Nahost
Türkei: Israel sieht Bedrohung durch Atomprojekt

Ein Indiz dafür, dass die Türkei Urananreicherung anstrebt, könnte der Deal im Oktober 2024 mit dem afrikanischen Staat Niger sein, der sich bereist im Juli 2024 angekündigt hatte

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Ein Gastkommentar von Nabi Yücel

Weil die Türkei ihr Kernkraftwerk-Programm im Land beschleunigt, sieht Israel darin eine Bedrohung und kommuniziert das inzwischen als Atomprojekt, mit dem unabhängigen Uran angereichert werden soll. Aber waren es nicht Israel und der Iran, die diesen Dominoeffekt vorantrieben?

Im Dezember 2024 stürzten syrische Rebellen der Haiʾat Tahrir asch-Scham (HTS) die Regierung von Baschar al-Assad. Höchstwahrscheinlich hatte die Türkei hier die Finger im Spiel. Assads Sturz schwächte auch den Iran, das durch schwere militärische Schläge Israels geschwächt ist.

Teheran ist angesichts Ankaras Vorgehen in Syrien sowohl verärgert als auch brüskiert, zeigt sich dennoch reserviert, da es den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan seit längeren verdächtigt, die Türkei als dominierende Macht in der Region positionieren zu wollen.

Aus Angst vor weiteren israelischen Angriffen und türkischen Ambitionen auf eine regionale Hegemonie, könnte Teheran seine Urananreicherung zur Abschreckung auf waffenfähiges Niveau jetzt erst recht erhöhen.

Ankara, dass die Zukunft Syriens weiterhin dominieren und das entstandene Machtvakuum füllen will, könnte und müsste angesichts der Lage – einerseits der Atommacht Israel, anderseits die Atommacht Iran – zur eigenen Absicherung, ebenfalls die unabhängige nukleare Abschreckung anstreben.

Doch Ankara unterzeichnete auch das erweiterte IAEA-Inspektionsabkommen, das Zusatzprotokoll (AP), mit der die IAEA besser in die Lage versetzt wurde, Aktivitäten wie Gaszentrifugenanlagen (Anlagen zur Herstellung von angereichertem Uran) aufzudecken, die der Unterzeichnerstaat nicht angegeben hat.

Die Erzeugung von Atomstrom bietet Ankara die Möglichkeit, grundlegende nukleare Infrastruktur, Know-how und Wissen zu erwerben. Atomenergieprogramme dienten Staaten wie dem Iran bereits als Deckmantel für den Import benötigter Ausrüstung für Atomwaffen.

Als Mitglied der Gruppe der Nuklearlieferanten (NSG) ist die Türkei rechtlich nicht verpflichtet, die NSG über direkte Importe und Exporte von Atomwaffen zu informieren. Zudem kann Ankara auch vom Atomwaffensperrvertrag abrupt aussteigen.

Ein Indiz dafür, dass die Türkei Urananreicherung anstrebt, könnte der Deal im Oktober 2024 mit dem afrikanischen Staat Niger sein, der sich bereist im Juli 2024 angekündigt hatte.

Der türkische Außenminister Hakan Fidan und der Nachrichtendienstdirektor Ibrahim Kalin hatten ein Bergbauabkommen unterzeichnet. Niger ist ein bedeutender Uranproduzent und liegt an dritter Stelle weltweit in Bezug auf die Uranförderung.

Ein weiteres Indiz: Am 4. September 2019 erklärte Erdoğan, es sei inakzeptabel, dass Atommächte Ankara den Erwerb eigener Atomwaffen verbieten. Diese Aussage warf zahlreiche Fragen zu den Beweggründen der Türkei für ein mögliches Atomwaffenprogramm auf.

Ankara setzt sich seit dem gescheiterten Putschversuch für die Förderung seiner sogenannten „strategischen Autonomie“ ein. Die Türkei legt großen Wert auf den Aufbau einer nationalen Verteidigungsindustrie, um die Abhängigkeit von ausländischen Rüstungsgütern – insbesondere von den USA und Europa – zu verringern, wenn nicht gar zu beseitigen. Ausserdem sichert und stärkt es auch die Handelswege mit den Partnerstaaten entlang der nordafrikanischen Küste.

Um dies zu erreichen, investiert das Land in hochwertige inländische Rüstungskonzerne, um Panzer, Raketen, Radartechnologie, U-Boote, Kampfschiffe und Drohnen zu entwickeln und bauen zu lassen. Um diese Politik auch nachhaltig zu schützen, insbesondere in Zusammenhang mit Israel und dem Iran, bräuchte es auch zwangsläufig Atomwaffen.

Der meistgelesenen kostenlosen Zeitung Israels, der „Israel HaYom“, ist diese Strategie Ankaras ebenfalls nicht entgangen. In einem Artikel zeichnet der israelische Analyst Shay Gal, die Türkei als Bedrohung, nicht nur konventioneller, sondern auch atomarer Natur.

Gal geht jedoch weiter und zeichnet eine Türkei, die der „neue Iran“ sei. Während Ankara Israel seit längerem vorwirft, die regionale Stabilität zu riskieren, bezeichnet Gal die Türkei als destabilisierende Macht und Bedrohung für Israel selbst.

So werde die Weiterentwicklung der türkischen ballistischen Rakete „Typhoon“ vorangetrieben. Inzwischen habe diese Rakete eine Reichweite von bis zu 560 km – Tendenz steigend. Zudem arbeite Ankara am Tarnkappen-Kampfjet „Kaan“, deren Indienststellung noch vor 2028 vorgesehen ist.

Gal weist insbesondere auf die türkische Ausbreitung in der Region hin. In Niger, Somalia, Pakistan und Libyen, habe Ankara weitreichende politische, militärische und wirtschaftliche Kooperationen gesichert, darunter auch nukleare Rohstoffe, aber auch militärische Stützpunkte, die fernab westlicher Kontrolle operieren würden und dazu dienen könnten, atomare Technologien zu erforschen oder zu entwickeln.

Angesicht dieser Ambitionen betrachtet Gal die widersprüchliche Haltung der Europäischen Union wie auch der USA mit Sorge, zumal die Türkei als NATO-Mitglied nicht nur gegen Griechenland feindlich gestimmt sein soll, sondern auch mit Zypern und den Anrainerstaaten des östlichen Mittelmeers erhebliche Probleme hat.

Diese inkonsistente Politik der USA und Europas erfordere eine unabhängige strategische Reaktion Israels, so Shay Gal. Der „türkische Militäraufmarsch“ in Nordsyrien biete zudem eine zusätzliche Plattform für Drohungen gegen Israel.

 


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


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