Jerusalem
Kirchenvertreter widersprechen israelischer Polizei

Die israelische Polizei hatte ihren Angriff auf den Trauerzug der getöteten Al Jazeera Journalistin Schirin Abu Akle damit begründet, dass "Krawallmacher den Sarg in ihre Gewalt gebracht sowie Steine und Plastikflaschen geworfen" hätten.

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Jerusalem – Die israelische Polizei hatte ihren Angriff auf den Trauerzug der getöteten Al Jazeera Journalistin Schirin Abu Akle damit begründet, dass „Krawallmacher den Sarg in ihre Gewalt gebracht sowie Steine und Plastikflaschen geworfen“ hätten.

Hochrangige Kirchenvertreter und das katholische St.-Joseph-Krankenhaus im Ostjerusalemer Stadtteil Sheikh Jarrah wiesen diese Darstellung am Montag entschieden zurück.

Die Trauernden seien vollkommen friedlich gewesen. „Es gab keine Gewalttäter. Im Gegenteil, der Angriff ging von der Polizei aus und richtete sich gegen die Sargträger“, zitiert NZZ den Direktor des Krankenhauses, Jamil Koussa,

Wie NZZ weiter berichtet, zeigte Koussa als Beleg bisher unveröffentlichte Aufnahmen von Überwachungskameras des Krankenhauses. Diese zeigen, wie mindestens zwanzig Polizisten die Klinik stürmen und bis zur Notaufnahme vordringen. Ein Mann auf Krücken kann ihnen kaum ausweichen.

Kirchenvertreter verurteilen Polizei

Auch der höchste Vertreter der katholischen Kirche im Heiligen Land hat die brutale Vorgehensweise der israelischen Polizei verurteilt und die israelischen Behörden beschuldigt, die Menschenrechte zu verletzen und die katholische Kirche nicht zu respektieren. Der unverhältnismäßige Gewalteinsatz sei eine Missachtung der Kirche, einer Gesundheitseinrichtung und der Erinnerung an die Verstorbene, sagte der lateinische Patriarch Pierbattista Pizzaballa in einer Pressekonferenz.

„Die Polizei stürmte in ein christliches Gesundheitsinstitut, missachtete die Kirche, das Gesundheitsinstitut und das Andenken des Verstorbenen“, so Pizzaballa.

Der Angriff der Polizei sei ein schwerer Verstoß gegen internationale Normen und Vorschriften, einschließlich des grundlegenden Menschenrechts der Religionsfreiheit, das auch in einem öffentlichen Raum beachtet werden muss, so Pizzaballa.

„Der israelische Polizeieinsatz und die unverhältnismäßige Gewaltanwendung, bei der Trauernde angegriffen, mit Schlagstöcken geschlagen, Rauchgranaten eingesetzt, Gummigeschosse verschossen und die Patienten des Krankenhauses in Angst und Schrecken versetzt wurden, ist eine schwere Verletzung internationaler Normen und Vorschriften“

„Die Wut hier ist mit Händen zu greifen“, so Al Jazeeras Imran Khan. „Wir haben vom Generaldirektor [des Krankenhauses] gehört, dass er in seinen 31 Jahren noch nie so etwas gesehen hat. Die Krankenhausbehörden sagen, dass es absolut keinen Grund für [die israelischen Streitkräfte] gab, in das Gebäude einzudringen“, so Khan weiter. Er fügte hinzu, dass die drei Schlüsselwörter, mit denen das Vorgehen der Streitkräfte beschrieben wird, „schändlich“, „respektlos“ und „unverhältnismäßiger Einsatz von Gewalt“ seien.

Der Angriff vom Freitag wurde weltweit verurteilt und hat die Empörung über die Ermordung von Abu Akleh, die über eine israelische Razzia im besetzten Westjordanland berichtete, noch verstärkt.

Abu Akleh, eine christliche Amerikanerin palästinensischer Herkunft, die seit 25 Jahren für Al Jazeera arbeitete, wurde bei der Berichterstattung über eine israelische Militärrazzia im Flüchtlingslager Dschenin getötet.

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– Bellincat Recherche –
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