Logistikriesen langfristig zu gewinnen.“
Chance für deutsche Lieferketten
Trotz der enormen strategischen Relevanz für die deutsche Exportwirtschaft findet das Projekt in deutschen Leitmedien kaum Erwähnung. Dabei ist der Korridor die Antwort auf die zunehmende Instabilität am Roten Meer und die logistischen Engpässe der letzten Jahre.
Deutsche Unternehmen im Bereich Anlagenbau, Signaltechnik und Logistik könnten massiv von der neuen Route profitieren. Doch während China und die Golfstaaten bereits investieren, verharrt man in Europa in einer abwartenden Haltung. Die „Entwicklungsstraße“ zeigt deutlich, dass sich die Handelsströme der Zukunft längst jenseits der etablierten Pfade organisieren.
Hintergrund: Die Fakten zur Entwicklungsstraße
Länge: 1.200 km Hochgeschwindigkeitszüge (bis zu 300 km/h) und Autobahnen.Kosten: Geschätzte 17 bis 20 Milliarden US-Dollar. Einige neuere Schätzungen (inklusive der Ausbaustufen bis 2050) gehen jedoch von mehr aus.Kapazität: Ziel ist ein Umschlag von 3,5 Millionen Containern (TEU) pro Jahr in der ersten Phase.Verbindung: Hafen Grand Faw (Irak) – Diwaniyah – Bagdad – Mossul – Ovaköy (Grenze Türkei) – Mersin/Istanbul – Europa.


































































