Rushdie-Attentat
Salman Rushdie: „Alle Zutaten für den Faschismus liegen bereit“

Fast genau zwei Wochen vor dem Attentat auf Salman Rushdie traf stern-Korrespondent Raphael Geiger den Schriftsteller in New York.

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Hamburg – Fast genau zwei Wochen vor dem Attentat auf Salman Rushdie traf stern-Korrespondent Raphael Geiger den Schriftsteller in New York.

In dem zweistündigen Gespräch ging es auch um Angst – doch Rushdie machte sich keine Sorgen mehr um seine eigene Sicherheit:

„So eine Fatwa ist eine ernste Sache. Aber das ist lange her.“ Ja, sagte Rushdie, wenn er heute in seinen Tagebüchern lese, die er in den Anfangsjahren nach der Fatwa des iranischen Regimes vor über 30 Jahren geführt habe, „sehe ich auch, dass es mir oft schlecht ging“.

Auf die Frage, was er denn heute fürchte, antwortete Rushdie: „Früher hätte ich gesagt – den religiösen Fanatismus. Das sage ich heute nicht mehr. Die aktuell größte Gefahr ist, dass wir unsere Demokratie verlieren.“

Es seien beängstigende Zeiten, sagte der 75-jährige Schriftsteller weiter: „Alle Zutaten für den Faschismus liegen bereit. Am Wichtigsten ist hier Trumps Sieg über die Wahrheit.“ Das Schlimmste sei, dass Morddrohungen alltäglich geworden seien: „Nicht mehr nur Politiker bekommen sie, sondern selbst amerikanische Lehrer, wenn sie bestimmte Bücher im Unterricht durchnehmen.“

Auf die Frage, wie er es über Jahrzehnte ausgehalten habe, trotz der persönlichen Gefahr, in der er sich befand, nicht zu verzweifeln, sagte Rushdie: „Man muss sich in einen Kämpfer verwandeln. Man muss gegen die Gefahren tun, was man tun kann.“ Was sein eigenes Leben betreffe, schaue er doch lieber nach vorn: „Ja, ich bin ein Optimist.“

Salman Rushdie, dessen Roman „Die Satanischen Verse“ in den 1980er Jahren Todesdrohungen des iranischen Führers nach sich zog, wurde am Freitag von einem Mann in den Hals und in den Unterleib gestochen. Der Angrifer stürmte auf die Bühne, als der Autor im Westen New Yorks einen Vortrag halten wollte.

Ein blutüberströmter Rushdie, 75, wurde in ein Krankenhaus geflogen und operiert. Sein Agent, Andrew Wylie, sagte, der Schriftsteller sei am Freitagabend an ein Beatmungsgerät angeschlossen worden und habe eine beschädigte Leber, durchtrennte Nerven in seinem Arm. Auch ein Auge wurde verletzt, das er wahrscheinlich verlieren werde.

Die Polizei identifizierte den Angreifer als Hadi Matar, 24, aus Fairview, New Jersey. Er wurde noch am Tatort verhaftet und wartet nun auf seine Anklageerhebung. Matar wurde ein Jahrzehnt nach der Veröffentlichung von „Die Satanischen Verse“ geboren. Das Motiv für den Angriff sei unklar, sagte Eugene Staniszewski, Major der State Police.

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