Gaza
Ärzte ohne Grenzen: „Israel benutzt Wasser als Waffe“

Ärzte ohne Grenzen (MSF) hat einen erschütternden Bericht veröffentlicht, der dokumentiert wie israelische Behörden den Zugang zu Wasser als Waffe gegen die palästinensische Bevölkerung in Gaza einsetzen.

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Genf – Ärzte ohne Grenzen (MSF) hat einen erschütternden Bericht veröffentlicht, der dokumentiert wie israelische Behörden den Zugang zu Wasser als Waffe gegen die palästinensische Bevölkerung in Gaza einsetzen.

Der Bericht mit dem Titel „Water as a Weapon: Israel’s Destruction and Deprivation of Water and Sanitation in Gaza“ beschreibt ein systematisches, wiederholtes und kumulatives Muster der Zerstörung und Verweigerung von Wasserinfrastruktur — und fordert Israel auf, die Wasserversorgung sofort wiederherzustellen.

„Die israelischen Behörden wissen, dass ohne Wasser das Leben endet — und dennoch haben sie die Wasserinfrastruktur in Gaza absichtlich und systematisch zerstört, während sie gleichzeitig konsequent wasserrelevante Lieferungen blockiert haben“, erklärte Claire San Filippo, MSF-Notfallmanagerin.

Neunzig Prozent der Infrastruktur zerstört

Israel hat nach MSF-Angaben nahezu 90 Prozent der Wasser- und Sanitärinfrastruktur in Gaza zerstört oder beschädigt — darunter Entsalzungsanlagen, Bohrlöcher, Pipelines und Abwassersysteme. MSF-Teams dokumentierten, wie israelisches Militär gezielt Wassertankwagen beschoss oder Bohrlöcher zerstörte, die für Zehntausende Menschen überlebenswichtig waren.

Gewalttätige Vorfälle ereigneten sich häufig während der Wasserverteilung — dabei wurden Palästinenser und Hilfsarbeiter verletzt und Ausrüstung beschädigt.

Ein zehnjähriger Junge in der Warteschlange erschossen

Besonders erschütternd ist das Zeugnis der Palästinenserin Hanan aus Gaza-Stadt:

„Mein Enkel war in Nuseirat, im Juli 2025. Er ging um Trinkwasser zu holen. Er stand mit anderen Kindern in der Schlange — und sie töteten ihn. Er war zehn Jahre alt. Wasser holen sollte nicht gefährlich sein.“

Es ist kein Einzelfall. MSF dokumentierte zahlreiche Vorfälle bei denen Palästinenser beim Versuch Wasser zu beschaffen verletzt oder getötet wurden.

MSF: Größter Wasserproduzent nach lokalen Behörden

Nach den lokalen Behörden ist MSF der größte Produzent und einer der wichtigsten Wasserverteiler in Gaza. Dennoch konnte die Organisation zwischen Mai und November 2025 bei jeder fünften Wasserverteilung nicht ausreichend Wasser liefern — die Tankwagen reichten schlicht nicht aus.

Israelische Militärevakuierungsbefehle sperrten MSF-Teams zudem aus Gebieten aus, in denen sie zuvor Hunderttausende Menschen mit Wasser versorgt hatten.

Blockade lebensrettender Hilfsgüter

Seit Oktober 2023 werden Strom, Treibstoff und wichtige Hilfsgüter — darunter Generatoren, Ersatzteile, Motoröl, Wasserentsalzungsanlagen, Pumpen, Chlor und andere Wasseraufbereitungschemikalien — stark eingeschränkt oder vollständig blockiert.

Ein Drittel der MSF-Anfragen zur Einfuhr kritischer Wasser- und Sanitärgüter wurde abgelehnt oder blieb unbeantwortet. Selbst bereits genehmigte Lieferungen wurden häufig an der Grenze zurückgewiesen.

„Wir brauchen Wasser“, sagt Ali, ein vertriebener Palästinenser in einem Lager in Deir Al-Balah. „Es macht keinen Sinn. Es ist als ob wir die Welt um das Lebensnotwendigste bitten würden.“

Katastrophale Folgen für Gesundheit und Würde

Die Folgen der Wasserverweigerung sind weitreichend — besonders für Frauen und Menschen mit Behinderungen. Der Zugang zu grundlegender Hygiene wie sauberem Wasser, Seife, Windeln und Menstruationsprodukten ist extrem schwierig geworden. Menschen sind gezwungen, Löcher im Sand als Toiletten zu graben, die überlaufen und das Grundwasser mit Fäkalien kontaminieren.

Der Mangel an Wasser und Hygiene führt zu einem massiven Anstieg von Krankheiten. Hauterkrankungen machten 2025 fast 18 Prozent der allgemeinen Gesundheitskonsultationen von MSF aus. Zwischen Mai und August 2025 hatten fast 25 Prozent der Menschen im vergangenen Monat eine Magen-Darm-Erkrankung erlitten.

MSF fordert sofortiges Handeln

MSF fordert die israelischen Behörden auf, die Wasserversorgung in Gaza sofort auf das erforderliche Niveau wiederherzustellen. Israels Verbündete werden aufgerufen, ihren Einfluss zu nutzen um Israel unter Druck zu setzen, den humanitären Zugang — einschließlich der Wasserinfrastruktur — nicht länger zu behindern.

Der Bericht kommt zu dem Schluss dass die systematische Wasserverweigerung kein isoliertes Phänomen ist, sondern Teil eines umfassenderen Musters — neben der direkten Tötung von Zivilisten, der Zerstörung von Gesundheitseinrichtungen und der massenhaften Vertreibung der Bevölkerung.

 


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